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Villingen-Schwenningen System um Notfallrettung und Notfalldienst kränkelt

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Am Ende geht es für Otto N. mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme des Schwarzwald-Baar-Klinikums. Foto: DPA / Armer

Villingen-Schwenningen - Wie verhalte ich mich in einer gesundheitlichen Notsituation richtig und was kann ich tun, um im Ernstfall die notwendige Hilfe zu bekommen? Der Fall eines Schwenningers zeigt auf, dass das System um Notfallrettung und Notfalldienst kränkelt.

Es war der Abend des 22. Oktobers, als Otto N. (Name von der Redaktion geändert) mit höllischen Schmerzen und einem aufgeblähten Bauch in seiner Schwenninger Wohnung sitzt. Auch übergeben hatte er sich bereits. Gegen 23 Uhr wusste sich der 85-Jährige nicht mehr anders zu helfen und wählte aus Sorge um seine Gesundheit und aufgrund der Uhrzeit den Notruf unter der Nummer 112.

Wie N. gegenüber unserer Zeitung schildert, habe die Person am anderen Ende der Leitung gesagt: "Wegen Bauchschmerzen kommt kein Notarzt." Ein Satz, der sich dem Senior aufgrund seiner damaligen Hilflosigkeit eingeprägt hat, wie bei seiner Erzählung deutlich wird. Allerdings, so berichtet er weiter, habe der Mitarbeiter der Integrierten Leitstelle ihn anschließend an den ärztlichen Notfalldienst unter der Rufnummer 116 117 vermittelt. Das übliche Vorgehen, wie Peter Metzger, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes Schwarzwald-Baar, auf Nachfrage unserer Zeitung erläutert. "Bei Unsicherheiten oder Grenzfällen gelte, lieber ein Mal mehr die 112 zu wählen. Gegebenenfalls kann, wie hier geschehen, an den ärztlichen Notfalldienst weitervermittelt werden."

Tabletten gegen Sodbrennen bei Darmverschlingung verschrieben

In diesem Fall war dem Patienten damit allerdings nicht geholfen. Ein dort zuständiger Arzt habe ihm dann Tabletten gegen Sodbrennen genannt, die er sich in der Notfallapotheke besorgen sollte, schildert Otto N. den weiteren Verlauf.

Selbst das Besorgen war noch umständlich, geholfen hatte es natürlich nicht. Und so rief N. nach einer schmerzerfüllten Nacht seinen Hausarzt an, der dann am 23. Oktober gegen Mittag zum Hausbesuch kam. Von da an ging alles relativ schnell: Mit dem Rettungswagen wurde er in die Notaufnahme des Schwarzwald-Baar-Klinikums gebracht und "einige Zeit" später fand er sich im Operationssaal wieder. Denn Otto N. hatte eine Darmverschlingung, die nach Aussage seines Hausarztes "zum Zeitpunkt meines Hausbesuchs eine Einlieferung in die Klinik dringend erforderlich machte."

Als Otto N. von seinem Fall berichtet, sitzt er bereits wieder in seinem Wohnzimmer. Er hatte Glück, denn ohne ärztliche Behandlung hätte die bakterielle "Vergiftung" des Körpers schwere Folgen gehabt, wie sein Hausarzt bestätigt. Dennoch zeigt der Fall des Schwenningers auf, dass der telefonische Notfalldienst seine Schwächen hat.

Peter Metzger erklärt die Herausforderungen, die Rettungs- und Notfalldienst mit sich bringen: Die Grenzen, wann ein Patient die 112 und wann die 116 117 wählen sollte, seien nicht an festen Parametern auszumachen und oftmals auch fließend. Eindeutig lebensbedrohliche Notfälle wie Herzinfarkt oder Verkehrsunfall könnten über den Notruf 112 gemeldet werden. "Andere, eindeutige Fälle, bei denen man zur Tages- oder Praxiszeit den Hausarzt kontaktieren würde, können nachts, feiertags und am Wochenende unter 116 117 den ärztlichen Notfalldienst erreichen."

Patient verhielt sich richtig

Demnach hatte sich Otto N. also richtig verhalten. Doch wie kam es zu der unzutreffenden Diagnose am Notdiensttelefon? Wie kritisch die Situation zum Zeitpunkt des nächtlichen Anrufs war, kann der behandelnde Hausarzt im Nachhinein nicht beurteilen. "Das lässt sich für mich nicht nachvollziehen. Als ich meinen Patienten gesehen habe, waren rund zwölf weitere Stunden vergangenen."

Peter Metzger macht deutlich, dass seine Disponenten in der Integrierten Leitstelle alles Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter mit einer speziellen Zusatzausbildung seien. "Die Disponenten erarbeiten sich mittels gezielter Fragestellung ein sogenanntes Meldebild." Dieses Meldebild werde dann bewertet und die konkrete Hilfe vermittelt.

Um dieses so deutlich wie möglich skizzieren zu können, übernehmen die Disponenten die Gesprächsführung von Beginn an. Sie melden sich dazu mit dem Satz: "Notruf Feuerwehr- und Rettungsdienst, wo genau ist der Notfallort?" Damit wird verhindert, dass der verunsicherte Anrufer in einen Redefluss kommt und die wichtigsten Informationen beim Disponenten nicht ankommen.

Der Schwenninger Otto N. hatte Glück im Unglück. Denn eine etwa 15 Zentimeter lange Narbe ist nach jetzigem Stand alles, was ihn an diesen Vorfall erinnern wird.

In eindeutigen Notfällen wählen Sie die Notrufnummer 112 und folgen Sie den Anweisungen des ausgebildeten Personals am anderen Ende der Leitung. In Fällen, in denen Sie normalerweise Ihren Hausarzt aufsuchen würden, dieser aber nachts, an Feiertagen oder am Wochenende nicht erreichbar ist, wählen Sie die ärztliche Notdienstnummer 116 117.

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