Foto: Schutt

Autofahrer melden nicht jeden Wildunfall und verstoßen damit gegen Tierschutzgesetz.

Villingen-Schwenningen - Verstärkter Wildwechsel erfordert von den Autofahrern derzeit eine erhöhte Aufmerksamkeit. Doch viele verhalten sich nach einem Wildunfall nicht korrekt – im schlimmsten Fall müssen die Tiere lange leiden.

Es sind Momente, die bei Jägern wie Markus Heinzelmann für Kopfschütteln sorgen. Er erinnert sich an einen späten Abend Mitte März, als er zwischen Pfaffenweiler und Her­zogenweiler auf einen angefahrenen Rehbock getroffen war. Er stieg aus, wollte das Tier von der Fahrbahn nehmen und bemerkte erst dann: Der Bock lebte noch. "Er war noch bei Bewusstsein, konnte wegen einer Rückenverletzung aber nicht mehr aufstehen und hat deshalb gelitten", so Heinzelmann, der als Gesamtkommandant der Feuerwehr Villingen-Schwenningen tätig ist. Für ihn ein absolut unverständliches Verhalten: "Das ist ein unnötiges Leiden, das definitiv nicht sein muss."

Tiere auf Nahrungssuche

Er appelliert daher an die Autofahrer, vor allem derzeit den Wildwechsel immer im Blick zu haben. Die Tiere würden vor allem zu den Brunftzeiten im Sommer unterwegs sein aber auch im Winter oftmals nah an die Fahrbahn kommen, um das Streusalz zu lecken. "Im Frühjahr, wenn die Schneedecke weggeschmolzen ist, sind sie dann vor allem auf Nahrungssuche", so Heinzelmann.

Bei Fahrten durch den Wald sei derzeit deshalb besondere Vorsicht geboten, "durch die sanften Winter ist mittlerweile aber eigentlich immer etwas unterwegs – das vermischt sich immer mehr", gibt Heinzelmann zu Bedenken.

Sollte es tatsächlich zu einem Wildunfall gekommen sein, dann stehe zunächst die Absicherung des Unfallorts an erster Stelle. Grundsätzlich sind Verkehrsteilnehmer zudem verpflichtet, den Unfall dem Jagdpächter oder der Polizei zu melden. "Ansonsten verstößt man gegen das Tierschutzgesetzt", betont der Jäger. Schließlich nimmt man ansonsten womöglich in Kauf, dass das Tier länger leidet als notwendig. Zudem könne entweder die Polizei oder der Jäger eine Bescheinigung für die Versicherung ausstellen, um den Schaden regulieren zu lassen.

Hunde folgen dem Wild

Auch wenn das Tier das Weite sucht, sollten entsprechende Stellen verständigt werden. "Wenn ein Rehwild mit dem Kotflügel kollidiert, dann rennt es vielleicht noch, hat aber sicherlich innere Verletzungen", so Heinzelmann. In diesem Fall solle man am besten an der Stelle warten, an der das Tier in den Wald gerannt ist oder die Stelle markieren. Die Jäger hätten oftmals ausgebildete Hunde, die dem Tier nachgehen könnten.

Das Wild mitzunehmen, sei hingegen in jedem Fall keine gute Idee, das würde als Wilderei zählen. "Es gab auch schon Fälle, bei denen jemand ein Wildschwein mitgenommen hatte, um es zum Tierarzt zu bringen – das wurde während der Fahrt schließlich wach und hat das Auto zerstört", rät Heinzelmann auch von dieser Möglichkeit ab.

Für ihn ist die Maßnahme eine Selbstverständlichkeit, doch das sieht offenbar nicht jeder Autofahrer so – schließlich komme es des öfteren vor, dass die Tiere einfach liegen gelassen werden. "Es ist manchmal schon erschreckend, wie viele Wildunfälle nicht gemeldet werden", hofft der Jäger, dass mancher Autofahrer für dieses Thema noch stärker sensibilisiert werden kann.

Seite 2: Verhalten bei Wildwechsel

Wildwechsel findet vor allem im Morgengrauen oder in der Abenddämmerung statt. In der Region sind die Strecken nach Vöhrenbach, besonders zwischen Pfaffenweiler und Villingen, gefährdet, ebenso im Kurgebiet in Richtung Mönchweiler. Schilder machen auf die Gefahr aufmerksam. Sollte ein Tier die Straße queren, müsse abgeblendet und langsam gemacht werden, Hupen vertreibt die Tiere. In der Regel bleibt es nicht bei einem Tier, es gibt oftmals Nachzügler. Ist ein Zusammenprall unvermeidbar, wird geraten, das Lenkrad festzuhalten, die Spur zu halten und stark zu bremsen. Ausweichen würde den Gegenverkehr und die eigene Sicherheit gefährden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: