Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

Porträt / Rudi Fürst-Maschek hat sich mit der     Eröffnung eines Cafés einen Traum verwirklicht / Neues Kneippbad mitgestaltet

Er hat das neue Kneippbad mitgestaltet und "schöne Zeiten" an dessen Beckenrändern verbracht. Rudi Fürst-Maschek hat auch schon vom Schreibtisch aus die städtischen Bäder verwaltet.

VS-Villingen. Jetzt hat er sich einen Traum erfüllt und vor einem Jahr das Café am Riettor eröffnet. "Ich habe noch nie so viel gearbeitet wie zurzeit", sagt der 56-Jährige und weist auf eine Sechs-Tage-Woche mit mehr als zwölf Stunden täglich hin. Bereut haben er und seine Frau Sabine den Schritt in die Selbstständigkeit bisher trotzdem nicht, das Café wird gut angenommen.

Dass er berufsfremd in die Gastronomie eingestiegen ist, hätte auch schiefgehen können, doch der gebürtige Süd­tiroler hat nie daran gezweifelt, "dass ich nach 36 Jahren täglichen Umgangs mit vielen Menschen auch damit klarkomme".

Von Südtirol nach Schwenningen gezogen

Rudi Fürst-Maschek ist in Meran geboren und hatte bis zu seinem 18. Lebensjahr einen italienischen Pass. Als er drei war, starb sein Vater und drei weitere Jahre später zog seine Mutter mit ihm nach Schwenningen und heiratete wieder. Er wuchs mit vier Stiefbrüdern auf, ging auf dem Deutenberg in die Schule und da er schon früh Wasser liebte und wie seine Mutter immer sagte, "in jede Pfütze springt", begann er 1981 bei der Stadt die Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen.

Nachfolger seines Mentors Rudolf Hug

Gut kann er sich noch an das Vorstellungsgespräch erinnern. "Ich kannte mich damals in Villingen kein bisschen aus und musste das ­Hallenbad erst suchen", sagt er und lacht. 1988 machte er seinen Meister und erhielt sogleich den Posten des leitenden Schwimmmeisters als Nachfolger seines Mentors Rudolf Hug (†).

Nachdem sich die Stadtwerke 1990 neu strukturierten und die Bäder GmbH gegründet war, wurde Rudi Fürst-Maschek befördert und an den Schreibtisch geholt. Eine neue und interessante Aufgabe zwar, doch nach zehn Jahren zog es ihn zurück an den ­Beckenrand. 2013 wurde der Schwimmmeister erneut ins Büro zurückgeholt und übernahm die Leitung aller städtischen Bäder. Als solcher war er wesentlich an der Neugestaltung des Kneippbades beteiligt, die 2016 in einem ersten Bauabschnitt ihren Niederschlag fand und deutlich Fürst-Mascheks Handschrift trägt. Der Aufsichtsturm für die Schwimmmeister und der Wegfall der das Becken umrankenden Hecken waren seine Ideen.

Bevor der zweite Bauabschnitt begann, der bekanntlich vor wenigen Wochen abgeschlossen und das Kneippbad wiedereröffnet wurde, beendete er nach 36 Jahren seine Mitarbeit bei den Stadtwerken und verwirklichte sein Herzensprojekt.

Seit ihrer Hochzeit 2009 träumten er und seine Frau Sabine, eine Steuerberaterin und Architektin, vom eigenen Café. "Die Realisierung machten wir damals von einem ­Lottogewinn abhängig. Dann habe ich tatsächlich gewonnen: drei Richtige", witzelt Fürst-Maschek.

Die Schließung des Cafés Leute am Riettor war die Initialzündung, die das Paar zu einer schnellen Entscheidung animierte. "Die gute Lage – da mussten wir einfach zugreifen. Wenn nicht jetzt, wann dann?".

Rudi Fürst-Maschek absolvierte ein Praktikum bei seinem Stiefsohn, der in Berlin-Kreuzberg eine Eckkneipe betreibt, und eignete sich gastronomisches Handwerk an. Im August 2017 war es schließlich soweit und das Café am Riettor öffnete seine Türen.

"Wir wollten zu den bereits bestehenden innovativen Cafés ein weiteres hinzufügen – Villingen verträgt das", sagt der Cafébetreiber. Eine Bar, an der ein schneller Espresso genommen wird, Musik von aufgelegten Vinylplatten – eine Leidenschaft seit der Jugendzeit – und wiederkehrende Live-Acts machen das Café aus.

Zurzeit etwas brach liegt Rudi Fürst-Mascheks weitere Leidenschaft – der Sport. Im eigenen Fitnessraum mit Freunden, mit Boxen beim Boxclub Schwenningen ("das beste Training der Welt, weil es den ganz Körper und auch den Kopf trainiert"), Radfahren, Schwimmen, Joggen und Wandern hielt er sich früher so intensiv fit, dass Alen ­Velcic, Trainer der Schwenninger wiha-Panthers, ihn 2004 fragte, ob er nicht das Konditionstraining seiner Basketballer übernehmen würde. Drei Saisons lang nahm Rudi Fürst-Maschek diese Aufgabe intensiv wahr und begleitete die "großen Jungs" mit Triathlons, Boxen, Waldlaufen und Hallentraining bis in die Regionalliga. Auch viele Jahre später noch arbeitete er mit ihnen zusammen.

Doch jetzt hat er dafür zu seinem Leidwesen keine Zeit mehr. Aber er genießt es, als Gastronom sein eigener Herr und "authentisch" sein zu können. Seine bisherigen beruflichen Stationen möchte er trotzdem nicht missen, "sie haben mich alle weitergebracht".

Er will mit dem Motorrad nach Bombay fahren

Träume hat der Vater einer Tochter und drei Stiefsöhnen trotzdem noch. Gerne würde er mit dem Motorrad einmal von Neu Delhi bis nach Bombay fahren. "Das schaffe ich auch noch", ist er sich sicher.