Die Puhdys rockten am Donnerstagabend die Neue Tonhalle und gaben damit ihr 24. Konzert in Villingen-Schwenningen. Unser Bild zeigt Frontmann Dieter "Maschine" Birr und Bassist Peter "Bimbo" Rasmin (von links). Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder-Bote

Ostdeutsche Kultband Puhdys bringen Stimmung in Neuer Tonhalle zum Kochen

VS-Villingen (bn). Von Adieusagen keine Spur – die Puhdys, ostdeutsche Kult-Rockband seit 45 Jahren, feierten am Donnerstagabend in der ausverkauften Neuen Tonhalle fröhliche Urständ. Obwohl als Abschiedskonzert angekündigt, endete der Auftritt mit einem "Auf Wiedersehen".

 

Ein Rockkonzert mit Sitzplätzen – wo gibt es denn so etwas? So muss sich das altersmäßig gut gemischte Publikum gedacht haben, denn schon nach "Wenn Träume sterben" und "Mein zweites Leben" hielt es viele nicht mehr auf den Stühlen. Am Schluss huldigte die ganze Halle den fünf Rockrentnern plus drei Nachwuchsmusikern im Stehen, sang jede Textzeile mit, jubelte und applaudierte frenetisch.

"Ich habe in meiner Geburtsurkunde den Garantieschein für ein zweites Leben gefunden", witzelte Frontmann Dieter "Maschine" Birr und fügte mit einem Seitenblick auf seinen Kollegen am Keyboard, Peter Meyer, 75, hinzu: "Und er hat schon sein drittes Leben beantragt." Die alten Herren – Dieter "Quaster" Hertrampf, Peter "Bimbo" Rasmin und Drummer Klaus Scharfschwerdt komplettieren das Quintett – rockten die Neue Tonhalle, dass es eine Freude war und legten dabei ein Tempo vor, mit dem die jugendliche Verstärkung Andy Birr, Nick Scharfschwerdt – ja, die Söhne – und Lukas Scharf gerade so mithalten konnte.

"Wir wollen uns nicht fügen, immer noch nicht erwachsen sein, wir wollen die Zeit betrügen und immer wieder mit euch zusammensein", sangen die Puhdys gegen das Altern an und versprachen, das "bis zur Rockrente" zu tun. Wann die fällig wird, diese Antwort blieben sie indes schuldig, und keiner im Saal hat es damit eilig. Auch wenn Hans-Christoph Götze, eigens aus dem Erzgebirge angereist, auch die VS-Fans bat, sich auf einem Banner mit der Aufschrift "Liebe Puhdys, vielen Dank für die beste Musik unseres Lebens" zu verewigen. "Das ist schon das vierte Transparent", erzählte Götze, der seine Ausbeute des derzeit wohl letzten Puhdys-Jahres beim angeblich allerletzten Konzert im November im "Tivoli" in Freiberg, dort, wo alles begann, überreichen will.

Mit dem Song "Es war schön" blickten die Puhdys vorsichtshalber auch schon einmal melancholisch zurück, um danach aber sogleich mit "Es ist alles nur eine Frage der Ansicht" mit einem fröhlich schunkelnden Publikum das Leben zu feiern. Wenn Peter mit einer Zehnliter-Lunge das Saxofon bläst und den Ton seines Mezzosoprans hält, glaubt ihm ohnehin keiner seine siebeneinhalb Jahrzehnte Lebenserfahrung. Spätestens bei "Alt wie ein Baum", "Eisbären" und den Friedenssong "Das Buch" war auch der letzte Zuhörer komplett aus dem Häuschen.

"Ein Konzert der Puhdys ist wie ein Kurzurlaub", sagte am Ende eine Besucherin selig.