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Villingen-Schwenningen Neugierig sein und Dinge ausprobieren

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Bei einem Moos-Spaziergang mit Schwabo-Studentin Alexandra Semenescu erzählt Rolf Klaiber von seinen Erfahrungen als Kulturschaffender. Foto: Kienzler Foto: Schwarzwälder Bote

VS-Schwenningen. Bald ist es zehn Jahre her, dass Rolf Klaiber aus Schwenningen zum ersten Mal eine Veranstaltung in Härings Kulturcafé organisiert hat. Eine spannende Zeit liegt hinter ihm. Bei einem Spaziergang im Schwenninger Moos erzählt er von seinen Erfahrungen und wie er die aktuelle Situation als Kulturschaffender erlebt.

Herr Klaiber, wie oft waren Sie schon im Schwenninger Moos?

Insgesamt kann ich das gar nicht so richtig sagen, aber ich denke schon mehrmals im Jahr im Winter und im Sommer. Man sagt ja, und das kann ich bestätigen, dass das Schwenninger Moos wirklich zu jeder Jahreszeit seine Besonderheiten und Schönheiten hat. Das genieße ich dann ganz gerne. Als Schwenninger ist man ja schon als Kind irgendwann übers Schwenninger Moos geschleift worden von den Eltern oder Großeltern.

Hier bei uns in Schwenningen organisieren Sie Veranstaltungen in Härings Kulturcafé. Wie erleben Sie die Corona-Zeit?

Die erlebe ich als kulturelle Quarantäne, weil natürlich seit März nichts mehr bei uns stattfinden kann. Es ist natürlich auch jetzt noch schwierig, obwohl eine gewisse Lockerung da ist. Veranstaltungen mit diesen Abstandsregelungen sind in Härings Kulturcafé leider schwierig umzusetzen. Wir haben viele fix eingebaute Sitznischen und Tische, die man nicht einfach auseinanderziehen kann. Wir versuchen natürlich aber auch die Verträge, die wir mit den Künstlern gemacht haben, nicht zu kündigen, sondern zu verschieben. So haben wir schon Veranstaltungen auf das nächste Jahr verschoben und eine für Oktober eingeplant.

Unter welchen Voraussetzungen können sich Gäste auf Veranstaltungen in diesem Jahr im Härings Kulturcafé freuen?

Wir können mit den Abstandsregelungen etwa 40 Gäste unterbringen, im Normalfall sind es eigentlich bis zu 80 Personen. Wir fangen am Freitag mit Ingrid Kappeler aus Pfaffenweiler an, die wir vor einigen Jahren schon einmal eingeladen hatten. Es lohnt sich wirklich, sie zu sehen und zu hören, weil sie eine tolle und talentierte Texterin und Musikerin ist. Im Oktober geht es wieder weiter mit dem gedruckten Programm. Unter anderem gibt es wieder "Bücher im Gespräch" zusammen mit der Volkshochschule.

Bald wird das Härings Kulturcafé zehn Jahre alt. Welche Bilanz ziehen Sie?

Unterm Strich sind es auf jeden Fall mehr positive Erfahrungen, weil wir gemerkt haben, dass wir ein sehr treues Stammpublikum haben, das eigentlich fast immer zu Gast ist – egal, ob es ein literarisches Programm gibt oder eine musikalische Veranstaltung stattfindet. Viele Leute sind auch sehr neugierig und haben die Erfahrung gemacht, dass sie bei uns gut unterhalten werden. Wir wollen keine leichte Muse haben, aber trotzdem gut unterhalten. Was mir aufgefallen ist, und das erfahren auch andere Kulturveranstalter, dass das Publikum immer älter wird. Es ist wahnsinnig schwer, junges Publikum zu bekommen, egal was für Veranstaltungen wir machen. Ich denke, das liegt auch an der "Location", wie man heute sagen würde. Ich denke, dass die 20-Jährigen einfach nicht so gerne in ein biederes Café gehen und sich vielleicht auch nicht vorstellen können, dass dort etwas passiert, das sie interessieren könnte.

Sie sind Spiel- und Theaterpädagoge – wie kamen Sie dazu?

Ich bin hauptberuflich noch im sozialpädagogischen Bereich tätig, Veranstaltungen in Härings Kulturcafé zu organisieren ist mein Hobby. Ich habe nach Erziehungswissenschaft auch Spiel- und Theaterpädagogik studiert und versuche, die Ideen und Methoden, die mir wichtig sind, in meine normale sozialpädagogische Arbeit einzubringen. Das kommt bei den Leuten meistens auch sehr gut an. Ich versuche oft, spielerische Elemente in meine Arbeit einzubauen.

Welcher Künstler inspiriert Sie und warum?

Ich mache zur Zeit für einen Freundeskreis einen Lyrik-Rundbrief. Dort habe ich auch Texte und eine biografische Notiz von José Oliver aus Hausach veröffentlicht. Da ist mir wieder eingefallen, dass er der erste Künstler war, den ich in Härings Kulturcafé eingeladen habe, mit ihm und seinen Texten haben wir damals eröffnet. Er ist ein nicht immer leicht zu lesender, aber sehr toller Lyriker, der auch mal kleine Prosatexte schreibt. Er hat in Hausach die Veranstaltung "Hausacher LeseLenz" ins Leben gerufen, das wirklich ein tolles Literaturfestival ist. Leute wie er sind die Höhepunkte unseres Kulturlebens.

Wie ist eine Teilhabe am kulturellen Leben derzeit möglich?

Naja, das ist natürlich eingeschränkt, de facto. Manche Sachen kann man nicht verändern. Ich finde diese ganzen Versuche, virtuell Dinge rüberzubringen aus Sicht des Konsumenten eine Notlösung. Ich persönlich finde, ein Live-Erlebnis ist einfach etwas anderes. Natürlich höre ich auch Konzerte im Radio oder schaue mir auch mal eine Opernproduktion im Fernsehen an, dazu brauche ich aber keine Corona-Beschränkungen. Aus Sicht der Künstler kann ich diese Maßnahmen natürlich verstehen. Das ist nachvollziehbar. Ein kleiner Tipp für den "kulturhungrigen Menschen": einfach dran bleiben, schauen, ob etwas stattfindet, lesen, Filme schauen und Musik hören. Sobald etwas stattfindet: einfach wieder hingehen. Ich habe jetzt zum Beispiel in der Zeit ganz viele alte Schallplatten und CDs angehört. Auch einige ältere Filme wurden rausgeholt. Unter anderem habe ich mir "8 Frauen" von François Ozon angeschaut. Der Film hat mich immer noch sehr begeistert.

Wenn Sie sich ein Zitat aussuchen könnten, das Sie am besten beschreibt, welches wäre es und warum?

Neugierig sein und Dinge ausprobieren, und jetzt nach schon mehr als 60 Jahren würde ich dazusagen: Aber trotzdem nicht vergessen, dass man irgendwann in Rente geht und davon leben können sollte. Diese Kombination von Zweckfreiheit und aber doch Fundus geben für das Leben, versuche ich zu leben. Seit dem Tod meiner Mutter lebe ich alleine in meinem Elternhaus, und da kam mir die Idee, vielleicht im Alter – also jetzt – eine "Rentner-WG" zu gründen. Ich merke aber, dass es nicht so leicht ist, Menschen zu finden, die sich auf sowas einlassen möchten, da jeder Mensch natürlich seine eigenen Gewohnheiten hat und seine Geschichte mitschleppt. Das wäre wirklich noch das letzte Experiment, das ich wagen würde, wenn es sich ergibt.  Die Fragen stelle Alexandra Semenescu.

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