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Villingen-Schwenningen Skandal um betrügerischen Finanzbeamten weitet sich aus

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Zahlreiche Wohnungseigentümer in Villingen-Schwenningen und dem Schwarzwald-Baar-Kreis befürchten, Opfer des betrügerischen Hausverwalters zu sein. (Symbolfoto) Foto: vegefox.com – stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Der Skandal um den Finanzbeamten, der sich als Hausverwalter an Konten von Wohnungseigentümergemeinschaften bedient hat, schlägt hohe Wellen. Auch eine neuerliche Gerichtsverhandlung konnte kein Licht ins Dunkel bringen. Warum der Schaden wohl noch größer ist als zunächst vermutet und was Betroffene beachten müssen, lesen Sie in unserem (Schwabo plus)-Artikel.

Die Nachricht schlug ein: Zahlreiche Wohnungseigentümer in Villingen-Schwenningen und dem Schwarzwald-Baar-Kreis befürchten, Opfer des betrügerischen Hausverwalters zu sein, der sich an den Konten von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) in Villingen bedient hatte.

"Das Telefon steht seit dem nicht mehr still", erzählt Danijela Neducic von der Resonanz nach der exklusiven Berichterstattung des Schwarzwälder Boten. Bei der Inhaberin von MD Hausverwaltung & Immobilien, die im Namen der Wohnungseigentümer weiterhin die finanziellen Ungereimtheiten aufdeckt, hatten sich seit Bekanntwerden des Skandals zahlreiche betroffene Gemeinschaften gemeldet, welche hinsichtlich des Hausverwalters einen ähnlich Verdacht hätten. "Die Betroffenen wollten von uns ein Angebot, ich habe jedoch abgelehnt - wir können aufgrund der Angelegenheit derzeit keine weiteren Objekte mehr annehmen", so Neducic.

Die Haus- und Grundstücksfachverwalterin hatte in mühevoller Arbeit herausgefunden, dass sich ein Finanzverwalter, der gleichzeitig als Hausverwalter für zahlreiche Mehrfamilienhäuser in VS und Umgebung tätig ist, an Geldern von Wohnungseigentümern bedient hatte. So hob er nachweislich über Jahre hinweg unerlaubt fast 77.000 Euro von einem schwarzen Konto ab, auf welches die Eigentümer Vorauszahlungen für die Warm- und Kaltwasserversorgung überwiesen hatten.

Im Raum steht darüber hinaus eine mögliche Steuerhinterziehung, da für die Gelder voraussichtlich keine Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer gezahlt wurden. Dass diese Taten jedoch nur die Spitze des Eisberges sind, beweisen nun weitere Nachforschungen von Neducic.

Weitere 30.000 Euro fehlen

Diese hatte die Einbuchungen eines Objektes in der Villinger Innenstadt überprüft, welches ebenfalls vom betroffenen Hausverwalter betreut und mittlerweile von Neducic übernommen wurde. "Wir können jetzt abschließend bestätigen, dass hier definitiv über 33.000 Euro Rücklagen fehlen", so die neue Hausverwalterin. Der bislang bezifferte Schaden beläuft sich demnach auf mehr als 100.000 Euro. Es deutet sich ihren Angaben zufolge außerdem an, dass noch bei weiteren Hausgemeinschaften im Schwarzwald-Baar-Kreis Geld fehlt.

Bei Uwe Strittmatter, ­Geschäftsführer der gleichnamigen Hausverwaltung aus Villingen, dauert die Aufarbeitung der von dem Finanzbeamten übernommenen Objekte noch an. "Wir kümmern uns nun um drei Eigentümergemeinschaften von ihm", berichtet Strittmatter im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Sauber sei in dem Fall der bereits überprüften Objekte zwar nicht gearbeitet worden, dass Geld fehlt, konnte noch nicht nachgewiesen werden. Allerdings gibt Strittmatter zu bedenken, dass weiterhin Unterlagen zu den Wohnungseigentümergemeinschaften fehlen würden.

Überhaupt sei es bislang schwierig gewesen, an die Unterlagen zu den WEGs zu gelangen, die beim dubiosen Hausverwalter liegen. Demnach musste zunächst auf Herausgabe geklagt werden. Obwohl der neuen Hausverwaltung hierbei Recht gegeben wurde, hätten die Unterlagen erst im Rahmen einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt werden können, um diese rechtmäßig zu übergeben.

Strittmatter bestätigt derweil, dass die Nachricht für Unsicherheit unter den Eigentümern sorgt. "Wir haben mehrere Anfragen, ob wir betroffene Wohnanlagen übernehmen", erklärt der Geschäftsführer, "aber wir haben aufgrund der Aufarbeitung der Fälle derzeit keine Kapazitäten mehr und sind natürlich auch gegenüber unserer Bestandskunden verpflichtet."

Barabhebungen in Höhe von fast 77.000 Euro

Wie schwierig sich die Aufarbeitung der dubiosen Vorgänge rund um den Finanzbeamten gestaltet, zeigt eine weitere Verhandlung in dieser Sache am Freitag vor dem Villinger Amtsgericht. Im Mittelpunkt standen hierbei unter anderem die Barabhebungen in Höhe von fast 77.000 Euro. Wohin dieses Geld verschwunden ist oder was damit gemacht wurde, konnte jedoch nicht geklärt werden, weil der beschuldigten Hausverwalter der Verhandlung erneut fern blieb. Auch der zuständige Richter stellte fest, dass "seit Monaten keine Erklärung gefunden" werden konnte.

Selbst sein anwesender Verteidiger konnte kein Licht ins Dunkel bringen. "Der richtige Weg wäre es, dass er die Auszahlungen, die er nicht erklären kann, bezahlt", erklärt der Rechtsanwalt schließlich. Aber: Seinen eigenen Angaben zufolge habe er lediglich den Auftrag, seinen Mandanten zu verteidigen. Hinsichtlich eines Vergleichs für die fehlenden Gelder sei ein anderer Rechtsanwalt zuständig. "Der kommt mit den Vergleichsverhandlungen aber nicht weiter", berichtet der Verteidiger.

Dieser musste vor Gericht außerdem zugeben, dass er mit der Klage "alle Hände voll zu tun" habe. Denn selbst für ihn seien die zweifelhaften Vorgänge seines Mandanten teilweise nur schwer nachvollziehbar: "Ich kann mir aber vorstellen, dass da etwas ist, was er zu bezahlen hat".

Was Betroffene beachten müssen

Was ist zu tun, wenn Eigentümer befürchten, Opfer eines betrügerischen Hausverwalters geworden zu sein? "Wichtig ist auf alle Fälle, sich rechtlich beraten zu lassen", berichtet Thomas Haller, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht und Vorsitzender des Vereins "Haus & Grund" VS, einer Interessensvertretung von Eigentümern.

Grundsätzlich sei es in einem Betrugsfall notwendig, eine Eigentümerversammlung einzuberufen. Dies sei beispielsweise über den Beiratsvorsitzenden möglich. "Das Ziel ist es, den Hausverwalter abzuberufen und den Vertrag fristlos zu kündigen", so Haller. Möglich sei dies, wenn der Verwalter den Eigentümern beispielsweise Abrechnungen schuldig geblieben ist und gegen seine Pflichten verstoßen hat. Darüber hinaus habe auch jeder Eigentümer das Recht, in die Unterlagen des Hausverwalters einzusehen, "der Einzelne ist aber oft im Juristendschungel verloren", so der Fachanwalt.

In solchen Fällen könne auch der Verein "Haus & Grund" helfen, der sich unter anderem den Eigentümerschutz auf die Fahne geschrieben hat. So steht der Verein seinen rund 2000 Mitgliedern in VS in allen Fragen rund um das Eigentum zur Verfügung stehen, wie Haller betont.

Mangel an zuverlässigen Hausverwaltungen in VS

Sollte sich im Rahmen der Nachforschungen schließlich herausstellen, dass Gelder fehlen, müsse zivilrechtlich gegen den Hausverwalter vorgegangen werden, um dieses wieder zu erhalten.

Doch die Eigentümer stehen in diesem Fall nicht nur vor dem Problem, die Angelegenheit aufzuarbeiten, sondern ebenso, einen neuen Hausverwalter zu finden. Haller bestätigt, dass der Mangel an zuverlässigen Hausverwaltungen in VS nicht neu ist. "Die Aufgabengebiet und die Pflichten sind nicht zu unterschätzen und die Kapazitäten mittlerweile begrenzt", so der Experte. Insbesondere kleinere Gemeinschaften dürften es aufgrund der fehlenden Lukrativität derzeit schwer haben, einen neuen Verwalter zu finden.

Und was, wenn kein Verwalter gefunden wird? "Dann wird’s schwer, ein Patentrezept gibt es nicht", berichtet Haller. Als Notlösung sei es möglich, sich selbst zu verwalten. Dies würde der Fachanwalt aber insbesondere bei Kommunikationsproblemen innerhalb der Wohnungseigentümer nicht empfehlen. Es könne jedoch auch ein vom Gericht bestellter Notverwalter tätig werden, "der muss dann aber auch erst mal gefunden werden". Einfache Lösungen gebe es bei einer fehlenden Verwaltung nicht, zudem müsse man jeden Fall einzeln betrachten.

Weitere Informationen zu Haus & Grund:

https://www.hug-vs.de/

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