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Villingen-Schwenningen Restaurant-Betreiber fühlen sich von Nachbarn drangsaliert

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Villingen-Schwenningen - Anzeigen über Anzeigen wegen Ruhestörung kassiert eine Familie, die ein orientalisches Restaurant in Villingen betreibt und sich deshalb in ihrer Existenz bedroht fühlt. Was Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst zu den Vorwürfen sagen, lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Die Ruhe ist dahin im Restaurant Palmyra am Kaiserring in Villingen: Die Besitzer aus Syrien sehen sich durch eine wahre Anzeigen-Flut wegen Ruhestörung in ihrer Existenz bedroht. Ihnen reicht’s, die Schmerzgrenze sei erreicht, sie wollen jetzt juristisch gegen die in ihren Augen "völlig haltlosen Vorwürfe" vorgehen.

Toni Daoud  zeigt gerne das geschmackvoll eingerichtete Restaurant. nahe des Bickentores.  Doch in die Freude über das, was er und seine Eltern aufgebaut haben, mischt sich gleich eine große Portion Ärger. Denn die Familie ist "mit den Nerven am Ende", erzählt der junge Geschäftsführer.  Immer wieder tauche die Polizei am Kaiserring auf,  ständig gebe es Anzeigen wegen Ruhestörung. Und dies seit mehreren Wochen.

Palmyra, Restaurant & Lounge Bar, steht in großen Lettern über dem Eingang des sanierten Gebäudes.  Warme Farben und   orientalisches Flair prägen das  Lokal,  das  Toni Dauods Eltern vor drei Jahren eröffnet haben.    Er schaut zufrieden auf die große Terrasse, die bereits am  frühen  Abend gut gefüllt ist:  Junge und ältere Paare  unterhalten sich angeregt,  genießen einen der vielen Drinks von der Getränkekarte, andere vertiefen sich in die  Speisekarte mit orientalischen  Gerichten. Es könnte für die Familie, die sich in Deutschland ein  neues Leben aufgebaut hat, so   schön sein. "Wir haben noch nie groß Probleme gehabt", erzählt der 24-Jährige,  doch seit   einiger Zeit "sind wir mit einer  Nachbarin im Clinch".

Seit Wochen Ärger

"Clinch mit einer Anwohnerin" heißt für die Familie, dass es Anzeigen hagelt. Als das Gespräch um die vielen Beschwerden wegen Lärmbelästigung kreist, ist es mit  der Ruhe von Toni Daoud vorbei.  Anzeigen über Anzeigen  gebe es, erzählt er verärgert, mal gegen 20 Uhr, mal etwas später. "Und dabei  dürfen wir ganz legal bis 23 Uhr unsere Terrasse  geöffnet haben", fügt er hinzu. "Immer wieder heißt es von einer  Anwohnerin, bei uns sei es zu laut." 

Seltsame Gerüche

Während sich seine Gäste genüsslich über Labneh und mariniertes Lammfleisch hermachen, spricht Daoud einen "Vorfall" an, der für Aufregung auf einer Terrasse sorgte. Marihuana sei in  der Nähe seines Hauses geraucht worden, behauptet er und nippt an seinem Mangosaft, mit dem Ergebnis, dass der süßliche Rauch über seine Abzugsanlage gelangt sei und der eindeutige Geruch sich auf der Außenterrasse und im Innenbereich des Restaurants verteilt  habe. Seine Gäste wären mehr als irritiert gewesen, erzählt er.

Nach Ende des Lockdowns  am 18.  Mai öffnete  das Lokal wieder. "Seither haben wir Probleme mit einer einzigen  Person aus der Nachbarschaft. Die macht uns das Leben zur Hölle." Der Mittzwanziger lässt sein Smartphone aufschnappen und zeigt eine Reihe von Fotos und Videosequenzen, die unter anderem zeigen, wie junge Männer an den Terrassen herumstehen, das Lokal beobachten und fluchtartig wieder das Terrain verlassen, als sie "entdeckt werden".

Belastend ist für Toni Daoud und seine Familie auch noch anderes. Gäste fühlten sich zunehmend beobachtet und gestört, erzählt er. Mittlerweile hat er einen  Anwalt eingeschaltet. "Denn jetzt geht es um unsere Existenz." Er verliere doch Kundschaft, wenn  ständig Polizei oder Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) auftauchen, ruft er, während einige seiner Stammgäste    zustimmend nicken. "Was würde die Nachbarin denn machen, wenn  sie in der Färberstraße leben müsste?", spielt er auf ganz andere  Probleme an,   über die der Schwarzwälder Boten seit Jahren berichtet. 

Vorwürfe haltlos

Ist die "einzige Person", die sich laut Daoud in  ihrer Ruhe gestört fühlt,  im  Recht? Haben die vielen Beschwerden je zu Konsequenzen geführt, musste die syrische Familie bereits ein Bußgeld bezahlen? Aus dem Mund von Jörg Kluge, von der Pressestelle des Polizeipräsidiums in  Konstanz, kommt dazu ein klares Nein.  Seit mehreren Monaten gebe es  zwar  tatsächlich zahlreiche, wiederholte Beschwerden gegen den Betreiber der Gaststätte "Palmyra" wegen Ruhestörung, bestätigt er. "Diese Beschwerden kamen und kommen bislang jedoch ausschließlich von ein und der gleichen Beschwerdeführerin", erläutert Kluge. Bei den Überprüfungen durch die Polizei seien die Vorwürfe bislang nicht bestätigt worden. "Anzeigen gegen den Betreiber wegen ruhestörenden Lärms wurden bislang seitens der Polizei nicht vorgelegt."

Was den Hinweis auf möglicher Razzien aufgrund von Drogen im Umfeld anbelangt, konnte Kluge auf Anfrage unserer Zeitung nichts sagen. Wie sieht der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) der Stadt Villingen-Schwenningen den Streitfall am  Kaiserring? Oxana Brunner, Pressesprecherin der Stadt, bestätigte ebenfalls dass es immer wieder Anzeigen gebe und der KOD deshalb auch "oft vorbeischaue". Doch in der Regel sei nichts festgestellt worden, was die Vorwürfe bestätigt hätte. Brunner stellt klar: "Wir müssen aber generell Anzeigen nachgehen."

Bei der Hälfte wird’s ernst

Wie sieht es grundsätzlich mit Anzeigen in Richtung Gastronomie aus, weil es den Anwohnern zu bunt wird mit der Lärmbelästigung? Seit Wiedereröffnung der Lokale nach dem Lockdown ziehen die Beschwerden merklich an, begünstigt auch durch das schöne Wetter, stellt Jörg Kluge vom Polizeipräsidium Konstanz fest. Grob geschätzt bestätige sich rund die Hälfte der gemeldeten Mitteilungen. Das liege auch daran, folgert er, dass aufgrund höher priorisierter Aufträge das Eintreffen der Polizei oft mit zeitlichem Verzug erfolge und dann eben manchmal keine relevanten Feststellungen mehr gemacht werden können. Bis die Polizei vor Ort sei, seien Türen wieder zu, und jene, die sich vielleicht noch laut auf der Straße unterhalten haben, weg.

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