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Villingen-Schwenningen Nach Todesfällen Klinik verklagt

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Die Klinik ist Mitglied im QuMik-Verbund. Ziel sind mehr Transparenz und Qualität. Foto: Kienzler

Villingen-Schwenningen - Führten »grobe Behandlungsfehler« zum Tod von mindestens einem Patienten? Eine Witwe aus der Region klagt gegen das Schwarzwald-Baar-Klinikum in VS. Ein von ihrer Krankenkasse eingeschalteter Gutachter belastet das Hospital schwer.

Im Sommer letzten Jahres starb ihr 62-jähriger Mann »im Kreis der Familie«, wie es im Klinikbericht geheißen habe. »Das war nur eine von vielen Ungereimtheiten«, erzählt die Frau. »Als wir ankamen, war er schon längst tot.« Die genaue Todesursache sei nie so recht klar gewesen. Sie ließ ihren Mann obduzieren, wollte sich mit dem Ergebnis aber nicht zufriedengeben.

Für den zugezogenen medizinisch-wissenschaftlichen Gutachter Michael Imhof aus Würzburg sind die letzten Tage des Mannes eine Geschichte voller Versäumnisse. Der Schlusssatz in seiner 23-seitigen Expertise ist eindeutig: Der Tod des Patienten hätte wahrscheinlich vermieden werden können, wenn er schneller auf die Intensivstation verlegt worden wäre.

Anwalt sieht »grobe Behandlungsfehler« nachgewiesen

Die Leidensgeschichte begann bereits im Januar 2009. Der 1,82 Meter große Mann war schon zu Jahresbeginn in der Klinik operiert worden und wurde bald wieder entlassen. Nach zweimaligem Niesen war jedoch die Naht am Bauch geplatzt. Der 62-jährige wollte mit dem »24,5 Zentimeter großen Loch« nicht länger leben und drängte auf eine weitere OP.

Der Anwalt der Familie, Thomas Gfrörer von der Kanzlei Quirmbach&Partner (Rheinland-Pfalz), die sich auf Medizinrecht und Arzthaftungsrecht spezialisiert hat, bereitet gerade eine Klage gegen das Klinikum vor. Der Advokat sieht durch Imhofs Gutachten »grobe Behandlungsfehler« nachgewiesen.

Nicht nur Michael Imhof ist eine Kapazität. Seit Jahren verfasst er Behandlungsgutachten. Auch ein Anwalt aus dem Norden beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Patientenklagen und wie Imhof nun auch zum ersten Mal mit dem Schwarzwald-Baar-Klinikum. Klagen, mit denen er zu 60 Prozent auch durchkommt, resümierte er. »In Villingen-Schwenningen geht es dabei immer wieder um den gleichen Arzt«, ergänzte er.

»Extrem angespannte Situation des Personals«

Während auch andere Anwälte dem Vernehmen nach Klagen gegen die Klinik vorbereiten, gibt es Hinterbliebene in der Region, die resigniert haben. »Ich habe doch keine Chance«, meinte ein Mann aus dem Landkreis Rottweil. Dessen Frau starb in Villingen an einer Blutvergiftung nach einer OP. Eine weitere Betroffene möchte sich nicht äußern.

Für Rechtsanwälte und Gutachter liegen die Gründe für »Nachlässigkeiten und Behandlungsfehler« ganz allgemein hauptsächlich in einer »extrem angespannten Situation des Personals«. Imhof spricht von teils »haarsträubenden Situationen« und einem »Kampf um Intensivbetten«, der schon chaotische Ausmaße angenommen habe. Dennoch seien die Behandlungsfehler im Verhältnis zu dem Patientenaufkommen bundesweit noch gering.

Das belastende Gutachten ist Rolf Schmid, Klinikchef in VS, bekannt. »Unser Anliegen ist es, solche Fälle sachlich und umfassend aufzuklären.« Auf die Vorwürfe des Gutachters im Einzelnen durfte er aufgrund des Datenschutzes nicht eingehen. Schmid verwies darauf, dass bei bestimmten großen Eingriffen eine Risikoquote trotz höchster Sorgfalt gegeben sei. Zudem werden heutzutage Operationen vorgenommen, an die sich früher niemand herangewagt habe, ergänzte er. Möglicherweise werde über das Gericht auch ein zweites Gutachten verlangt.

Mit der Arbeitsbelastung von Ärzten und Pflegern haben die Klagen nach Auffassung Schmids nichts zu tun, »Solche Zusammenhänge sind weit her geholt«, meinte er. Stattdessen bezog er sich lieber auf Komplikationsquoten von Kliniken landesweit, die dem Schwarzwald-Baar-Klinikum keine auffälligen Werte bescheinigen: »Manchmal sind wir etwas besser, dann wieder etwas schlechter.«

Ihre Redaktion vor Ort Villingen

Cornelia Spitz

Fax: 07721 9187-60

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