Mit diesem Radlader war der 71-Jährige auf dem fremden Grundstück am Rande des Kurgebiets unterwegs. An dieser Stelle befindet sich eigentlich auch die Einfahrt zur Garage (rechts im Bild) – von ihr ist aber nichts mehr zu sehen. Foto: Eich

71-Jähriger hinterlässt Schneise der Verwüstung auf fremdem Grundstück. Makler schockiert.

Villingen-Schwenningen - Ein 71-Jähriger hat nach einer Zerstörungsfahrt mit einem Schaufellader eine Schneise der Verwüstung auf einem Grundstück im Kurgebiet hinterlassen. Das Problem: Es war nicht sein Garten.

Der Immobilienmakler dürfte seinen Augen kaum getraut haben, als er zufälligerweise an jenem Haus vorbeifuhr, welches er eigentlich für eine Kundin verkaufen sollte. Denn in dem Garten am Rande des Kurgebiets war ein Mann gerade dabei, mit einem Schaufellader das halbe Gelände umzupflügen. "So etwas habe ich noch nie erlebt", berichtet der Makler gegenüber dem Schwarz­wälder Boten kopfschüttelnd.

An Peterzeller Straße

Geschehen war dies am Donnerstag vergangene Woche gegen 8.45 Uhr. Das Anwesen an der Peterzeller Straße mit großem Garten – gut geschützt durch meterhohe Hecken – macht eigentlich einen stattlichen Eindruck, doch das gepflegte Grün gehört seit jenem Tag der Vergangenheit an. "Ich weiß nicht, ob er gedacht hat, er muss den Garten modellieren, der war wie im Wahn", erklärt der Immobilienexperte aus VS.

Was er vorfand, schockiert ihn schließlich: Die gesamte gepflasterte Einfahrt hatte der Mann mithilfe des Baugeräts bereits meterhoch mit Erde zugeschüttet, sie ist als solche gar nicht mehr zu erkennen. Doch damit nicht genug: Hecken und massive, meterhohe Bäume wurden einfach gefällt und umgefahren, vom malträtierten Rasen ganz zu schweigen. Das Haus hingegen verschonte er.

Fassungslos rief er die Polizei, schilderte dort, was sich gerade vor seinen Augen abspielen würde. Die Beamten reagieren sofort, eilten zugleich mit zwei Streifen an den Ort des Geschehens und stoppten die wilde Zerstörungsfahrt durch den fremden Garten. Schnell wird klar: Der 71-Jährige, der in Villingen-Schwenningen wohnt, war zu diesem Zeitpunkt kaum mehr Herr seiner Sinne. "Er hat unverständliche Gründe genannt, was er in dem Garten zu suchen hätte", berichtet Polizeisprecher Dieter Popp auf Anfrage unserer Zeitung. Demnach habe er "der Verkäuferin viel Arbeit abnehmen" wollen. Und: "Ich will den Kaufpreis senken."

Popp erklärt, dass dies für die Beamten kaum nachvollziehbar gewesen sein soll und keinen Sinn machte. Demnach habe es sich ganz offensichtlich um einen psychischen Ausnahmezustand gehandelt, in dem sich der Mann befand. Die Beamten brachten ihn deshalb in eine Spezialklinik.

Warum der Mann ausgerechnet dieses Haus für seine eigenwillige Aktion ausgesucht hatte, ist nicht bekannt. Offenbar habe der 71-Jährige zuvor bei Nachbarn gefragt, ob das Haus zu verkaufen sei, was sie bejahten. Anschließend sei er mit dem Schaufellader, welcher sich wohl in seinem Besitz befindet, angerückt.

Der entstandene Schaden wird von der Polizei auf mehrere zehntausend Euro beziffert. Diesen will die Familie des Mannes nun wiedergutmachen, berichtet der Immobilienmakler. "Die Angehörigen sind bemüht, es ist ja irgendwie auch ein trauriger Fall", erzählt er. Allerdings ist es aufgrund der Verwüstung im Garten vermutlich nicht einfacher geworden, einen Käufer für die Immobilie zu finden.

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