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Villingen-Schwenningen Pater will nur Butterbrotpapier

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Bärbel Brüderle setzt sich für den Dialekt ein. Im Schwarzwälder Boten erklärt sie ab sofort immer wieder einmal ein Villinger Idiom. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

"Dialekt macht nicht nur Spaß, er ist auch für was gut." Bärbel Brüderle, Vorsitzende der Muettersproch-G’sellschaft Villingen, bricht eine Lanze für die Mundart und der Schwarzwälder Bote hilft ihr dabei. Wir erklären in unregelmäßigen Abständen Villinger Ausdrücke.

VS-Villingen. Im ersten Teil der Villinger Mundartserie geht es um Gugge, gugge, Giggele, gickelä, Giggel, Goggel (Gockel). Die Begriffe kann man schon mal verwechseln.

Mit Gugge ist eine Tüte gemeint (von Gugel also Kapuze), der Diminutiv dazu ist Giggele, also Tütchen. Gugge also gucke bedeutet hingegen schauen.

Wenn Kinder gerne ­kichern, so nennt man das gickelä. Nicht zu verwechseln mit Giggel, also Goggel, oder Guller, wie man hier in der Gegend einen Hahn nennt.

Dazu eine kleine Begebenheit: In ein Schreibwarengeschäft in Villingen kam aus dem damaligen Kloster Maria Tann ein Laienbruder und fragte nach Veschpergugge. Der Verkäufer war sehr auf eine korrekte Sprache bedacht und übersetzte für sich: Vesper also kleine Andacht, und gugge bedeutet schauen. Er konnte sich aber darunter nichts vorstellen.

So fragte er seinen Chef: "Da ist ein Pater, der verlangt Vesperschauen. Der Chef, nach einem kurzen Blick auf den Kunden, lachte und klärte auf. "Das ist der Bruder Michael, der will ­Butterbrotpapier oder -tüten.

VS-Villingen. "Uff’m Johrmärt giiht’s für Hiddelisgeld Krämle" – auf dem Jahrmarkt gibt es für den Spargroschen, den man auch für Unsinniges auszugeben bereit ist, Kleinigkeiten, in der Regel wertlose, zu kaufen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann, bekennender Dialektsprecher, sagte auf der Dialekttagung der Muettersproch-G’sellschaft im Dezember 2018: "Der Dialekt unterliegt dem Diskriminierungsverbot". Er sei "besonders geeignet, Emotionen mitzuteilen und Resonanzen herzustellen", schaffe ein "Gefühl gemeinschaftlicher Verbundenheit" und müsse als "Archiv der Herkunft" geschützt werden. Gleichwohl wird die Mundart in der Schule und im Job immer häufiger vermieden.

Bärbel Brüderle aber weiß, wie wertvoll er auch für die geistige Entwicklung von Kindern ist. Laut Anthony ­Rowley, Sprachforscher und Mundart-Experte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gilt ein Kind, das mit Dialekt und einer Standardsprache, hierzulande Deutsch, aufwächst, für die Hirnforschung als mehrsprachig. Dass das von Vorteil ist, bestätigt auch eine Studie der Universität Oldenburg, die über mehrere Jahre hinweg Aufsätze von Dritt- bis Sechstklässlern untersuchte. Heraus kam dabei, dass Mundart sprechende Kinder 30 Prozent weniger Rechtschreibfehler machen.

Bärbel Brüderle erinnert sich noch gut an die allerersten PISA-Studien, die den ­Kindern aus Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen die besten Sprachnoten bescherten. Das hat sich geändert: Mittlerweile sei die Mundart verpönt und werde immer weniger – "am ehesten noch an der Fasnet" – gesprochen, bedauert sie. An so mancher Schule wurde die Kämpferin um den Dialekt mit ihrem Angebot, den Schülern die hiesige Mundart wieder näherzubringen, mit dem Argument abgewiesen, dass viele Schüler einen Migrationshintergrund haben. "Das ist doch kein Hinderungsgrund", sagt Bärbel Brüderle und erinnert sich so gerne an den dunkelhäutigen Arbeiter, den sie neulich zu einem Kollegen sagen hörte: "No han i zu dem g’sait……" Leider findet auch die Teilnahme von Schulklassen am Mundartwettbewerb "Naseweis und wunderfitzig", vom Arbeitskreis "Mundart in der Schule" alljährlich ausgerufen, nur in Einzelfällen statt.

Bärbel Brüderle gehörte 1995 zu den 35 Gründungsmitgliedern der Villinger Gruppe der "Muettersproch-G’sellschaft". Heute zählt die Gruppe 140 Mitglieder. An jedem dritten Dienstag im Monat trifft man sich ab 15 Uhr im Café am Riettor oder im Sudhaus.

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