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Villingen-Schwenningen Schauen und staunen auf den Pilgerwegen dieser Welt

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Dieter Glogowski (rechts) ist bei der Eventreihe story VS von Michael Hoyer (links) kein ­Unbekannter – diesmal brachte er seine Frau Andrea Nuss und Stefan Rosenboom (hinten rechts) mit. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

Villingen-Schwenningen. Selten war eine story VS so geeignet, um vom Alltag abzuschalten, sich zu besinnen und den Blick auf das Wesentliche lenken zu lassen. Die Bildergeschichten mit dem Titel "Pilgern – Wege der Stille" nahmen das Publikum in der Neuen Tonhalle in Villingen mit auf internationale Pilgerwege.

Das Wort Pilgern stammt aus dem Lateinischen und bedeutet: "aus Glaubensgründen in die Ferne aufbrechen". Sich eine Auszeit von den Anforderungen des täglichen Lebens zu nehmen, ist aber nicht nur bei Gläubigen in Mode gekommen. Dieter Glogowski, kein Unbekannter in Michael Hoyers Eventreihe, erzählte diesmal gemeinsam mit seiner Frau Andrea Nuss von seinen Pilgererfahrungen, ebenso wie Stefan Rosenboom, der seine Geschichten in anrührend lyrischen Texten vortrug.

Im Kloster St. Peter in Salzburg hatten sich alle drei Abenteurer zuvor spirituell auf das Gesamtprojekt "Pilgern" vorbereitet und wanderten hernach Wege in Norwegen, Japan, Spanien, Italien, auf dem Sinai und Süddeutschland durch inspirierende Landschaften. "Schauen und staunen" waren dabei über Tage die Hauptbeschäftigungen, abgesehen vom Innehalten und Nachdenken über den Sinn des Lebens.

Um die Erkenntnis nach weltweit vielen Hundert Kilometern zu Fuß vorweg zu nehmen: Der Himalaya-Experte Dieter Glogowski würde diesen mit unzähligen Flugkilometern verbundenen Beruf heute nicht mehr ergreifen, unvermeidbare Flüge kompensieren er und seine Frau und allen drei Vortragenden liegt der Erhalt dieser Welt und speziell die Obdachlosen in Frankfurt am Herzen.

Zum Pilgern auf dem Jakobsweg machen sich jährlich rund 300 000 Menschen auf. Den 660 Kilometer langen Olavweg von Hamar nach Trondheim durch moosbewachsene Wälder und Trollenlandschaften nehmen sich in der gleichen Zeit nur 380 Pilger vor. Die vielen Kapellen am Wegesrand laden zur Meditation und inneren Einkehr ein, andere Menschen trifft man kaum. "Pilgerpaten" kümmern sich um die einsamen Wanderer. "Ich habe mich nach 15 Tagen Wandern – ganz alleine – innerlich gereinigt gefühlt", schwärmte Andrea Nuss von ihrem Weg durch Norwegen. Stefan ­Rosenboom ging den St. An­dreas-Weg im Kaukasus, den japanischen Kumano Kodo und den Jakobsweg von München nach Lindau. Seine eindringlich wirkenden mit der Leica eingefangenen Schwarz-weiß-Bilder faszinierten mit ihrer Sprache, die sich eher mit inneren Eindrücken als mit äußeren Ansichten beschäftigte und vom Erlebnis des Pilgerns – gekoppelt mit Rosenbooms Texten - in ungewohnter und deshalb so beeindruckender Weise erzählten.

Auf die Spuren des Alten Testamentes begaben sich Dieter Glogowski und Andrea Nuss auf ihrem Weg in sengender Hitze zum Berg Mose auf dem Sinai. Dabei trafen sie auf eine Einsiedlerin, die ihnen den "inneren Reichtum" näherbrachte und den Wert des äußeren in Frage stellte. Gleichwohl braucht es Mittel zum Überleben. ­Andrea Nuss brachte von Hand gearbeiteten Schmuck mit, der in der Pause reißenden Absatz fand und den Frauen und ihren Familien vor Ort zu Gute kommt. In Nepal stießen sie auf die "unglaubliche Spiritualität" der Yogis und Sadus, die allem Besitz abgeschworen haben und sich als Bettelmönche verdingen. Besonders beschäftigte die Pilger auf dem italienischen Franziskusweg das besitzlose Leben des Heiligen Franz von Assisi. Mit der Erkenntnis "Der Weg ist das Ziel" und die Einsicht, dass es angesichts qualmender Kraftwerke, Plastikmüll in den Meeren, die Vernichtung des Regenwaldes, das Abschmelzen des ewigen Eises, Überdüngung, Armut und Kriege Zeit zur Ein- und Umkehr ist, entließen die drei Dokumentaristen ein nachdenkliches Publikum in die Nacht.

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