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Villingen-Schwenningen Sozialarbeiter berichten: Inobhutnahmen steigen

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Diplom-Sozialpädagoge Lars Frauenheim und seine Kollegin Yasmina Zahn sind für das Haus Regenbogen zuständig. Foto: Huber

Villingen-Schwenningen - Wer junge Flüchtlinge im Haus Regenbogen sucht, sucht fast vergebens. Die künftigen minderjährigen Bewohner kommen auch aus Familien ohne Migrationshintergrund, in denen Gewalt alltäglich ist. Die Einrichtung hat die Weichen neu gestellt, da die Inobhutnahmen steigen.

In dem Wohnheim in Villingen gibt es freundliche Räume, in rot, türkis und gelb gehalten, eine gemütliche Couch. Doch nirgends irgendwelche Kleidungsstücke, neugierige Gesichter oder Stimmengewirr. Die beiden zuständigen Sozialarbeiter, Diplom-Sozialpädagoge Lars Frauenheim und seine Kollegin Yasmina Zahn klären auf.

Von den neun unbegleiteten minderjährigen Ausländern (Umas) sei noch einer übrig. Die anderen seien längst flügge geworden. Angesichts der deutlich abebbenden Zahlen entschloss sich der AWO-Ortsverband VS zu einer Neuorientierung. Zwar sind in dem Gebäude nahe der Hammerhalde auch in Zukunft Umas willkommen. Doch das Haus ist nun auch offen für Kinder und Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Nicht ohne Grund wurde das Haus Regenbogen für die Kinder- und Jugendhilfe geöffnet. Was sich seit einigen Jahren bundesweit abzeichnet, erreicht auch die Villinger Einrichtung: Die Zahl der Inobhutnahmen steigt. Seitdem sich die Konzept-Erweiterung herumgesprochen hat, erhält Frauenheim Anfragen von Jugendämtern aus ganz Baden-Württemberg.

Krise als Beschleuniger

Herausgenommen werden Kinder vorübergehend aus ihren Familien, wenn es Probleme gibt, wenn Kinder und Jugendliche Gewalt ausgesetzt sind, wenn sie vernachlässigt werden. "Der Bedarf steigt", beobachten Frauenheim und Zahn. Schnell drängt sich ein Gedanke auf: Sind die steigenden Zahlen eine der bitteren Folgen der Corona-Krise und des Lockdown? Dieser Rückschluss trifft es nach Ansicht der Sozialpädagogen nicht ganz. Problemfälle habe es schon immer gegeben, durch Lockdown und Restriktionen seien Alltagsprobleme in den eigenen vier Wänden beschleunigt worden.

Anfragen von überall her

Die Anfragen kommen nicht ohne Grund aus dem gesamten Bundesland. Für jedes Kind die geeignete Einrichtung zu finden, sei nicht einfach, erläutert der Sozialarbeiter. Mal müsse es eine große Distanz zum Elternhaus geben, mal sei eher viel Nähe wichtig; andererseits passe nicht jeder Junge und nicht jedes Mädchen zu den übrigen Hausbewohnern, ergänzt er. Insgesamt können im regenbogenfarbigen Haus bislang acht Kinder und Jugendliche aufgenommen werden. Sind die übrigen Räume im ersten Stockwerk erst einmal hergerichtet, erhöht sich die Zahl auf 16 junge Bewohner. Der erste Junge, zwölf Jahre alt, aus schwierigen familiären Verhältnissen, kam kürzlich an: ein Syrer, der Gewalt im Elternhaus erlebt hat und hier ein geschütztes Zuhause finden soll. Ein weiterer Junge ist Ende August eingezogen. Für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb im Haus Regenbogen sind künftig insgesamt fünf Fachkräfte zuständig.

Wie sieht es in der Fördererstraße aus und damit in den ehemaligen Offiziershäuschen, in denen ebenso Umas untergebracht werden? Diese werden zwar noch von Sozialarbeitern betreut, jedoch nicht rund um die Uhr und führen ein recht selbstständiges Leben. Doch auch hier ändert sich der Wind. Zum einen leben nur noch 16 minderjährige Ausländer in einem Teil der Häuschen, die die AWO gemietet hat. Einst waren es über 20.

Insgesamt war in den Reihenhäusern Platz für maximal 40 Bewohner. Die meisten von ihnen, so Frauenheim und Zahn, seien in Ausbildung, etwa in Altenheimen, besuchen Schulen oder gehen zur Arbeit, so in Gastronomiebetrieben. Einige teilen das gleiche Schicksal wie ihre deutschen Altersgenossen und sind auf der Suche. "Die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt", so Frauenheim. Erschwert werde die Situation dadurch, dass nicht jede angebotene Lehrstelle mit Bus oder Bahn erreicht werden könne. "Viele haben bislang ihren Weg gefunden", so seine positive Bilanz, lediglich ein sehr kleiner Teil sei gescheitert und auch straffällig geworden.

Von wegen Gratislizenz

Ein Teil der kleinen Reihenhäuschen ist mittlerweile verwaist. Die Gebäude, die im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma) sind, möchte die AWO weiter nutzen, aber zu einem anderen Zweck. Im Gespräch ist ein soziales Wohnprojekt. In den sechs Häuschen sollen zum Beispiel Menschen ein Zuhause finden, die auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt keine Bleibe finden, weil sie nicht genügend Geld für Führerschein und Auto haben. Denn Asylbewerber bekommen den Führerschein nicht generell bezahlt, wie es immer wieder behauptet wird. Richtig ist: Für die Übernahme der Kosten gelten laut Agentur für Arbeit die gleichen Bedingungen wie für Deutsche.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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