Das Schwimmbecken des Neckarbads ist verwaist, denn Besucher sind derzeit tabu. Im Fall der Fälle könnten hier aber binnen zwei bis drei Tagen wieder Schwimmer ihre Bahnen ziehen. Fotos: Moser Foto: Schwarzwälder Bote

Serie: Ein Blick hinter die verschlossenen Türen des Neckarbads in Schwenningen, das wegen Corona nicht geöffnet haben darf

Ruhig ist es derzeit in vielen Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Doch auch ohne Besucher geht die Arbeit – wenn auch anders – weiter. Im ersten Teil unserer Serie werfen wir einen exklusiven Blick hinter die verschlossenen Türen des Neckarbads.

VS-Schwenningen. Inmitten des Schwenninger Neckarbads steht dessen Leiter Jürgen Eßlinger allein auf weiter Flur. "Sonst hat man hier immer Menschen um sich herum, also Badegäste und Mitarbeiter. Und dann plötzlich – bumm", sagt er und blickt auf die verwaisten Schwimmbecken, die leeren Whirlpools und den verlassenen Kiosk. Wo sonst mehrere hundert – und auch unter Corona-Bedingungen immerhin noch maximal 100 Besucher – Platz finden, herrscht aktuell Stille.

Energetische Ersparnis ist "das einzig Positive"

Keine Gäste im Neckarbad – das bedeutet für das Personal vor allem eines: wenig zu tun. Menschenleere Becken müssen nicht beaufsichtigt werden. Es gibt niemanden, der sich an der Kasse eine Karte oder am Kiosk etwas zu essen kaufen will. Und auch geputzt werden muss deutlich weniger – immerhin werden Umkleidekabinen, Duschen, Becken und auch alles andere derzeit nicht benutzt. Ganz ruhig wird es trotzdem nicht: "Die Technik läuft trotzdem weiter", sagt Esslinger – wenn auch deutlich reduziert.

Das bedeutet beispielsweise, dass die Pumpen, die für die Reinigung des Badewassers sorgen, nicht voll im Einsatz sind. "Wir fahren momentan nur mit rund 20 bis 30 Prozent Leistung", erläutert Eßlinger. Grundsätzlich müssen die Pumpen stärker eingeschaltet sein, je mehr Gäste in den Becken schwimmen. Weil diese momentan aber menschenleer sind, reicht ein Bruchteil der Maximalleistung aus, um das Wasser sauber zu halten.

Auch die Heizungen des Neckarbads laufen nicht voll. Die Becken seien "ganz leicht beheizt. Das ist aber kaum der Rede wert." Denn bei rund 20 Grad Raumtemperatur hält das Wasser seine Temperatur von rund 19 Grad fast von allein. Gleichzeitig bedeutet das aber, dass der Sprung ins Wasser im Moment nicht so verlockend ist wie im Normalbetrieb, wenn die Temperatur bei angenehmen 28 bis 30 Grad liegt. Und noch weniger locken das Kinder-Planschbecken und die beiden Whirlpools. Die sind nämlich genauso wie die Dampfkabinen abgeschaltet.

"Energetisch sparen wir gerade viel", sagt Eßlinger. "Das ist aber auch das einzig Positive." Der Badleiter hofft, dass die Schließung nicht mehr allzu lange dauert – und steht damit nicht alleine da. "Hier kleben immer wieder Leute an der Scheibe, die rein wollen", erzählt er. Doch die Türen des Neckarbads bleiben für sie, für Kinder, die einen Schwimmkurs machen wollen, und auch für alle anderen verschlossen.

Wie lange das noch so bleibt, steht vorerst in den Sternen. Da weiß Badleiter Eßlinger auch nicht mehr als der Durchschnittsbürger. Bis zum 15. Februar "geht auf jeden Fall mal nichts, danach müssen wir sehen, was die Politik entscheidet". Sollte der offizielle Startschuss dann kommen, wäre das Neckarbad innerhalb von zwei bis drei Tagen bereit, Gäste zu empfangen.

Der Wiedereröffnung entgegenfiebern

Dafür wird das Schwimmbad quasi im Stand-by-Modus gehalten – etwa durch tägliche Kontrollgänge, bei denen unter anderem Chlorgehalt und pH-Wert des Wassers überprüft werden. Außerdem müssen alle Duschen und alle Wasserhähne durchgespült werden, "damit Bakterien gar keine Chance haben, sich festzusetzen". Und einmal im Monat lasse man zusätzlich die Wasserqualität im Labor untersuchen –­ in der Hoffnung, dass man die Ergebnisse bald wieder braucht.

Und bis dahin? "Viel können wir aktuell nicht machen", sagt Eßlinger. Er selbst erledige in diesen Zeiten Arbeiten, "zu denen ich sonst nicht so komme" – aber auch die gingen ihm mittlerweile fast aus. Eine solche Situation wie aktuell habe er noch nie erlebt, obwohl Eßlinger das Neckarbad bereits seit dessen Eröffnung im Jahr 2003 leitet. Das Personal des Schwimmbads ist derzeit in Kurzarbeit, "würde aber gerne wieder arbeiten", wie Eßlinger betont. Und auch er kann es kaum noch erwarten, bis das Neckarbad endlich wieder seine Türen öffnen kann.

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