Elias Raatz (von links) moderiert den Poetry Slam und begrüßt Felix Kaden Malte Küppers Julius Keinath Eileen Kohnle Bo Wimmer und Konstantin Kenath . Foto: Zährl Foto: Schwarzwälder-Bote

Kultur: Bo Wimmer gewinnt "Dichterwettstreit deluxe" im Theater am Turm

Einen spannenden Poetry Slam erlebte das Publikum im ausverkauften Theater am Turm.

VS-Villingen. Poetry Slam ist ein Dichterwettstreit, der aus der griechischen Tragödie bekannt ist. Im deutschsprachigen Raum kennt man den Sängerkrieg auf der Wartburg, die Meistersinger oder der Balladenwettkampf von Goethe und Schiller.

Slam ist das moderne Format eines Dichterwettstreites. Die freie Form lässt Gedichte, Balladen, Witze, Gebrauchsanweisungen oder Briefe zu. Stilmittel und Themen sind weit gestreut. Es zählt ausschließlich die Freude an Texten. Die Künstler tragen selbstverfasste kurze Texte vor, und eine Jury aus dem Publikum kürt den Sieger des Abends.

Der Veranstalter, Elias Raatz, ein junger Mann, selbst begeisterter Slamer aus Schwenningen, sorgte mit seinem Angebot "Dichterwettstreit deluxe" für ein volles Haus im Theater am Turm am Kaiserturm.

Namhafte Slamer standen auf der Bühne, und mit einem durchdachten Programm moderierte Raatz gekonnt durch den Abend. Konatantin Kenntner, ein Singer-Songwirter aus Stuttgart gestaltete den Rahmen mit seinen gerappten Poetry Slam. Zu Einführung stellte er sich mit dem Song "Gib mir das Mikrofon, niemand kennt mich" vor. Mit 28 Jahren ein Oldie in diesem Genre trägt Malte Küppers aus Duisburg zur Erheiterung bei, mit einem Text über seinen imaginären zum feuerspeienden Drachen mutierenden Sohn, für den er einen Bindestrich-Namen entwickelt.

Julias Kennath spricht über böse Diktatoren

Der deutsche Meister Julius Kennath spricht über böse Diktatoren, seine Schatten, die sich als seine Lehrer herausstellen. Mit dem Kampfaufruf "Wehrt Euch gegen die Dunkelheit, bis ihr selber Lehrer seid" endet unter lautem Lachen und Klatschen sein Vortrag.

Felix Kaden beleuchtet in seinem Prolog die eventuell kriminelle Seite von Moses und spricht kritisch über die Zehn Gebote und wie Moses sie auslegte. Die neue Regionalstarterin, Eileen Kohnle, erfreut die Zuhörer mit ihrem Text über Hunderassen, Clubs für allwissende Eltern und Mütter.

Julia Szymik, denkt über zwiespältige Gefühle erfolgreich nach. Sie geht mit hoher Punktzahl als Favoritin in die Endrunde. Sie trägt einen mitfühlenden Text über die kleine Schwester, die sie gerne trägt, vor. Auch Luis Schulz, der im ersten Text als Kleiderständer bei H&M endet, wird in die Endrunde gewählt und sorgt für Lachstürme wegen einer bemerkenswerten Klassenfahrt.

Schließlich wird die Slam­legende Bo Wimmer von der Jury in der Endrunde als Sieger mit einem, wie er sagt "schwierigen Thema der Sexulalisierung des Mannes" gekürt. Das Publikum lacht Tränen.

Beeindruckend im Theater am Turm waren die schnell vorgetragenen, wortgewaltigen Texte, die neuen Blickwinkel auf alltägliche Dinge und die gekonnten Spiele mit der Sprache. Die teils noch sehr jungen Leuten sind auf einem guten Weg, sie zeigten Kreativität, schauspielerische Fähigkeiten, Hintergründigkeit und teils schwarzen Humor. Es wurde viel geklatscht und gelacht. Dieser Abend war für die regionale Kultur eine lebendige Bereicherung und ruft nach weiteren Veranstaltungen dieser Art.

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