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Villingen-Schwenningen Parkuhr ist eine echte "Alt-Villingerin"

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Von Madlen Falke Villingen-Schwenningen. Man steckt eine Münze in den Schlitz, dreht das klobige Rädchen – es rattert, es knarzt und zack zeigt der rote Balken an, wie lange das Auto stehen bleiben darf. Die Parkuhr feiert ihren 60. Geburtstag. Insgesamt 130 Parkuhren stehen noch im gesamten Stadtbezirk Villingen-Schwenningen. Sie sind so zuverlässig und hart im Nehmen, dass sie bis heute zu finden sind, obwohl sie nicht mehr produziert werden. Ihr ärgster Konkurrent ist der moderne Parkscheinautomat. Verdrängt hat er die alten Groschengräber nicht, denn vom modernen Automaten gibt es bislang 70 an der Zahl. Eine "Alt-Villingerin" lässt sich auch nicht so schnell vertreiben, könnte man dazu meinen. Denn die Kienzle-Parkuhr wurde vom Villinger Traditionsunternehmen Kienzle Apparate hergestellt.

Dietmar Deufel kennt sich mit der Dame gehobeneren Alters besonders gut aus. Seit rund 25 Jahren wartet und leert der gelernte Mechaniker die Parkuhren der Stadt. Einmal in der Woche werden die Parkuhren geleert. Mit seinem Münzsammelwagen, auf dem ein Kasten mit einem langen Schlauch steht, geht er von Uhr zu Uhr. Er macht die Parkuhr auf, hängt den Schlauch an den Apparat und das Geld fließt in den Kasten. Bei dieser Gelegenheit prüft er die Geräte auch auf irgendwelche Schäden. "Die Parkuhren sind nach wie vor dem Vandalismus ausgesetzt, es werden Büroklammern in die Schlitze gesteckt oder sie werden beschmiert. Das war früher so und ist auch heute noch so", erzählt der städtische Angestellte. Oft würden die Parkuhren aber schlicht weg angefahren. Dietmar Deufel und sein Kollege Michael Siefert haben mit den rund 200 Apparaten zur Parkraumbewirtschaftung alle Hände voll zu tun. Dieser Aufwand lohnt sich für die Stadt Villingen-Schwenningen richtig. Nimmt sie doch insgesamt 900 000 Euro durch die Parkgebühren ein.

Warum die altmodische Parkuhr nicht schon ganz ausgetauscht wurde, erklärt Bernd Bichl, Abteilungsleiter der Abteilung System- und Netzwerkorganisation vom Stadtbauamt, so: "Die Parkuhr ist vor allem nützlich, wenn es nur ein paar wenige Parkplätze sind, da lohnt sich ein bis zu 4500 Euro teurer Automat nicht." Da die Parkuhren mit dem hübschen Kienzle-Schriftzug nicht mehr hergestellt werden, hat die Abteilung noch einige gelagert. Sie dienen als Ersatz, wenn welche ganz kaputt gehen oder als Ersatzteillager.

Als Dietmar Deufel die Parkuhr öffnet und den Mechanismus darin erklärt, versteht man schnell, dass dieses System höchst zuverlässig ist. Natürlich ist das ältere Fräulein flexibel und kann sich den in den Jahren steigenden Parkgebühren ganz einfach anpassen. Selbstverständlich ist das auch beim Parkscheinautomaten der Fall, er allerdings ist doch ein kleines Sensibelchen. Schnell kann das Papier feucht werden und schon spuckt er kein Parkticket mehr aus. Dem Autofahrer, der aus Prinzip heraus von beiden nichts halten dürfte, sollte die Parkuhr dennoch lieber sein. Steht sie doch direkt an jeder einzelnen Parkbucht und muss nicht noch lange erlaufen werden.

Neben dem elektronischen Kasten, der die Parktickets ausspuckt und den Vandalen, hatte die Kienzle-Parkuhr aber auch noch andere Feinde. Die Euro-Umstellung zum Beispiel. Nicht jede Uhr ließ sich mir nichts dir nichts auf die neue Währung umstellen. So wurden die unflexiblen Damen einfach verschrottet. Wer beim großen Online-Auktionshaus hinein schaut und Kienzle-Parkuhren sucht, kann die dort für satte 180 Euro erstehen. Sie hat ihre Liebhaber, die der Parkscheinautomat bis dato noch nicht zu haben scheint.

So lange die alten Groschengräber ihren Geist nicht aufgeben, werden sie auch stehen gelassen. Und das machen sie nun in Deutschland seit 60 Jahren. Am 4. Januar 1954 wurden in Duisburg in der Haupteinkaufsmeile die ersten Parkuhren aufgestellt. Damals nannte man sie noch Parkographen. Obwohl es noch keine rechtliche Regelung dazu gab, ob man Autofahrer dazu zwingen könne Parkgebühren zu bezahlen, klingelte die Kasse des Duisburger Rathauses. Am 1. Mail 1956 war es dann so weit, das Gesetz wurde geändert und die Gebühren durften offiziell eingefordert werden. Anfangs steckten viele Städte die Einnahmen aus den Parkuhren noch in gute Zwecke. Die Mutter aller Parkuhren kommt allerdings aus den USA und wurde 1935 von Carlton Cole Magee als Patent angemeldet. Ihr Name lautete "Schwarze Maria". Diese funktionierte im Grunde genommen nicht anders als eine Eieruhr. Warf man Geld hinein, ließ sie sich aufziehen wie so eine. Jetzt dreht sich das Rad der Parkuhr aber langsam gegen sie selbst. Da sie nicht mehr produziert wird, sind die Tage gezählt. Ersatzteillager werden auch irgendwann ausgeschöpft sein. Wie lange das Villinger "Mariele" also noch das Straßenbild von Villingen und Schwenningen mitprägen kann, ist fraglich. Ihre Zeit tickt unaufhörlich, allein die echte Wertarbeit aus der Villinger Firma Kienzle Apparate wird darüber entscheiden, wann der moderne Parkscheinautomat dann den alten Groschengräber ersetzen wird.

 
 

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Cornelia Spitz

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