An mehreren Fronten dauern die Rechtsstreitigkeiten rund um den Bilanzskandal bei dem Villinger Leuchtenhersteller Hess an. Foto: Zieglwalner

Entscheidendes Testat für 2011 widerrufen. Staatsanwaltschaft arbeitet derzeit an Anklageerhebung.

Villingen-Schwenningen - Es sei die für den Börsengang "wesentliche" Bilanz der Hess AG, die nun widerrufen wurde, so Insolvenzverwalter Volker Grub. Umso erfreulicher findet er, dass die Karlsruher Wirtschaftsprüfer der dhmp GmbH & Co. KG sich nun "unserer Sichtweise angeschlossen haben".

Es hat verhältnismäßig lange gedauert. Von gegnerischer Seite war nach dem Widerruf der Testate für das Jahr 2010 durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Falk Anfang Februar immer wieder betont worden, dass die Bilanzen für die Geschäftsjahre 2010 und 2011 über gültige Testate von dhmp verfügten und dies ja die für den Börsengang entscheidenden Jahrgänge waren. Immer wieder wurde darüber hinaus sogar gemunkelt, die dhmp habe möglicherweise sogar an einer Manipulation mitgewirkt, erzählte Insolvenzverwalter Volker Grub. Gestern nun aber die Nachricht, wonach auch die Wirtschaftsprüfer der dhmp den "uneingeschränkten Bestätigungsvermerk" für den Jahresabschluss zum 31. Dezember 2011, sowie die Konzernabschlüsse zum 31. Dezember 2011 und 31. Dezember 2010 widerrufen haben.

Damit sei belegt, "dass die dhmp im Zuge der Prüfungen der oben genannten Abschlüsse der Hess AG für die genannten Zeiträume von den Vorständen der Hess AG getäuscht wurde", so Grubs Fazit. Aufgrund solch mangelhafter Jahresabschlüsse sei kein zutreffendes Bild der Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage gegeben. Grundlage für den Widerruf seien die Feststellungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz zu den Jahresabschlüssen.

Der Insolvenzverwalter wird den Widerruf nun im elektronischen Bundesanzeiger bekanntgeben – das dürfte unter anderem für viele Aktionäre eine Grundlage für die mögliche Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen sein, denn vor allem die Bilanzen für das Jahr 2011 werden als wesentliche Grundlage für den Börsengang im Oktober 2012 gewertet.

Währenddessen mahlen die Mühlen der Justiz langsam weiter. "Die Staatsanwaltschaft arbeitet im Moment an der Anklageerhebung", erklärte Volker Grub gestern im Gespräch mit unserer Zeitung, und auch an anderen Fronten dauern die Rechtsstreitigkeiten rund um den Bilanzskandal bei dem Villinger Leuchtenhersteller an.

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