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Villingen-Schwenningen Motte und ihr Gartenparadies

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Prachtkatze Motte mal nicht bei ihrer Tour durch den Garten, sondern hundemüde an einem ihrer Lieblingsplätzle im Hause Gambin in Villingen. Foto: Schwarzwälder Bote

Von Eva-Maria Huber

Wer wohl  bekannter ist?  Motte oder ihre Besitzerin? Beide haben eine große Schwäche: Der naturnahe Garten der Gambins, in dem es summt und brummt und der so gar nichts von jenen Schotter-Alternativen hat, die gerne als Horrorgärten etikettiert werden.  

Villingen-Schwenningen.  Die Tür zur der Garten-Pracht geht  auf, und schnurstracks führt Karin Gambin  ihre Besucherin in  ihre  große  Gartenwelt. "Es herbstelt schon ein wenig",   streift  der  Blick der Südstädterin über ihren Baum mit den  Klaräpfeln und dem Sommerflieder, dessen Blüten sich bereits zum  Teil bräunlich verfärbt haben.

"Das   Gesumme und Gebrumme,  das ich ständig höre, ist  einfach  unglaublich."   Wie zum  Beweis  peilt ein kleiner Schwarm  Bienen zwei üppige Lavendelsträucher an,  die am Fuße   des Apfelbaumes ihr mediterranes Aroma verströmen.  Und weiter geht es vorbei an einem Zwetschgenbaum,  den Gambins Mann   "verarztet" hat, damit  er noch einige Jahre  auf dem Grundstück stehen kann.   Am Eingang zu einem kleinen Gewächshaus, in denen  Tomaten ihre rote Bäckchen zeigen, steht  Karin Gambins ganzer Stolz: ein Pfirsichbaum mit ungarischen  Wurzeln, der prächtige Früchte trägt.   Wo der Blick hingeht, ob zu Rhabarberblättern oder ausladenden Kürbispflanzen, Glyzinen, Phlox oder der Kräuterschnecke  mit aromatischer Zitronenmelisse, Pfefferminze oder Thymian und Bohnenkraut: Üppige Pracht und eine Fülle von intensiven Düften verzaubern die Besucher.

Und durch diese Gartenpracht stromert auch immer wieder gerne Motte, sie ist nicht nur die vielleicht schönste, sondern, auch bekannteste Katze in der gesamten Südstadt. Ihr tägliches Ritual ist ein Gang durch den Garten. Kein Tag vergeht, an dem auch Mottes Besitzerin Karin Gambin durch ihren Garten streift, hier und da ausputzt, mit oder ohne Kamera, aber täglich aufs Neue überwältigt von den Farben und der Vielfalt, die sich vor ihr auftun. Seit mehr als 30 Jahren wohnt die Mutter dreier mittlerweile erwachsener Kinder in der Villinger Südstadt. "Der Garten war schon immer da", erinnert sie sich. Doch im Laufe der Jahre wurde er zu einem Refugium, das sich wohltuend von jenen Gärten abhebt, die eher unangenehm ins Augen fallen.

Picken nach Herzenslust

Während immer mehr Bienen und Hummeln zum Frühstücken Gambins Garten-Wirtschaft anfliegen und sich gütlich tun, schwirren über unseren Köpfen Vögel, die kleine Futterstationen anfliegen, in denen Meisenknödel liegen. Ideal nennt Gambin die ovalen Gebilde, an denen sich die gefiederten kleinen Wesen gut festhalten und gleichzeitig nach Herzenslust Futter picken können. Lang ist die Liste mit Vogelarten, die die Adresse in der Erlenstraße gerne ansteuern: Braunellen, Kohlmeisen, Grünfinken und andere Arten, "die ich zuvor noch nie gesehen habe", staunt Karin Gambin. Kein Thema: Ganz dem Vogelschutz verpflichtet, ist die Ganzjahresfütterung kein Thema.

Motte, das dreijährige Prachtexemplar von einer Katze, schleicht gerne durch den Garten, entlang an Goldrute und Phlox. Ihr Interesse an Vögeln hält sich jedoch in Grenzen. Und auch der Teich mit den Goldfischen ist eher uninteressant. Wegen der Netze, die Karin Gambins Mann gespannt hat? "Nein, dieser Schutz war wegen der Reiher", die sich gerne mal bedient haben, erinnert sie sich an die forschen Räuber, die aufmerksam den Teich beobachteten und im geeigneten Augenblick zuschlugen.

Entlang des Weges fallen kleine Schälchen auf, "die sind für unsere Igel", erklärt sie, um sich gleich wieder ihren Stauden und Pflanzen zu widmen. "Hier darf alles wachsen." Nicht immer sind Nachbarn begeistert von naturnahen Gärten, wie auch manche Kommentare in sozialen Netzwerken zeigen.

Den einen sieht’s zu wenig ordentlich und schon fast anarchisch aus, andere  befürchten, dass "Unkraut" über die Grenze aufs eigene Grundstück wandert.  "Diese Probleme haben wir zum Glück nicht." Offenbar teilt das Umfeld der Familie das Motto von den Gambins: "Leben und leben lassen". Der Applaus ist ihnen von Naturschutz-Seite sicher. Denn der Trend weg von naturnahen und hin zu Gärten, in denen kaum noch Naturwiesen oder heimische Gehölze vorkommen, bringt  vor allem Naturschützer in Rage. Mit Sorge beobachten sie zurückgehende Zahlen an Vogel- und Insektenarten.

Bloß keine Steinwüsten

In vielen Gärten sehe es eher "nach  Kehrwoche aus". Mit dem Ergebnis, dass Vögel verzweifelt nach Nahrung suchen. Gerade in Zeiten, mahnen Experten, in denen die Artenvielfalt bedroht sei, erscheinen Steinwüsten paradox. Ökologisch wertlos, bieten diese weder Schmetterlingen oder Bienen einen Lebensraum noch anderen Nützlingen wie Würmern und Käfern.   Vögel finden weder Nahrung noch Lebensraum. Wie ein lebendiger und schöner Garten aussehen kann,  das  erleben Karin Gambin und ihr Mann täglich.   Offensichtlich ist auch anderen der zunehmende Trend zu "Horrorgärten" ein Dorn im Auge: Baden-Württemberg will Schottergärten aus der Landschaft verbannen und verbieten.

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