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Villingen-Schwenningen "Meine Weiblichkeit ist mein Leben"

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Christin Löhner genießt ihren neuen Körper und kleidet sich gerne weiblich. Foto: Müller Foto: Schwarzwälder Bote

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Was Christin Löhner von anderen Frauen unterscheidet ist, dass sie sich bewusst dafür entschieden hat, ein Leben als Frau zu führen. Die 45-Jährige ist eine Transfrau, Löhner wurde als Mann geboren.

Villingen-Schwenningen. Alle Daten, die sie ein Stück näher an ihre Weiblichkeit heranführen, kennt Löhner auswendig. "Meine Weiblichkeit ist mein Leben. ­ Sie hält mich am Leben", sagt sie. Vor nunmehr zweieinhalb Jahren outete sie sich in ihrem Umfeld als transgender. Seit 2016 ist ihr Geschlecht und ihr neuer Name auch vor dem Gesetz anerkannt, seit 18 Monaten nimmt sie weibliche Hormone, im Januar hat sie sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen. Eine Frau sei sie jedoch schon immer gewesen, meint sie. Bis sie das realisierte und akzeptierte, hatte sie jedoch einen langen Leidensweg zu meistern. Heute hilft sie anderen Personen, die sich im falschen Körper gefangen fühlen, diesen Weg zu gehen. Sie leitet die einzige Selbsthilfegruppe für Transgender in der Schwarzwald-Bodensee-Region.

Im Alter von etwa acht Jahren habe sie gemerkt, dass sie anders als andere Jungen in ihrem Alter ist. Löhner hat sich in der Schule mehr den Frauen zugehörig gefühlt, den Jungen war Christin, die damals noch Alex hieß, nicht männlich genug. Das alles hinterließ Spuren. Alex war verschüchtert, still, hat sich verkrochen, litt an Depressionen. Mobbing, schlechte Noten, niedriges Selbstwertgefühl waren die Konsequenz.

"Die Pubertät war ganz schlimm. Da entwickelten sich an meinem Körper Dinge, die da nicht hingehören." Damals, vor 30 Jahren, war Transsexualität ein Tabuthema, viele wussten nicht genau darüber Bescheid. Mit 17 Jahren, Löhner hat bis dahin immer noch nicht herausgefunden, was mit ihr nicht stimmt, fing an Kraftsport zu machen. Ihr Verhalten wurde nahezu prollig, erzählt sie. "Ich wollte dagegen ankämpfen, wollte beweisen, dass ich ein richtiger Mann bin."

2007 kam die Wende: Löhner stieß durch Zufall auf den Begriff Transgender. Je mehr sie sich mit dem Thema befasste, desto klarer wurde ihr, dass ihr Geschlechtsempfinden, nicht mit den äußerlichen Geschlechtsmerkmalen übereinstimmt.

Ihr Coming-Out schob sie immer weiter vor sich her. Bis sie an ihrem zweiten Tag am neuen Arbeitsplatz in der Webentwicklung als Frau erschien. Die Reaktionen ihrer Kollegen seien jedoch ausgeblieben. Als es niemand bemerken wollte, sprach sie es selbst an. Schließlich habe sie nur Zuspruch für ihren Mut gefunden.

Christin Löhner ist Frau mit Leib und Seele. "Ein transsexueller Mensch denkt jede Sekunde über sein Geschlecht nach, wie man sich verhält, wie man auftritt, was typisch ist. Ich habe mich aktiv für das Leben als Frau entschieden, ich bin mir meiner Weiblichkeit daher sehr bewusst", sagt sie. Und das sieht man auch. Löhner schminkt sich, ließ sich seit ihrem Coming-Out die Haare wachsen, trägt Schmuck, kleidet sich weiblich. Auch die Hormone leisten ihren Beitrag, sie bewirken eine Art weibliche Pubertät. "Ich genieße jeden Tag, an dem ich in den Spiegel schaue und merke, dass ich weiblicher werde und Rundungen bekomme."

Seit sie offiziell eine Frau ist, änderte sich in ihrem Leben vieles zum Positiven. "Seit ich als Frau anerkannt bin, bin ich viel selbstbewusster geworden", sagt die große Frau mit den langen roten Haaren. "Und glücklicher."

In einer Serie zum ­Weltfrauentag am 8. März stellt der Schwarz­wälder Bote ­täglich eine Frau vor, die beispielhaft für das weibliche Geschlecht in der heutigen Zeit in Villingen-Schwenningen ist. Ob Geschäftsführerin, ­Mutter, Hebamme oder ­Politikerin. So unterschiedlich sie auch sein mögen: Sie alle sind starke Frauen.

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