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Villingen-Schwenningen "Problem-Linde" wird zur bundesweiten Berühmtheit

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"Der Baum ist wunderschön": Die "Problemlinde" soll dennoch weg. Foto: Eich

Villingen-Schwenningen - Was für ein schräger Fall! Da kämpft ein Familie aus Weilersbach (Schwarzwald-Baar-Kreis) jahrelang darum, ihre "Problemlinde" fällen zu dürfen. Die Stadt Villingen-Schwenningen (VS) stemmt sich dagegen und beruft sich auf die Baumschutzsatzung. Dann kommt das überraschende Aus für die Satzung, und damit fällt auch der 100 Jahre alte Laubbaum. Naturschützer reden seither von einem "Sündenfall".

Martin Braun und seine Frau Rosemarie blättern in einem gut gefüllten Aktenordner, der das festhält, was das Ehepaar in seinem Streitfall zusammengetragen hat. So betörend süß die Linde auf ihrem Grundstück auch in den Sommermonaten duftete: Der Baum und damit der Streit mit der Stadt um die Fällung nervte das Ehepaar gewaltig. Jahrelang kämpften die Brauns um eine Fällgenehmigung. Mit gemischten Gefühlen, denn "der Baum ist wunderschön".

Warum wollte das Paar das Prachtexemplar von Baum nicht mehr auf seinem Grundstück haben? Die beiden zeigen auf Gehweg und Garageneinfahrt des Nachbarn, in dessen Nähe der stattliche Laubaum stand: Verwerfungen und deutliche Hubbel sind nicht zu übersehen, für die laut Experten das ausladende Wurzelnetz des Laubbaumes verantwortlich ist.

Knallhartes Veto

Ein Blick zurück in die unendliche Geschichte um den Linden-Fall zeigt, was die Brauns auf die Palme treibt: Die Stadt erklärt ihr Fäll-Veto mit der städtischen Baumschutzsatzung. Geht es um Fällungen von Bäumen ab einer bestimmten Höhe und eines definierten Umfangs, greift zumindest bis zum Herbst 2019 die Baumschutzsatzung der Stadt.

Hieraus ergab sich auch eine klare Verpflichtung an die Eigentümer. Der Baum sei unbedingt erhaltungswürdig und schützenswert aufgrund seiner Größe, seines Alters, seines Zustandes und seiner Vitalität. Und selbstverständlich seien die Baumeigentümer für den Erhalt und damit die Folgekosten zuständig: "Eigentum verpflichet eben."

Hohe Kosten

Die Brauns wissen nur zu genau, was mit "dieser Verpflichtung" gemeint ist. "Wir dürfen die Kosten für die Sanierung und den dann erforderlichen Schutz des Baumes bezahlen." Und da kam nach diversen Berechnungen eine ganz nette Summe zusammen.

Die Weilersbacher rechnen gerne noch mal vor: Sanierung der Hofeinfahrt rund 3500 bis 5000 Euro, Wurzelschutz etwa zwischen 11.000 und 25.000 Euro. "Und das, um einen einzigen Baum zu erhalten": Die beiden verstehen die VS-Welt nicht mehr.

TV-Karriere

Nicht nur der kleine Schwarzwald-Ort schüttelt den Kopf. Die "Problem-Linde" hat es auch bundesweit zu zweifelhafter Berühmtheit gebracht.

Selbst Fernsehteams stellten ihre Kameras im Garten auf und ließen das süddeutsche Publikum an der Sache Braun gegen die Stadtverwaltung VS teilhaben. Bringt 2020 endlich eine Wende, oder klopft Familie Braun weiter auf Holz in eigener Sache? So lautet die Frage noch im Frühherbst 2019.

Vorschläge zur Güte gab es einige: Pflegemaßnahmen durch die Stadt oder die Schaffung von Pflegefonds oder Baumpatenschaften seien angesprochen worden. Die Familie bot der Stadt den Baum als Schenkung an, "doch die wollten ihn ja nicht", meint Martin Braun mit unverhohlenem Sarkasmus in der Stimme.

Schräge Sache

Doch in die langwierige Baumgeschichte kam dann doch überraschend schnell Bewegung. Zunächst sollten die kleinen Stadtbezirke von VS, zu denen Weilersbach gehört, von der Satzung ausgenommen werden. Doch in der Oktober-Sitzung kam es dann ganz anders. Dort wurde die Baumschutzssatzung komplett gekippt: Die Befürworter der Satzung langen sich noch heute an den Kopf und befürchten, "dass künftig massenhaft Bäume fallen".

Besonders schräg in ihren Augen: "Und dann ruft der Gemeinderat in der gleichen Sitzung den Klimanotstand aus."

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