Dresden, Braunschweig, Villingen-Schwenningen. Lutz Bachmann erhebt für die Pegida seine Stimme. Foto: dpa

Polizei rüstet für Kundgebung mit dem Pegida-Begründer auf. Anfragen unserer Zeitung ignoriert.

Villingen-Schwenningen - Wer ist der Mann, der am Sonntag nach Villingen kommt, Lutz Bachmann heißt, als Begründer der Pegida-Bewegung gilt, und im Zusammenhang mit dieser allgegenwärtig und doch ungreifbar ist? Seiner Linie, nicht mit Medien zu sprechen und allerhöchstens gegen sie zu hetzen, blieb er treu. Der Schwarzwälder Bote versuchte, im Vorfeld der Pegida-Kundgebung am Sonntag Kontakt zu Lutz Bachmann zu knüpfen. Er und auch seine Mitstreiter von der Sbh-Gida ignorierten die eingegangenen Mails.

Doch ein Bild von Lutz Bachmann kann man sich in Teilen trotzdem zeichnen. Ein eindrücklicher Ruf eilt ihm nämlich voraus. In Erinnerung ist sein Foto im Hitler-Look mit Schnauzbart und Seitenscheitel und auch Kommentare auf Facebook, in welchen er Migranten als "Dreckspack" oder "Viehzeug" bezeichnet haben soll und die nicht nur im Januar zum Zerwürfnis an der deutschen Pegida-Spitze, sondern auch zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen vermeintlicher Volksverhetzung geführt hatten.

Wenn die sich konsequent als nicht rechtsradikal bezeichnende Sbh-Gida mit einem solchen Kaliber in Villingen-Schwenningen auftritt und obendrein auch erneut der Rechtspopulist Ignaz Bearth, der Kopf der Pegida in der Schweiz spricht, rüstet auch die Polizei auf.

Aus Bruchsal und Göppingen kommt am Sonntag Polizeiverstärkung. Lutz Bachmann, der Begründer der umstrittenen Bewegung, gilt schließlich als Reizfigur. Erst vergangene Woche ließ der dortige Polizeidirektor Uwe Papenfuß in Kassel aufrüsten, weil er auch dort sprach. Die Situation rund um die Kundgebung verlief am Ende ruhiger als befürchtet, Papenfuß äußerte sich zufrieden mit dem Verlauf.

Trotzdem zeigt sich nun auch die Polizeidirektion Tuttlingen sensibel. So ruhig und weitgehend störungsfrei die zurückliegenden sechs Versammlungen in Villingen-Schwenningen auch gewesen seien, "aufgrund zurückliegender Ereignisse, auch in anderen Städten, und der kon­trären Ausrichtung der Gruppen besteht allerdings grundsätzlich immer ein gewisses Konfliktpotenzial", so die Polizei gestern.

Außerdem geht die Einsatzleitung der Polizei offenbar davon aus, dass der Pegida-Begründer Bachmann nicht nur polarisieren wird, sondern mit seinem Auftritt auch "die Teilnehmerzahl für die Versammlung der SBH-GIDA höher ausfallen wird". Diesem Umstand werde durch eine angepasste Einsatzkonzeption Rechnung getragen.

Neben der Sbh-Gida-Kundgebung am Sonntag von 15 bis 17 Uhr hat auch das Offene Antifaschistische Treffen von 15 bis 18 Uhr auf dem Münsterplatz seine Versammlung angekündigt. Letzeres will bereits zwischen 12 und 15 Uhr eine Kundgebung auf dem Latschariplatz abhalten. Das Aktionsbündnis No Pegida in VS, welches bislang jeweils die meisten Teilnehmer für sich gewinnen konnte, wird bereits am heutigen Samstag von 9 bis 14 Uhr mit einem Infostand auf dem Osianderplatz stehen.

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