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Villingen-Schwenningen Publikum leidet mit den vier Wanderern

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Rockig, poppig und manchmal melancholisch – die Jakobswegwanderer, hier Jörg Kluge (links) und Oktay Enhas, nehmen singenderweise Tuchfühlung mit dem Publikum auf. Fotos: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

VS-Villingen/Pfaffenweiler (bn). Das ist schon so ein Kreuz mit dem Mannsein. Beziehungen, Karriere, Gesundheit – alles geht den Bach runter und man steckt mitten in der Midlife-Krise. "Wir sind mal kurz weg", das Stück des Villinger Sommertheaters, spielt auf dem Jakobsweg und begeisterte, wie berichtet, bei der Premiere.

Genanntes Thema ist darin liebevoll verpackt und wird von Regisseurin Verena ­Müller-Möck mit den Schauspielern Sebastian Schnitzer, Oktay Enhas, Jörg Kluge und Benjamin Tisler nach der Vorlage von Tilmann von Blomberg (Buch) und Bärbel Arenz (Liedtexte) vor außergewöhnlicher Kulisse inszeniert.

Vereine helfen

Auf Einladung der Ortsverwaltung Pfaffenweiler gastiert das Theater mit weiteren 17 Vorstellungen diesmal auf dem Spiel- und Sportplatz der Grundschule und wird von ortsansässigen Vereinen vor allem bei der Bewirtung unterstützt. "Wir sind übrigens auch für das Wetter verantwortlich", witzelte Ortsvorsteher Martin Straßacker am tropischen Premierenabend vor (fast) vollem Haus.

Jens Swadsba, Vorsitzender des Vereins Theater am Turm, begrüßte und warf schon einmal die Angel aus für den Sommer 2020: "Wir suchen jetzt schon wieder nach einem Open-Air-Gelände". Den ­ersten Szenenapplaus des Abends erhielten Schafe. Als solche trotteten die Musiker André Ernst (Gitarre), Gerry Wittner (Bass), Sebastian Klingele (Schlagzeug) und Jacob Fauser (Keyboard) nämlich ein und nahmen in ihrem "Gehege" Platz, um hernach die Lieder der vier Männer live zu begleiten. Und das waren viele – bekannte Melodien, neu betextet, treffend und immer wieder zum Mitklatschen animierend.

Das Publikum machte von Anfang an mit. Man könnte auch sagen, es litt mit. Denn einem jeden der lonesome riders, die sich, auf der Suche nach sich selbst und ein bisschen Frieden, auf den Jakobsweg gemacht und verlaufen haben, lastet sein Schicksal auf den Schultern.

Oberstudienrat und Witwer Helmut, der sein Heil im Alkohol sucht, wird glänzend gespielt von Jörg Kluge. Der erfahrene Mime hat den miesepetrigen und verzweifelten Pädagogen so gut drauf, dass man ihm in der Pause das Weißweinschorle aus der Hand schlagen möchte, um ihn zu retten.

Neuentdeckung Oktay ­Enhas brilliert als bescheidener und naiver Türke, nahezu prekär angestellt im Obstladen seines deutschen Schwagers. Enhas ist zwar nicht der große Sänger, sein türkisches Trauerlied greift einem trotzdem ans Herz, ebenso die Treuherzigkeit und die dahintersteckende Lebensweisheit seiner Figur Haluk.

Benjamin Tiesler ist den Sommertheater-Besuchern noch gut aus dem letztjährigen Krimi im Hinterhof des Bürgeramtes in Erinnerung. Er singt, spielt Gitarre und gibt Sven, dem Lebenskünstler, Stimme und Charakter.

Sebastian Schnitzer ist in der Musikszene der Stadt kein Unbekannter, stand beim Sommertheater 2011 (Wochen­end und Sonnenschein) schon einmal auf der Bühne, ist der musikalische Leiter der Produktion und eindeutig der beste Sänger des Abends. Und schauspielern kann er auch. Den arroganten Karrieremann und Frauenheld Jo verkörpert er in einer Ambivalenz, die das Premierenpublikum immer wieder zum Lachen brachte.

Die vier Wanderer stoßen aufeinander, trinken zusammen am Lagerfeuer, tauschen Zoten und Pornohefte aus, erfüllen fast alle Männer­klischees, streiten und vertragen sich, übernachten zu viert in einem Ein-Mann-Zelt und einer von ihnen retten einem anderem sogar das Leben. Das Fazit der gelungenen Geschichte: "Gününü gün et" – genieße den Tag.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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