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Villingen-Schwenningen Mutmaßliche Rauschgift-Bande steht vor Gericht

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Villingen-Schwenningen - Sieben teils junge Männer müssen sich seit Montag vor dem Landgericht Konstanz wegen Drogenhandels im Raum VS verantworten. Die Wahrheitsfindung bei dem Prozess gestaltet sich jedoch anfangs schwierig.

Mit Fußfesseln und begleitet von insgesamt 14 Justizbeamten wurden die Männer aus Haftanstalten in ganz Baden-Württemberg nach Konstanz gebracht. Der Vorwurf: Die Angeklagten, unter anderem aus Pakistan, Syrien und Algerien, sollen von Sommer 2017 bis August 2018 im Raum Villingen-Schwenningen 30 Kilogramm Marihuana, rund 6,5 Kilogramm Haschisch, etwa 800 Gramm Kokain und rund 1200 Ecstasy-Tabletten verkauft haben.

Knapp eine Stunde benötigte der zuständige Staatsanwalt, um die über 60 Taten der Anklageschrift zu verlesen. Dabei wurde deutlich, dass es sich um eine verworrene Angelegenheit handelt, die einer umfangreichen gerichtlichen Aufarbeitung bedarf. Denn den sieben Männern, die zur Tatzeit zwischen 19 und 33 Jahre alt gewesen sein sollen, wird unter anderem vorgeworfen, die Taten sowohl einzeln als auch als Bande verübt zu haben – letzteres hätte eine Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren zur Folge. Als Hindernis stellte sich dabei auch die, trotz der Dolmetscher, teilweise schwierige Verständigung mit den Angeklagten dar.

Beschafft worden sein soll das Rauschgift insbesondere in Deutschland. Genannt werden Städte wie Berlin, Hamburg, Leipzig oder Wismar, die angefahren wurden, um von dort aus den "Stoff" in die Doppelstadt zu bringen und gewinnbringend – teilweise auch, um die eigene Sucht zu finanzieren – zu veräußern. Als Depot hätten allen die Wohnungen der Angeklagten in der Zimmerstraße sowie der Lessingstraße gedient, während unter anderem im Bereich der Sparkasse in der Paradiesgasse, in der Schwedendammstraße aber auch in einem Internetcafé in der Schlösslegasse sowie einem Flüchtlingsheim in St. Georgen die Waren an den Mann gebracht wurden seien.

Zwei Angeklagte schweigen

Im August 2018 hatten die Angeklagten zudem Pech, dass sie ausgerechnet einer Vertrauensperson der Staatsanwaltschaft einen kiloschweren Deal andrehen wollten – kurz vor der Übergabe schnappte die Falle schließlich zu. Denn am 16. August 2018 wurde bei einer umfangreichen Durchsuchungsaktion das Treiben der Rauschgifthändler beendet (unser Bild).

Vor Gericht schwiegen zwei der Angeklagte gänzlich. Einer von ihnen, bei dem seine verschiedenen Namen für zahlreiche Irritationen sorgten, soll dabei als Kopf der Gruppierung fungiert haben und für die Beschaffung der Drogen zuständig gewesen sein. Unter den auskunftswilligen Angeklagten befand sich derweil ein Pakistani (35), der sich jedoch nur zu den persönlichen Angaben äußerte, aber nicht von den verbotenen Aktivitäten erzählte. Ähnlich handhabte es ein 23-jähriger Algerier, dem – wie dem Pakistani – vor seiner Festnahme die Abschiebung drohte.

Die Worte des Vorsitzenden Richters Joachim Dospil, der mögliche Strafminderungen bei Geständnissen oder weiterführenden Angaben zu den Geschäften in Aussicht stellte, nahmen sich hingegen drei Angeklagte zu Herzen. Ein 34-jähriger Syrier, der bei Bombenangriffen ein Bein verloren und als Kriegsflüchtling eine Aufenthaltserlaubnis hat, legte zwar ein umfangreiches Geständnis ab – an die gegenüber der Polizei bei Vernehmungen geäußerten Angaben über die mutmaßlichen Komplizen konnte er sich aber plötzlich nicht mehr erinnern. Der sechsfache Vater habe in der Bande keine große Rolle gespielt und die Käufe auch für den Eigenbedarf genutzt. "Alles falsch" kommentierte derweil ein 33-jähriger Algerier die Aussagen des Kriegsflüchtlings. Er legte ebenfalls Teilgeständnisse ab und half mit seinen Angaben bei der Aufarbeitung.

Umfangreich äußerte sich darüber hinaus ein 22-jähriger Syrer, der den Inhalt der Vernehmung durch die Kriminalbeamten vollumfänglich bestätigte. Der junge Mann, der in Syrien sein Abitur abgeschlossn und im Gefängnis Deutsch gelernt hatte, gab zu, in die Geschäfte verwickelt gewesen zu sein und beschuldigte dabei auch seine Mitangeklagten. Von Drogen will er jetzt nichts mehr wissen: "Die haben mein Leben kaputt gemacht."

Für die Verhandlung vor dem Landgericht sind aufgrund der Komplexität und der Verworrenheit fünf weitere Sitzungstage vorgesehen. Das Urteil wird am 16. August erwartet – und damit exakt ein Jahr, nachdem die mutmaßlichen Drogendealer von Villingen-Schwenningen hochgenommen wurden.

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