Sympathische Botschafter der Schweiz im Innenhof: der Rapper Greis (rechts) mit DJ Claud (Mitte) und Ur. Foto: Zieglwalner Foto: Schwarzwälder-Bote

Innenhof-Festival: Berner Rapper Greis fliegen Sympathien zu

VS-Villingen. Es ist der Sprachmix zwischen Schwyzerdütsch und Französisch, der fasziniert, aber auch die Verbindung von Hip-Hop mit melodischen Passagen: Der Berner Rapper Grégoire Vuilleumier, in der Schweizer Szene besser bekannt als "Greis", mischte zusammen mit Claudio Bucher, genannt Claud, am DJ-Pult und dem Sänger Ur das Villinger Innenhof-Festival mit bisher eher ungewöhnlichen Klängen in dieser Location auf – und überzeugte auf der ganzen Linie.

Nicht nur die jungen Besucher gehen von den ersten Takten an mit, sondern auch die ältere Generation spürt den Hip-Hop schnell in den Beinen. Und die Sympathien des Publikums fliegen den Jungs ohnehin sofort zu. Erweisen sie sich doch als ebenso witzige wie charmante Botschafter ihres Landes. Als selbst ernannter Präsident (Ur), Außenminister (Claud) und Pressesprecher (Greis) treten die drei bei ihrem ersten Konzert in Baden-Württemberg überhaupt an und nehmen sich und ihre Landsleute gehörig auf die Schippe, schlagen mit Blick auf die Schweizer Politik und das Zeitgeschehen aber auch gesellschaftskritische Töne an.

Ob die Abschottungspolitik der Eidgenossen oder die harte Haltung in der Flüchtlingsfrage, Greis bezieht Stellung für ein offenes Mitein­ander und Gerechtigkeit in einer Welt, in der jeder Mensch ein Mensch sein darf. Und er hat klare Botschaften: Es kommt darauf an, im Leben etwas zu machen und zu bewirken – verpackt in ­Songs voller Drive. Wie zwei Energiebündel hüpfen Greis und Ur über die Bühne, während Claud am DJ-Pult scratcht und ganze Passagen einspielt, denen die beiden einen neuen Zusammenhang geben – und eben frech mit den Stilen spielen.

Da schallen arabische Klänge über den Hof, und Greis preist das Stück als "traditionellen Schweizer Tanz aus dem Emmental" an. Heimatkunde der etwas anderen Art, die Spaß macht und auch auf musikalischer Ebene spielerisch daher kommt. So auch die Zugabe, für die sich Greis die Stichworte aus dem Publikum zurufen lässt und mit seinem Kompagnon flugs einen Nonsense-Rap textet. Die Besucher wollen die Jungs kaum gehen lassen, holen ein um die andere Zugabe heraus.

"Wir hoffen, wir kommen wieder", zeigt sich denn auch Greis angetan vom Ambiente des Innenhofs. Mit diesem Konzert hat das Team einmal mehr bewiesen, dass einem um die Zukunft des Festivals nicht bange sein muss, hält es doch nicht an einem festen Rahmen fest, sondern räumt auch jungen Bands genügend Platz ein. Und mit der vor der Bühne tanzenden Jugend ist schon die nächste Generation an Besuchern im Hof.