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Villingen-Schwenningen Schließung des Kindergartens war eine richtige Maßnahme

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VS-Weilersbach. Der Kindergarten in Weilersbach ist wegen Schimmelbelastung geschlossen. Das sei eine richtige und notwendige Maßnahme gewesen, befindet Jochen Früh, Leiter des Gesundheitsamtes. Er lobt ausdrücklich das schnelle Handeln der Verantwortlichen nach Bekanntwerden des Gutachtens. Es seien die richtigen, umfangreichen Vorkehrungen getroffen worden. Gleichzeitig kann das Gesundheitsamt Entwarnung insofern geben, als keine besonders giftigen Sporen festgestellt worden sind, die mit schweren Krankheitsbildern in Zusammenhang gebracht werden. Dies unterstrich Früh im Interview.

Um welche Art von Sporen handelt es sich und welche Gesundheitsgefährdungen sind konkret gegeben?

Unter den 200 000 bekannten Schimmelpilzarten gibt es wenige Arten, bei denen eindeutig ein gesundheitlicher Bezug nachgewiesen ist. Die Differenzierung festgestellter Sporen erfolgt daher selektiv und nach gesundheitlicher Relevanz. Das Spektrum der im Kindergarten gefundenen Arten beinhaltet Sporen feuchtigkeits- und jahreszeitassoziierter Schimmelpilze wie Aspergillus-, Penicillium- und Hefearten. Diese Schimmelpilze und deren Sporen kommen in unserer Umwelt natürlich vor. Sie sind bei immunkompetenten Kindern und Erwachsenen nicht von sich aus krankheitsauslösend und werden auch nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Die zum Messzeitpunkt zu den Innenräumen um den Faktor zehn erhöhten Cladosporiumkonzentrationen in der Außenluft waren zweifelsfrei saisonal bedingt. Es besteht aber grundsätzlich die Gefahr, dass bei erhöhten Schimmelpilzkonzentrationen Asthma und weitere allergische Krankheitsbilder über den Weg einer Sensibilisierung begünstigt werden. Der Nachweis einer Sensibilisierung erfolgt in der Kinderarztpraxis und/oder beim Allergologen. In der Regel bestehen für Kinder ohne hohen Atopie-Score, ein Hinweis auf Anfälligkeit, keine größeren Gefährdungen. Von einer Allergie kann erst gesprochen werden, wenn eine im standardisierten Testverfahren gesicherte Sensibilisierung mit allergietypischen Beschwerden oder Befunden gesichert wird.

Welche Messwerte wurden genau ermittelt? Und wie bewerten Sie die Situation angesichts der besonderen Obhut, die kleinen Kindern zuteil werden muss?

Die Messwerte hängen vom Zeitpunkt der Messung, saisonalen und örtlichen Gegebenheiten ab. Die Höhe der Befunde derartiger Messreihen auf speziellen Nährböden ist weniger von Bedeutung als das aktuelle Verhältnis der Schimmelpilzkonzentration der untersuchten Räumlichkeiten zur Außenwelt. Grenzwerte sind deshalb nicht festgelegt. Der Träger hat bereits aus Fürsorgegründen weitgehende Maßnahmen veranlasst. Dazu gehören die Reinigung, die Sanierung und die Nutzungsänderung belasteter Räumlichkeiten. Neben dem im Kindergartenbetrieb nicht genutzten Keller besteht ein Feuchtigkeitsproblem im Dachstuhl, hier ist seitens der Stadt Villingen-Schwenningen eine umgehende Sanierung beabsichtigt. Mit der vorübergehenden Auslagerung des Kindergartenbetriebes ist für Kinder eine Gefährdung sicher ausgeschlossen.

Da ein Teil der Belastung aus dem Naturkeller kommt stellt sich die Frage nach der bisherigen Dauer der Sporenbelastung: Können Sie Langzeitfolgen durch dauerhafte Exposition ausschließen, wird das untersucht beziehungsweise kann man das überhaupt untersuchen?

Zum baulichen Hintergrund liegen uns keine Informationen vor; wir gehen davon aus, dass Natursteinkeller aufgrund ihrer Durchfeuchtung grundsätzlich Schimmelpilzbelastet sind. Die Sporenkonzentrationen sind wechselnd. Der Natursteinkeller ist kein ständig genutzter Aufenthaltsort innerhalb der Einrichtung. Die Exposition ist daher nur sporadisch und dazu nur für das Personal anzunehmen. Eine weitere Veranlassung oder Zuständigkeit des Gesundheitsamtes hinsichtlich Krankheitsfälle liegt aufgrund fehlender Regelungen, wie einer Meldepflicht, nicht vor. Dafür sind Kinderärzte, der betriebsärztliche Dienst und Allergologen verschiedener Fachrichtungen zuständig.

Wie ist die weitere Vorgehensweise, wird zum Beispiel recherchiert, ob bei derzeitigen/ehemaligen Beschäftigten/Kindern Krankheitsfälle signifikant abweichend von der Prävalenz vorkommen?

Die Prävalenz kann in dieser Konstellation aufgrund fehlender Hinweise auf Erkrankungen nicht ermittelt werden. Wir wissen nur aus Studien, dass in feuchtigkeitsbelastenden Regionen, wie beispielsweise Küsten, das Vorkommen von Asthma auf das Vierfache erhöht sein kann.

Der Kindergarten ist in Trägerschaft der katholischen Kirche, Hauseigentümer ist die Stadt: In wessen Verantwortungsbereich liegt die Hygiene primär?

Für die Hygiene (Reinigung/Lüftung) ist der Betreiber zuständig. Für die baulichen Voraussetzungen ist der Hauseigentümer verantwortlich. Bei Feuchtigkeitsschäden ist hier gegebenenfalls auch der Sicherheitsingenieur mit heranzuziehen. Das Gesundheitsamt ist im Rahmen des Infektionsschutzes für die allgemeine Hygiene zuständig. Diese ist auf die im Infektionsschutzgesetz genannten Erkrankungen, die in Gemeinschaftseinrichtungen übertragen werden können, ausgerichtet. Die Erzieherinnen werden vor einer Tätigkeit im Gesundheitsamt zu hygienischen Fragen belehrt. Die arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Begehungen liegen in der Verantwortung des Trägers.   Die Fragen stellte Stefan Preuß

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