Andreas Fühnus im Fachgespräch mit einem von 230 Landwirten: Die Bezirkslehrfahrt führte auf Milchviehhöfe im Kreisgebiet. Den Tag eröffnete Familie Fühnus bei Obereschach. Foto: Staiger Foto: Schwarzwälder-Bote

Traditionelle Bezirkslehrfahrt des Landwirtschaftsamtes führt nach Obereschach / Artgerechte Haltung steht im Mittelpunkt

Von Babette Staiger Schwarzwald-Baar-Kreis. Zur traditionellen Bezirkslehrfahrt für Landwirte und Schüler der Fachschule für Landwirtschaft kamen 230 Interessierte, so viel wie noch nie. Diesmal drehte sich alles um die artgerechte Haltung von Milchvieh. Drei Höfe im Kreisgebiet waren auserwählt worden, um ihre Lösungen vorzustellen für moderne Stallungen, Milchzapfanlagen und was sonst noch das Leben der milchgebenden Wesen schöner macht. Dabei war der Einblick in die Höfe der Familien Fühnus bei Obereschach, in den Schmiedshof von Gerhard und Uwe Götz bei Königsfeld-Burgberg und bei den Fichters im Obermühlbachhof bei St. Georgen-Peterzell auch für den interessierten Laien ein Aha-Erlebnis.

 

Enge, dunkle Stallungen, am besten auch noch wärmeisoliert, gehören wohl der Vergangenheit an, das zeigte sich schon beim luftigen, lichtdurchfluteten Stallanbau der Familie Fühnus in Obereschach. "Kühe sind eigentlich Polartiere", erklärte Walter Maier Amtsleiter des Landwirtschaftsamtes. Wer ahnt schon, dass diese Tiere, die aus dem ländlichen Idyll unserer Region nicht weg zu denken sind, Temperaturen bis zu 15 Grad unter Null bestens vertragen? Am wohlsten fühlt sich das Rind deshalb in hoch gebauten, ganzjährig belüfteten Stallungen, mit großen Ruheboxen, sowie bei freier Beweglichkeit nach drinnen und draußen, in den Wartebereich vor der Milchzapfanlage.

Ein automatischer Mistschieber in der Laufgasse zwischen den Boxen und dem Futterbereich sorgt für Sauberkeit; der für die Tiere unangenehme Spaltboden entfällt. Der Landwirt kalkt die Boxen von Zeit zu Zeit, die Streu ist unterlegt mit Rindenmulch. All dies sind natürliche Methoden, um etwaigen Mikroben die Lebensgrundlage zu nehmen. Heraus kommt eine für konventionelle Betriebe hohe Milchqualität und gute Eutergesundheit. Soweit die guten Nachrichten.

Am überzeugendsten wirkt das Resultat der 450 000 Euro teuren Investition aber, wenn man den 85 Rindern im neuen Stallanbau zusieht: Glänzende Augen, sauberes Fell und wenn es einmal irgendwo juckt, dann kann die Kuh gemütlich zur vollautomatischen Kratzbürste schlendern.

Das Landwirtschaftsamt begleitet Landwirte, die wie Familie Fühnus ihren Hof modernisieren.

Dabei wird nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit und mehr Gewinn geachtet. Dass die Tiere artgerecht gehalten werden, stehe im öffentlichen Interesse, so Hans Martin Schwarz, der das Projekt beim Landwirtschaftsamt betreute. Ausgerechnet im Jahr 2008 hatten die Fühnus’ mit der Vorstudie zu ihrem Erweiterungsbau begonnen, mitten in der Krise des Milchpreises. Da Junglandwirt Andreas Fühnus den Hof vom Vater übernahm, durfte er eine besondere Förderung von zehn Prozent auf die Nettoinvestition wahrnehmen und einen 25- prozentigen Zuschuss für besonders artgerechte Haltung.

Der Staat sehe einen solchen Ausgleich für die Landwirte vor, damit sie diesen Anforderungen gerecht würden, die im übrigen über die Tierschutzgesetze hinaus gingen. Damit hätten Rinder und Menschen eine Zukunftsperspektive, so Hans Martin Schwarz.