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Villingen-Schwenningen Orchestrionsammler grausam ermordet

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Das ist das Flöten-Piano-Orchestrion, das die Unterkirnacher von dem ermordeten Fredy K. (links im Bild) kauften. Die Fotos zeigen einen Blick in das sehenswerte Musikinstrumente-Museum in Lichtensteig (Schweiz). Fotos: Schück Foto: Schwarzwälder Bote

Die Geschichte erinnert an die Ballade von der Witwe Blessing, die im 19. Jahrhundert in Unterkirnach ermordet wurde, nachdem sie ein Orchestrion verkauft hatte. Doch manches ist anders an dieser Geschichte vom Mord an einem Sammler

Schwarzwald-Baar-Kreis. Vor der Aufklärung steht der Mord an Fredy K., einem Sammler von mechanischen Musikinstrumenten am 4. Mai 2016 in der Schweiz. Kurz zuvor, im April des gleichen Jahres, hatte eine Delegation des Unterkirnacher Vereins für Heimat- und Orchestriongeschichte von ihm ein historisches Orchestrion gekauft, ein Flöten-Piano-Orchestrion, das Wolfgang Blessing um 1920 im Löwengründle in Unterkirnach hergestellt hat..

Viele Spender hatten dazu beigetragen, dass der Verein aus Unterkirnach, der Wiege des Orchestrions, das historische Instrument für den damaligen Preis von 23 000 Euro erwerben konnte. Für den Verein war es ein Glücksfall. Das mechanische Musikinstrument wird seit 2016 von Wolfgang Armbruster, Johann Storz, Hugo Weißer und Manfred Ragg mühevoll in Unterkirnach restauriert.

Sammler Fredy K. damals 62 Jahre alt, hatte eine einzigartige Sammlung von Drehorgeln, Spieldosen und Orchestrien zusammengetragen und zeigte diese in seinem Museu m in Lichtensteig (Kanton St. Gallen). Auf der Fahrt nach Lichtensteig im Wahlkreis Toggenburg sieht man eingebettet zwischen dem Säntis-Massiv und den Gipfeln der sieben Churfirsten die berühmte Schokowaffel-Manufaktur Kaegi. In Lichtensteig gibt es mehrere Museen und eine sehenswerte Altstadt. Dort befindet sich heute noch "Fredys mechanisches Museum". Seine Töchter wollen es weiter führen.

Die Unterkirnacher waren beeindruckt von den historischen Musikautomaten und schönen Sammlerstücken. Die herzliche Atmosphäre, zu der auch die Familie des Sammlers beitrug, blieb in nachhaltiger Erinnerung. Die Unterkirnacher hatten erst einmal eine Anzahlung für das Orchestrion mitgebracht. Die zugehörigen Walzen sind inzwischen auch in Unterkirnach, das Orchestrion ist bezahlt. Fredy K., der hauptberuflich mechanische Musikinstrumente für Sammler aus aller Welt reparierte, war am 30. April bei der Versammlung der Schweizer Freunde Mechanischer Musik für sein Schaffen geehrt worden. Wenige Tage später wurde er ermordet. Kurz zuvor war Fredy K. aus Thailand zurückgekehrt, einem Land, in dem er, so der lungenkranke Sammler damals, besser atmen konnte. Doch dort ist er wohl auch seinem mutmaßlichen Mörder begegnet, wie Andreas Hagmann, Richter am Kreisgericht in Toggenburg, bestätigt.

Der 41-jährige Niederländer sitzt in einem der am besten gesichertesten Gefängnisse in der Schweiz, in der Justizanstalt Pöschwies bei Zürich. Erstochen wurde Fredy K. wenige Tage nach dem Besuch der Unterkirnacher. Tot lag er unter seinem Bett.

Die Staatsanwältin hat unterdessen gegen den Niederländer, der einige Zeit bei Fredy K. wohnte, Anklage wegen Mord und Raub erhoben. "Allerdings hat er nicht viel gestohlen", sagt Hagmann. Es sei noch offen, ob der mutmaßliche Mörder tatsächlich wegen Mord und Raub hinter Gitter kommt. Zur Frage, ob er eine Beziehungstat vermutet, äußert sich Hagmann so: "Ja, ich gehe von einer Beziehungstat aus."

Die Verwandten des Ermordeten haben als Privatkläger einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit von der Gerichtsverhandlung gestellt. Über diesen sei noch nicht entschieden worden. Deswegen will sich der Richter nicht detailliert über den mutmaßlichen Täter äußern. Möglicherweise und Gerüchten zufolge ging es um eine Frau. Fest steht, dass der Niederländer eine Zeit lang in dem mittelalterlichen Wohnhaus des beliebten Lichtensteigers direkt neben dem Museum wohnte. Zum Zeitpunkt seines Aufenthaltes in Lichtensteig war er ohne Arbeit, sagt Richter Hagmann, der die Gerichtsverhandlung gegen den mutmaßlichen Mörder noch in diesem Jahr vor der Sommerpause leiten wird. Wie ist man auf die Spur des Niederländers gekommen? "Man hat gewusst, dass er dort wohnte und dann war er plötzlich weg", sagt Hagmann.

Der Verdächtige setzte sich wohl unmittelbar nach dem Mord nach Thailand ab. Dort wurde er verhaftet. Dem Auslieferungsgesuch der Schweizer wurde stattgegeben, der Mordverdächtige 2017 ausgeliefert und in Pöschwies inhaftiert. Welches Strafmaß erwartet ihn? "Das ist Mord, dafür kann es lebenslänglich geben", sagt Andreas Hagmann. Zehn Jahre sind das Mindestmaß. Unterdessen haben die Hinterbliebenen als Privatkläger "Genugtuungsforderungen". Der Prozess wird wahrscheinlich im Mai stattfinden.

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