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Villingen-Schwenningen Schwänzen liegt bei Jugendlichen im Trend

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Foto: © igorsinkov –­stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Mike ist gerade 15 Jahre alt geworden, besucht eine Schule im Oberzentrum und legt dem Klassenlehrer 30 Euro auf den Tisch: Nicht für Bücher, sondern fürs Bezahlen der Ordnungswidrigkeit, weil "ich mal 14 Tage weg bin". Die Zahl der Anzeigen fürs "Schwänzen" beim Ordnungsamt der Stadt ist deutlich gestiegen.

Macht das Schwänzen auch in VS Schule? Ein Trend fürs unentschuldigte oder chronische Fernbleiben vom Unterricht zeichnet sich auch in VS ab. Wer in schöner Regelmäßigkeit fernbleibt und dessen Platz im Klassenzimmer wiederholt leer ist, wird bei der Stadt aktenkundig, genauer gesagt in der Behörde, die für das Verschicken von Bußgeldbescheiden zuständig ist. Oxana Brunner, Pressesprecherin der Stadt, bestätigt, dass sich die Anzahl der Anzeigen und damit das Aufkommen der verschickten Bußgeldbescheide seit 2015 deutlich erhöht habe. Inoffiziell macht eine Zahl von deutlich über 350 Vorfällen die Runde. Grundsätzlich hängt die Höhe des Bußgeldes von der Häufigkeit des "Schwänzens" ab, erläutert Brunner. Wenn den Eltern "Unterstützung" beim regelmäßigen Fernbleiben ihrer Kinder nachzuweisen sei, könne die Summe von 300 Euro erreicht werden. Die günstigste Variante: knapp 100 Euro pro Monat. Die chronischen "Fernbleiber", heißt es aus einer zuverlässigen Quelle, bringen es jährlich auf zwischen 20 und 70 Fehltage.

Psychische Probleme

Für die Gymnasien ist das unentschuldigte oder DauerFernbleiben vom Unterricht "noch ein Randproblem", wie vom langjährigen geschäftsführenden und mittlerweile pensionierten Direktor Manfred Koschek zu erfahren ist. Und für die Grundschüler sei das Dauerschwänzen "noch gar kein Problem", ergänzt Gabriele Cernoch-Reich, Koscheks Pendant für die übrigen Schulen. Falls Kinder regelmäßig vom Unterricht fernbleiben, "gibt es ein Gespräch mit den Eltern". Einem "auffällig häufigen Fernbleiben gehen wir sofort nach".

Doch was sind die Ursachen für das Schwänzen? Das Fernbleiben, mit oder ohne Entschuldigung, könne vielschichtige Gründe haben, so leitende Pädagogen aus VS. Während des Gesprächs mit dem Schwarzwälder Boten versucht Maria K. zum zweiten Mal ihren Sohn zu wecken, er zieht die Decke über den Kopf, "ich habe so großes Bauchweh", stöhnt er. Die Mutter lässt ihn weiter schlafen. Erst am nächsten Tag erfährt sie, dass eine Mathe-Klassenarbeit geschrieben wurde. Einer der Hauptgründe seien Überforderung und damit auch das Auftreten psychischer Probleme. "Die Zahl der Schüler, die vor jeder Klassenarbeit Panikattacken schieben, hat zugenommen." Manfred Koschek führt dies vor allem darauf zurück, dass die Jugendlichen "permanent unter elektronischer Beobachtung sind und, dank Instagram etwa, in einer Art Dauerwettbewerb stehen."

Betrunkene Mutter

Doch dem Vernehmen nach gibt es auch andere Gründe, für chronisches Fernbleiben. In manchen Familien, beobachten Experten, "wird die Schulpflicht nicht besonders ernst genommen", insbesondere, "wenn diese einen Migrationshintergrund haben". Lena hat ihren Schulsachen eigentlich gerichtet, wie oft. Doch auch heute wird sie nicht zur Schule gehen, sondern sich um andere "wichtigere" Dinge kümmern: Zu einer Schieflage führen auch immer weniger intakte oder zerrüttete Familien. Selbst in VS gebe es Kinder, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen, die ihre Mutter morgens bereits betrunken auf der Couch liegen sehen: "Diese müssen sich dann um die kleineren Kinder kümmern und den Haushalt machen, statt sich mit Deutsch oder Englisch zu beschäftigen".

"Verlorene Kinder"

"Diese verlorenen Kinder bilden zwar einen kleinen Prozentsatz ab, aber für die Gesellschaft ist das insgesamt katastrophal", so ein Kenner der schulischen Szene. Gerade wenn Entschuldigungen vorliegen, fallen Fehlzeiten erst viel später auf, "zu spät wird dann mal näher hingeschaut". Konkret bedeute dies: Was sich in den eigenen vier Wänden abspielt, erfahren Schulsozialarbeiter und Lehrer manchmal zu spät. Wer zur Schulzeit vor Einkaufszentren oder Bahnhöfen abhängt, der kann dagegen recht schnell Kontakt mit Streetworkern oder Mitarbeitern des kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) bekommen. Wer keinen guten Grund für seinen Aufenthalt außerhalb des Klassenzimmers hat (eine Freistunde etwa), "wird sofort in die Schule zurück gebracht", beschreibt die städtische Pressesprecherin Brunner die Strategie des KOD. Für Fachleute ist das Herumlungern auch die Folge einer um sich greifenden mangelnden Erziehungskompetenz: "Mama, wenn ich liegen bleiben möchte, dann bleibe ich eben liegen." Oder stehe auf, um an den einschlägigen Plätzen der Stadt zu chillen.

Schneller reagieren

Für Beobachter dieser Entwicklung ist das Fazit klar: "Alle Schulleitungen sollten früher als bisher reagieren und in die Familien hineinschauen, wenn Kinder regelmäßig fehlen." Und nicht nur dann, wenn keine Entschuldigungen vorliegen, fordert ein Experte. "In manchen Schulen passiert das, in anderen jedoch nicht." Auch sollten Sanktionen zeitnah greifen.

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