Porträt: Mustafa Karakolcu ist Geschäftsführer des Jugend- und Kulturzentrums
Er ist immer voller Ideen und das Pläneschmieden prägt sein Leben. Mustafa Karakolcu ist – unter anderem – vom Jugendförderungswerk angestellter Geschäftsführer des Jugend- und Kulturzentrums Klosterhof und war auf dem Sprung, die Einrichtung zu einem Hotspot für die Jugend werden zu lassen. Doch dann kam das Coronavirus.
Villingen-Schwenningen. Das Programmheft für 2020 liegt als Rohling vor, gedruckt wurde es bisher nicht. Abgesehen vom Sommerferienprogramm, einigen Konzerten und der Design-Messe im Oktober musste wegen der Pandemie schließlich alles abgesagt werden, was darin aufgeführt ist und aus dem Ideenkoffer des 56-Jährigen stammt: von der Silent-Disco über ein Comedy-Dinner, ein Smartphone-Filmfestival und Sonntagsmatinees für Kinder bis hin zum Mitmach-Theater für Jugendliche.
Die Ideen füllen 15 Seiten – umso unfairer empfindet es Mustafa Karakolcu, wenn moniert werde, dass im Kulturzentrum Klosterhof "ja nichts los" sei. "Für das Coronavirus können wir nichts", sagt er. Man habe nach dem Lockdown im Frühjahr mit Hygiene- und Abstandskonzepten keine Anstrengungen gescheut, um wenigstens einige Veranstaltungen stattfinden lassen zu können.
Infiziert habe sich seines Wissens dabei niemand. Momentan setzen Karakolcu, der Vereinsvorsitzende Dieter Sirringhaus und das Vorstandsteam noch darauf, dass ab dem 27. Dezember der "Winterzauber" für Kinder stattfinden kann und die Hoffnung, noch in diesem Jahr ein Theaterprojekt umsetzen zu können, ist auch noch nicht dahin. "Immerhin proben wir schon."
Als 15-Jähriger nach Villingen gekommen
Mustafa Karakolcu ist im türkischen Of am Schwarzen Meer geboren und kam als 15-Jähriger nach Villingen. In seiner Heimat hatte er zwar gerade eine Uhrmacherlehre begonnen, doch die Chance, aufgrund der Tatsache, dass sein Vater das Geld für die siebenköpfige Familie in Deutschland verdiente, noch vor einer Gesetzesänderung als Minderjähriger auswandern zu dürfen, nutzte der Teenager.
Hier lernte er bei der Firma Winkler den Beruf des Schlossers und wurde übernommen. 1988 heiratete er. Als das Unternehmen 1993 ins Trudeln geriet, verlor er seinen Arbeitsplatz – und erwog die Rückkehr in die Türkei. Dazu kam es aber nicht, denn das erste von drei Kindern kündigte sich an. Als Hobbyfotograf und Mann mit Ideen machte er – zunächst für türkische Gastronomiebetriebe – Werbung. So erfolgreich, dass er 1995 mit einem Partner die Agentur "Kaptan Reklam" gründete, die ihre Kundschaft inzwischen in allen Bereichen der Geschäftswelt hat.
Mustafa Karakolcu ist als ehemaliges Mitglied eines Schultheaters Mitbegründer des Kulturvereins "Caba", der sich ab 1983 mit Hilfe des Theaterspielens um türkische Kultur in Deutschland kümmerte und die deutsch-türkische Freundschaft pflegte. Früher mehr als heute, gibt der Schauspieler, Regisseur und Autor von Bühnenstücken zu. In den ersten Jahren gab man jährlich noch 100 Vorstellungen in türkischer, aber auch deutscher Sprache und veranstaltete im Münsterzentrum regelmäßig Treffen für beide Nationalitäten. Viel Aufwand für immer weniger Helfer.
Seit 30 Jahren ist man Mitveranstalter des Innenhoffestivals und sorgt dabei für das Catering, derzeit die Hauptaufgabe des Vereins. "Es wäre schon schön, wenn es all das andere auch wieder einmal gäbe", träumt Mustafa Karakolcu.
Um seine Theaterleidenschaft noch häufiger ausleben zu können, stand der Familienvater sowohl beim Theater am Turm (TaT) als auch bei Karin Pittners Brennpunkttheater auf der Bühne. Und er übernahm Regie – etwa bei den TaT- Eigenproduktionen "Warte, bis es dunkel wird", "Gaslicht" und "Der Hässliche". Das von ihm geschriebene Kinderstück "Die Taubenkommissare" wurde im Theater am Turm im Januar 2020 aufgeführt.
Nach dem Tod seiner Frau vor fünf Jahren ist Mustafa Karakolcu alleinerziehend, seine beiden Ältesten studieren. Lange überlegen musste er daher nicht, als er gefragt wurde, ob er zusätzlich die Hälfte der Stelle des Geschäftsführers des Kulturzentrums Klosterhof übernehmen würde. "Ich liebe es zu organisieren und etwas auf die Beine zu stellen, was vielen Menschen Spaß macht", sagt er. Sogar in der Bühnentechnik und beim Kulissenbau kennt er sich aus.
Weil er ein unermüdlicher Macher ist und durch den aufgrund Corona heruntergefahrenen Betrieb des Klosterhofes bringt er seine beiden Jobs als Werber und Veranstalter derzeit sehr gut unter einen Hut, auch wenn er alle Arbeit noch als alleiniger Geschäftsführer erledigen muss.
Viel Freizeit für sein geliebtes Wandern bleibt Mustafa Karakolcu da nicht. Und nach spätem Feierabend noch auf ein Bier mit Freunden – das ist im Moment ja gar nicht möglich.