Foto: Bloss Foto: Schwarzwälder-Bote

Manfred Kempter erzählt, warum Einrichtungen für Behinderte so wichtig sind

Von Mareike Bloss

 

Alle Hände voll zu tun hat Manfred Kempter, Behindertenbeauftragter des Kreises, immer wieder mit Beschwerden rund um Falschparker an Behindertenstellplätzen. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten möchte er aber nicht kritisieren, sondern aufklären.

Villingen-Schwenningen. Manfred Kempter kennt es nur zu gut, das Problem mit den Behindertenparkplätzen in VS: Egal ob Supermarkt, Bahnhof oder Arztpraxis: Die als Behindertenparkplatz ausgewiesenen Stellflächen an öffentlichen Gebäuden werden regelmäßig von nicht berechtigten Fahrzeugen benutzt. "Am Fahrzeug muss der blaue Parkberechtigungsausweis angebracht sein", erklärt Kempter, alle anderen Ausweise hätten keine Geltung.

Einen Brennpunkt in der Doppelstadt bilde unter anderem das Schwarzwald-Baar-Klinikum. Hier mache er regelmäßig die Erfahrung, dass trotz der ausgewiesenen Behindertenparkplätze nicht nur Falschparker kommen, sondern diese auch zu eng in den breiter angelegten Flächen nebeneinander stehen. Drei Meter fünfzig breit sollen die Behindertenparkplätze sein, damit die Türen weit aufgehen und die Bürger genug Platz haben, um Rollstuhl oder Rollator aus dem Auto zu heben. "Zum Klientel zählen nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch ältere, gehbehinderte Menschen", meint der Behindertenbeauftragte.

Einen weiteren Grund, warum die Sonderparkplätze so beliebt sind, sieht Manfred Kempter in der Nähe zum jeweiligen Eingangsbereich. "Viele sagen, dass sie sich ›bloß kurz‹ hinstellen wollen. Für sie ist es bequem, kurze Laufwege zu haben, die für Behinderte aber existenziell sind." Denn diese seien oftmals nicht in der Lage, bei Regen einen Schirm zu halten oder müssten mit dem Rollstuhl durch Matsch fahren.

Viel zu tun hat der Behindertenbeauftragte derzeit auch mit der Integration von Blindenleitsystemen, die bei der Errichtung von Kreisverkehren und Querungsstellen oder der Sanierung von Straßen und Wegen, unter anderem in der Schwenninger Fußgängerzone, eine wichtige Rolle spielten. "Damit sich Blinde und Sehbehinderte besser zurechtfinden, sind die Leitsysteme sehr wichtig", erklärt Kempter. Daher sei eine Rücksprache mit den zuständigen Architekten obligatorisch. So hat Kempter in der Vergangenheit bereits einen Informationsabend für Architekten abgehalten.

Rillen helfen weiter

Sogenannte Aufmerksamkeitsfelder in Form von Noppenplatten kündigten den Sehbehinderten eine Änderung im Verkehrsraum an. Durchgehende Platten, so Kempter weiter, verwiesen auf einen gesicherten Übergang – Zebrastreifen oder Ampel –, nicht durchgehende auf einen ungesicherten. Die Rillen (siehe Foto aus der Schwenninger Fußgängerzone) zeigten indes an, in welche Richtung der Fußgänger zu laufen hat. "Mir ist es wichtig, dass die Menschen darüber aufgeklärt werden, welchen Zweck die Platten haben", sagt er.

Im Gespräch mit Manfred Kempter wird deutlich, dass er in seiner Funktion nicht nur für die Anliegen der Behinderten im Kreis zuständig ist, sondern auch stets versucht, als Bindeglied die Interessen von Behinderten und Nichtbehinderten miteinander zu vereinen – und das mit viel Gefühl und Geduld.