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Hess-Prozess in VS Öffentlichkeit wird doch noch ausgeschlossen

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Als Hess auf seine derzeitige Situation zu sprechen kommt und dem Gericht schildert, dass er zwei Kinder im Alter von neun und 14 Jahren hat, da kommen dem Mann die Tränen. Foto: Eich

Der tiefe Fall des Vorzeige-Villingers Christoph Hess wird vor dem Landgericht Mannheim verhandelt. Wie Hess Stellung bezog, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Wieder ein Prozesstag vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts in Mannheims. Nun sollte es um die Person im Hess-Prozess gehen, deren Rolle im Bilanzskandal um den Villinger Leuchtenhersteller eine ganz besondere ist: Christoph Hess.

Villingen-Schwenningen - In Villingen kannte man ihn als Strahlemann. Einer, der gerne im Rampenlicht stand, der als Gönner und Mäzen der örtlichen Vereine gerne von sich reden machte, allen voran der Historischen Narrozunft Villingen, der Katzenmusik oder des Sinfonieorchesters. In der Gesellschaft der Zähringerstadt war der heute 47-jährige Familienvater, Spross der Unternehmerfamilie Hess und Enkel des einstigen Firmengründers, eine schillernde Persönlichkeit.

Man schmückte sich gerne mit ihm, Vereine, welchen er wohlgesonnen war, konnten froh sein, auf ihn und seine finanzielle Zuwendung zählen. Doch mit dem Tag X im Januar 2013 zerbrach das mühsam aufgebaute Bild des erfolgreichen Geschäftsmanns. Mit einer Ad-hoc-Mitteilung des zwischenzeitlich börsennotierten Unternehmens war die Öffentlichkeit darüber informiert worden, dass Christoph Hess und sein Geschäftsführer Peter Ziegler mit sofortiger Wirkung geschasst worden waren.

Der Vorwurf, eine Ungeheuerlichkeit: Bilanzmanipulation, Betrug. Vorgänge, die so gar nicht zum Bild des Saubermanns passen wollten.

Weggefährten gehen auf Abstand

Weggefährten gingen plötzlich auf Abstand, Christoph Hess tauchte ab, über seinen Gesundheitszustand, vor allem auch den psychischen, wurden hinter vorgehaltener Hand viele Spekulationen angestellt. Und auch seine berufliche Tauglichkeit stand plötzlich in Frage: Wie hat es so weit kommen können, dass das wohl schillerndste Villinger Unternehmen, das als einziger Mittelständler der Region im Oktober 2012 den mutigen Schritt an die Frankfurter Börse gewagt hatte, so ins Straucheln geraten war?

All das frage sich Christoph Hess, wie er am Donnerstag als Angeklagter vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer in Mannheim angab, seit diesem Tag im Januar 2013 ununterbrochen selbst. Er geht noch immer davon aus, dass ihm und Ziegler der Hauptaktionär HPE übel mitgespielt hat.

Es sei bemerkenswert, so Hess, dass schon im Vorfeld dieses Januartages im Jahr 2013 Kontakte zwischen HPE und Nordeon geknüpft worden seien – jenem Unternehmen, das schließlich die Firma Hess übernommen habe, so Christoph Hess, – und die mit dem, was übrig blieb, noch immer dasselbe Geschäft betreibe, wie einst unter seiner Führung.

Steht über all dem noch ein riesiges Fragezeichen, soll der Hess-Prozess vor dem Landgericht in Mannheim zunächst Antworten auf Fragen zur Geschäftstätigkeit der Hess AG geben. Und hier bietet sich immer wieder dasselbe Bild: Peter Ziegler gibt sich kämpferisch, dynamisch, ergreift ständig das Wort und diskutiert in der Manier eines mit allen Wassern gewaschenen Anwalts mit dem Richter. Blass und unsicher hingegen sitzt ein paar Stühle weiter Christoph Hess auf der Anklagebank, meldet sich kaum zu Wort, scheint unsicher zu sein und trägt seinen Mundschutz zeitweise wie ein Schutzschild. Vom einstigen Strahlemann zur geknickten Persönlichkeit.

Wirklich deutlich wird dies, als er selbst mit Einlassungen zur Sache, aber auch zu seiner Person, an der Reihe ist. Gefasst trägt er zunächst seinen Lebenslauf vor – vom 1971 in St. Georgen geborenen Baby, dem zerrütteten Verhältnis zur sechs Jahre später geborenen Schwester, dem Abitur am Villinger Wirtschaftsgymnasium 1991 bis hin zum BWL-Studium und schließlich, 2007, der Übernahme der Vorstandstätigkeit im Familienunternehmen Hess. Eindrucksvoll zählt er seine vielen Ehrenämter und Tätigkeiten als Funktionär und Mäzen auf. Erzählungen wie aus einem anderen Leben.

Ihm kommen die Tränen

Denn als Hess auf seine derzeitige Situation zu sprechen kommt und dem Gericht schildert, dass er zwei Kinder im Alter von neun und 14 Jahren hat, da kommen dem Mann die Tränen. Er weint. Nimmt die Brille ab und wischt sich unbeholfen über die Augen. Bittet um eine Unterbrechung.

Wenig später, als die Verhandlung fortgesetzt wird, lässt Hess tief blicken: Er habe an diesem 21. Januar 2013 alles verloren, erzählt er. Es sei ihm gelungen, 2014 eine Anstellung in einem kleinen Unternehmen im Bereich Innenraum-Beleuchtung zu erhalten. Doch er sei wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nur ein paar Stunden täglich tätig, verdiene nur das Nötigste. Und der Mann, der einst Chef eines der renommiertesten Villinger Unternehmen war, erzählt vor Gericht, er habe zwischenzeitlich Schulden.

"Ich hatte keinerlei Rücklagen oder irgendetwas", sagt er. Lediglich die Aktien von der Firma – und die sind ja nun nichts mehr wert.

Im Hauptverfahren in Mannheim will Christoph Hess nun zwar intensiv Stellung nehmen – seine gesundheitliche Situation aber wollte er vor der Öffentlichkeit trotzdem nicht ausbreiten. Als der Angeklagte darauf zu sprechen kam, wurde auch in Mannheim die Öffentlichkeit ausgeschlossen und offenbarte der 49-Jährige seine gesundheitlichen Sorgen lediglich vor den Ohren der Anwälte, Schöffen, Richter und Staatsanwälte sowie dem Gutachter, der die Reißleine ziehen soll, wenn die Zumutung für den Mann auf der Anklagebank zu heftig werden sollte.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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