Steffen Letze, Hermann Engel, Charles Hardinge und Tilo Pässler vom Brutboxen-Team der Anglergesellschaft setzen die Bachforellenbrut in die Brigach und deren Zuläufe ein. Auf dem Bild fehlt Heinz Kratt. Foto: Hugel

Anglergesellschaft haucht dem Fluss wieder neues Leben ein. Folgen der Vergiftung aber noch lange spürbar.

Villingen-Schwenningen - Seit Februar laufen die Wiederbelebungsmaßnahmen der Anglergesellschaft Villingen an der Brigach. Auf eine finanzielle Entschädigung hingegen wartet der Verein noch vergeblich, da das Schadensgutachten noch aussteht – das Geld für aktuelle Maßnahmen muss aus der eigenen Kasse vorgestreckt werden.

Ende letzten Jahres hat die Anglergesellschaft Villingen bezüglich der Situation an der Brigach nach langem Warten grünes Licht von der Gemeinde St. Georgen und vom Landratsamt Schwarzwald-Baar erhalten. Die Wasserwerte geben keinen Anlass mehr zur Sorge, dem Neuaufbau des Fischbestands in der Brigach stand nichts mehr im Weg. Das Brigach-Pachtgebiet des Vereins, vom Groppertal bis ins Stadtgebiet Villingen, war im letzten Frühjahr von einer Nitritvergiftung betroffen. Bis auf wenige Kleinfische war der komplette Fischbestand auf einem langen Abschnitt der Brigach Opfer dieser Belastung geworden.

Im Juni 2013 fand eine mehrtägige Schadensbegutachtung durch einen Fischereibiologen statt. Die Bestandskontrolle durch Elektrobefischung war erschreckend: An vielen Stellen konnte kein Fischbestand mehr festgestellt werden. Das schriftliche Gutachten steht noch aus.

Die Ergebnisse aus den Untersuchungen des Biologen, die Pachtausfälle, der Fischereischaden und die Arbeitsaufwendungen sind Grundlagen für die Schadensforderungen der Anglergesellschaft gegenüber dem Verursacher. Der Vereinsvorsitzende Christian Föhrenbach zeigt sich aber positiv was die Entschädigung betrifft: "Unser erster Ansprechpartner ist der Einleiter der Schadstoffe. Sobald das Gutachten da ist, werden wir uns mit der Gemeinde St. Georgen in Verbindung setzten, um die Schadensregulierung abzuklären. Die bisherige Zusammenarbeit mit der Gemeinde war sehr gut."

Schon seit Mitte 2013 läuft die Planung für die Wiederbelebung der Brigach. Vorstand und Gewässerwarteteam des Vereins erstellten mit großem Aufwand und bei Beratung durch den Landesfischereiverband und den staatlichen Fischereiaufseher des Regierungspräsidiums Freiburg einen Besatzplan. Verschiedene Besatzmaßnahmen wurden schon durchgeführt. In Brutboxen wurden Bachforelleneier ausgebrütet. Die gewonnene Fischbrut wurde in die Brigach und das Bachzulaufsystem eingesetzt. Die Gerätschaften dafür wurden von der Firma Aquatec aus Pfohren gespendet. Weitere Besätze, auch von etwas größeren Fischen, stehen bei Äschen und Bachforellen noch an.

Den richtigen Zeitpunkt für das Einsetzen der Fische bestimmen die Angler anhand der Kleinlebewesen im Wasser. Es muss ausreichend Nahrung im Gewässer sein, sonst verhungern die Jungfische nach dem Aussetzen. Hier kommt der milde Winter zur Hilfe, "dieses Jahr sind schon frühzeitig ausreichend Kleinlebewesen, wie Bachflohkrebse, Steinfliegenlarven und Köcherfliegenlarven in der Brigach", erklärt Christian Föhrenbach nach prüfendem Blick unter einen Stein aus dem Flussbett.

Trotz aller gravierenden Einschnitte für die Fischer durch den Vorfall ist von Resignation durch immer wiederkehrende Gewässerbelastungen bei der Anglergesellschaft übrigens trotzdem nichts zu spüren.

Info: Die Folgen

Für die fast 100 Mitglieder des Vereins bedeutet der Wiederaufbau des Fischbestands nach der Vergiftung nicht nur viele zusätzliche Arbeitsstunden, sondern auch erhebliche Einschnitte bei der Ausübung der Fischerei. Das komplette Brigach-Pachtgebiet des Vereins ist zum Angeln gesperrt. "Natürlich schmerzt es das Naturschützer- und Anglerherz sehr, sich mit solchen Dingen befassen zu müssen. Wir rechnen mit mindesten drei Jahren Wiederaufbauzeit", prognostiziert der Vorsitzende. Aus den Erfahrungen beim letzten vergleichbaren großen Fischsterben vor etwa 20 Jahren, auch mit einem Verursacher aus St. Georgen, kann der Verein viele Rückschlüsse zur heutigen Situation treffen.

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