Siegfried Kauder posiert in Villingen-Schwenningen vor einem Wahlplakat. Foto: Seeger

Unabhängiger Kandidat spricht sich mit seinem Bruder aus. Verwunderung über neue Wahlplakate.

Villingen-Schwenningen - Bei der CDU geht es zu wie in einer Familie: Siegfried Kauder hat seinen Bruder Volker, den Unionsfraktionsvorsitzenden im Bundestag, "immer noch lieb". Er habe sich mit seinem Bruder ausgesprochen, sagte er gestern. Diese Nachricht ließ er zum Auftakt seines Wahlkampfes als unabhängiger Kandidat mit "Guerilla-Plakaten" verkünden.

Bei Guerilla denkt man ja sonst an den marxistischen Kämpfer Che Guevara, doch der Bundestagsabgeordnete Siegfried Kauder ist noch Mitglied der CDU. Allerdings läuft ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn. Bruder Volker war auch dafür. Mit "Guerilla" ist ja auch nur die Werbemethode gemeint: wenig Mittel, hohe Wirkung.

Die CDU im Schwarzwald-Baar-Keis hat indes heute Abend alle Bürger zum Kreisparteitag eingeladen. Geboten wird ein "Town Hall Meeting" mit dem Landesvorsitzenden Thomas Strobl und dem "echten" CDU-Bundestagskandidaten Thorsten Frei in einer Schwenninger Werkzeugmaschingenfabrik. Die Bürger dürfen dort Fragen stellen.

Ob wohl einer noch nach dem "Guerillero" fragt, wenn nach Sektempfang Bewirtung und Musik für "ungezwungene Atmosphäre" sorgen sollen? Und ob der selbst ernannte Freiheitskämpfer Siegfried dann auch zur Veranstaltung erscheint?

Wochenlang hatte man gerätselt, was "Unser Profi", so der Titel der Plakate, die außer einem Kreuz auf einem Wahlzettel nichts zeigten, bedeuten sollte. Seit gestern sind einige dieser Plakate noch um ein kleines Foto von Siegfried Kauder bereichert.

Der "Profi" muss wohl selbst auf die Leiter steigen und die "Guerilla"-Wahlwerbung komplettieren. Für Unterhaltung ist gesorgt. Siegfried Kauder setzt auf jeden Fall auf den Sieg. Im Krieg und in der Liebe sind bekanntlich alle Mittel erlaubt. Wenn es mit dem Bundestag nicht klappen sollte, überlegt er sich, ein Buch zu schreiben. Ob Volker darin vorkommt?