Tausendmal fragt Christoph nach dem Warum. Hätte er Safer Sex praktiziert, wäre er heute nicht HIV-positiv. Foto: dpa

Christoph erfuhr durch Zufall von der Infektion. Nach schlechten Erfahrungen: "Mein HIV-Status geht keinen etwas an."

Villingen-Schwenningen - 34 Jahre jung und beruflich in einer Führungsposition erfolgreich – Christoph* steht mitten im Leben. Aber: Er ist HIV-positiv, und nur durch Zufall erfuhr der Mann aus Villingen-Schwenningen davon. Als er telefonisch nach dem Ergebnis eines Routinetests fragte, den er sich zweimal jährlich zur Auflage gemacht hatte, und statt einer Antwort eine Einladung in die Praxis des Arztes erhielt, "war mir gleich klar, was da auf mich zukommen würde". "Es tut mir leid, aber der erste HIV-Test war positiv" – die Worte, die er vor eineinhalb Jahren hörte, hallen noch in seinen Gedanken wider.

HIV-positiv, "für viele ein Todesurteil, gleichbedeutend mit der Pest". Doch der 34-Jährige strahlt Lebensfreude und Zuversicht aus. Im Gespräch mit unserer Zeitung möchte er zwar anonym bleiben – "hier, im ländlichen Raum, tut man sich schwer, sich als HIV-positiv zu outen" – trotzdem gibt er einen tiefen Einblick in sein Leben, das seit der Diagnose viel mehr Veränderungen erfahren hat, als die Tablette, die er täglich vor dem Zubettgehen schluckt. "Ich lebe viel intensiver, genieße die Tage mehr als vorher und habe festgestellt, dass Arbeit nicht alles ist". 14-Stunden-Tage im Büro waren zuvor keine Seltenheit.

Wo genau er sich infiziert hat, "weiß ich nicht, aber ich habe einen Verdacht", gesteht der heute 34-jährige Homo­sexuelle. Es sei wohl bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr passiert. Ob er Hass auf den Überträger fühlt? "Nein, diese Schuld schiebe ich keinem anderen zu." Aber er sei sauer auf sich selbst, weil er bei diesem einen Mal auf Safer Sex mit Kondom verzichtet hat. Heute ist das Verhüterli Pflicht – aber meist nur dann, wenn es was Ernsteres werden soll, weihe er seine Sexualpartner in Sachen HIV-Status auch ein. "Wenn man es vorab sagt, hat sich das erledigt, bevor er soweit kommt."

Nach anfänglichem Schock lebe er heute dank modernen Medikamenten "ohne Abstriche machen zu müssen" mit dem Virus. Die beste Medizin aber seien seine Freunde gewesen, die ihn kurz nach seinem Outing als HIV-Positiver fragten, was das nun an ihrer Freundschaft ändere. Eben: nichts! Oder seine beste Freundin, die ihn kurz darauf zur Patentante ihres Kindes machte und seine Bedenken mit einem "jetzt übertreib’ mal nicht" vom Tisch wischte. Aber auch seine Eltern – für seine Mutter sei sein Coming-Out als Schwuler fast schlimmer gewesen – die gleich das Angebot seiner Ärztin annahmen und in die Praxis kamen.

"Wenn das alles nicht gewesen wäre, "und ich psychisch nicht so stabil gewesen wäre, wüsste ich nicht, wie ich damit klargekommen wäre", gibt Christoph zu. Da steckte er auch einen herben Schlag im Berufsleben weg, als sein früherer Vorgesetzter, dem er sich anvertraut habe, zunächst Verständnis heuchelte und dann mit der HIV-Diagnose im Betrieb hausieren gegangen sei, um andere Mitarbeiter im Notfall vor Christoph zu schützen. Seither steht für ihn fest: "Mein HIV-Status geht keinen etwas an."

Weitere Informationen: 

www.aids-hilfe-sbh.de

*Name von der Redaktion geändert