Die schlimmsten Befürchtungen von Kindergartenleiterin Irene Flaig, hier zeigt sie auf das marode Dach, haben sich bewahrheitet: Das Gebäude ist stark mit Schimmelsporen belastet. Foto: Preuß

Weilersbach: Ergebnis der Schadstoffmessung liegt vor. Notgruppe im Gemeindehaus. Eltern informiert.

VS-Weilersbach - Schock in Weilersbach: Im Kindergarten St. Bernhard wurde jetzt bei einer Schadstoffmessung eine sehr erhebliche Belastung mit Schimmelsporen festgestellt. Der Betrieb im Haus wird mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Ab dem heutigen Mittwoch bietet der Kindergarten eine Notgruppe im Gemeindehaus an. Da der Umzug nun sehr kurzfristig realisiert werden muss, sind die Eltern aufgerufen, bis Freitag die Kinder nur dann in den Kindergarten zu bringen, die aus beruflichen oder sonstigen dringenden Gründen ihre Kinder nicht selbst betreuen können. Ab Montag, 26. November, sollen dann alle Kinder im Gemeindehaus in der Kindergartenstraße 1 betreut werden. Ein entsprechendes Elternschreiben wurde gestern, Dienstag, versandt.

Als ein Auslöser der gesundheitsgefährdenden Belastung mit Schimmelsporen gilt das undichte und feuchte Dach. "Da das Dachgebälk morsch und feucht ist, hat sich im Dachgeschoss Schimmel gebildet", heißt es in dem Schreiben. Nachdem Kindergartenleiterin Irene Flaig durch die Planungen zur Dachsanierung von der Belastung Kenntnis erhalten hat, drängte sie auf eine umgehende Schadstoffmessung. Während der Sitzung des Ortschaftsrates im Oktober hatte sie berichtet, dass sie unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen leidet, die durch Schimmelsporen hervorgerufen werden.

Das Ergebnis der Schadstoffmessung liegt nun vor. Die Messung hat ergeben, "dass vor allem im Naturkeller sowie im Windfang des Kindergartens (Garderobenbereich der Mitarbeiterinnen) eine hohe Sporenkeimzahl im Vergleich zur Außenluft gegeben ist" heißt es weiter im Schreiben.

Von zwei Seiten belastet

Die Gruppenräume werden also von zwei Seiten, Dach und Keller, belastet. Auch in den Gruppenräumen wurden, allerdings in geringerer Konzentration, Schimmelsporen in der Raumluft nachgewiesen. Ursächlich hierfür sei wahrscheinlich eine Verschleppung der Sporen durch die bisher geöffnete Kellertür, sowie durch Materialien, die vom Keller in die Gruppenräume transportiert wurden.

Die genaue Belastung ist im Brief nicht genannt, und sowohl die katholische Kirche als Träger als auch die Stadt als Besitzer der Immobilie haben am Dienstag bis Redaktionsschluss darauf verzichtet, eine Presseinformation herauszugeben, obwohl die Ergebnisse offenbar bereits am Montag vorgelegen haben.

Auf alle Fälle seien "diese Belastungen auf keinen Fall tolerierbar", heißt es in dem von der Kindergartengeschäftsführerin Andrea ­Fischer und Kindergartenleiterin Irene Flaig unterschriebenen Brief.

Neben der Ausquartierung der Kinder und Erzieherinnen werden nun konkret der Naturkeller sofort stillgelegt und auch der Windfang im Laufe dieser Woche saniert. Ebenfalls wird die Luke zum Dachboden, bis zur Dachsanierung (Frühjahr 2019), geschlossen. "Im Anschluss an diese Maßnahmen wird das komplette Kindergartengebäude, das Inventar und die Materialien einer sogenannten Feinreinigung unterzogen. Hier handelt es sich um ein spezielles Verfahren, um die Schimmelsporen wirksam zu bekämpfen. Sobald diese Reinigung abgeschlossen ist, wird eine erneute Schadstoffmessung stattfinden. Ebenfalls werden wir zur Sicherheit das Gesundheitsamt miteinbeziehen", kündigen Fischer und Flaig an.

Bis eine zweite Schadstoffmessung die Wirksamkeit der Maßnahmen bestätigt und die Nutzung der Räume wieder zulässt, wird der Kindergartenbetrieb in das Gemeindehaus verlegt. Das freilich ist nicht dafür ausgelegt, schon gar nicht für den Kleinkindbereich, so dass erhebliche Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man nicht verlässlich sagen, wie lange die Reinigungsarbeiten andauern werden. Zusammen mit Ortsvorsteherin Silke Lorke gehen Fischer und Flaig davon aus, ab Januar 2019 wieder den Betrieb im Kindergartengebäude fortsetzen zu können.

Schimmelsporen können gefährliche Enzyme bilden, die über die Atmung und die Haut in den menschlichen Körper gelangen. Schimmelpilze in Räumen sind generell gesundheitsgefährdend, jedoch in unterschiedlichem Maße. Die gebildeten Giftstoffe, sogenannte Mykotoxine, können eine Vielzahl an Krankheiten auslösen. Meist handelt es sich um Atemwegsprobleme oder allergische Reaktionen, einige Schimmelpilzarten stehen jedoch im Verdacht, Krebs zu verursachen oder können zu schweren Organschäden führen.

Keine Reaktion

Stadt und katholische Kirche haben bislang nicht kommuniziert, welche Art von Schimmelsporen nachgewiesen wurden, auch die genaue Konzentration ist nicht bekannt. Ob es sich bei der unverzüglichen Räumung des Kindergartens um eine Maßnahme mit großem Vorsichtsspielraum oder eine zwangsläufige Notmaßnahme handelt kann deshalb einstweilen nicht abschließend geklärt werden.

Insbesondere für Personen, deren Immunsystem schon durch eine (chronische) Vorerkrankung geschwächt ist, stellt Schimmel in Räumen eine große Gefahr dar. Säuglinge und Kinder reagieren sensibler auf Umweltgifte und haben noch keine ausreichenden Abwehrkräfte ausgebildet. Ihr Allergierisiko steigt, wenn sie sich in einer schimmelbelasteten Umgebung aufhalten.

Außerdem können Säuglinge und Kinder bleibende Schädigungen bei längerer Exposition zu Schimmelsporen erleiden. Es wird daher möglichst geklärt werden, wie lange die Sporenbelastung im Kindergarten Weilersbach bereits angedauert hat.