Gülsever Yilmazer (links) und Hanife Yazici vom Jugend- und Elternverein Schwarzwald Baar (JES) wollen helfen, Vorurteile zwischen Deutschen und Türken abzubauen. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder-Bote

Jugend- und Elternverein will zum Verständnis der Kulturen beitragen

Villingen-Schwenningen (bn). "Sie können ja deutsch!" Diesen verwunderten Ausruf hat Gülsever Yilmazer schon oft gehört. Die Mutter von sieben Töchtern ist in Deutschland geboren und lebt in zweiter Generation in Schwenningen. Dort, im Prisma in der Alleenstraße, treffen sich die Frauen aus dem Jugend- und Elternverein Schwarzwald-Baar (JES) regelmäßig und wollen helfen, Vorurteile zwischen Deutschen und Türken abzubauen.

Der 1992 gegründete Verein ist zugleich Dachorganisation der beiden Prisma-Bildungseinrichtungen in Singen und Schwenningen. Nachhilfe, Sprachunterricht und Elternseminare sollen zum besseren Verständnis zwischen beiden Kulturen beitragen.

Was sie sich von deutschen und türkischen Frauen in Deutschland wünschen? Hanife Yazici muss nicht lange nachdenken beim jüngsten Treffen anlässlich des internationalen Frauentages: "Sie sollten mehr miteinander sprechen und unternehmen", sagt die Mutter dreier Söhne, die in Donaueschingen lebt. "Je mehr man sich kennt, desto näher kommt man der Kultur der anderen".

Keine Berührungsängste und keine Vorurteile, dass wünschen sich alle deutschen und türkischen Frauen, die im Prisma in der Alleenstraße zum Brunch zusammengekommen sind. Eigentlich sei man sich doch so ähnlich, sagt Gülsever Yilmazer. "Egal, ob deutsch oder türkisch, Mütter haben überall die gleichen Aufgaben", sagt sie.

Ein wenig hat sie allerdings den Eindruck, dass deutsche Frauen nicht so gleichberechtigt sind wie Türkinnen. In der Mitte der Türkei, dem Gebiet, aus dem sie stammt, "da haben die Frauen das Sagen", meint sie. Sie selbst stammt indes aus einem restriktiven Elternhaus, das ihr keinen Beruf erlaubte. Bei ihren eigenen Mädchen sei das anders, "drei studieren schon", ist Gülsever Yilmazer spürbar stolz.

Beide Frauen fühlen sich als Deutsche. "Die Türkei ist nicht einmal Urlaubs-, nur Verwandtschaftsland, und wir gelten dort als die ›Deutschländer‹", sagt Hanife Yazici. Um so mehr kränkt es sie, wenn sie hier die Frage gestellt bekommt: "Sie mich verstehen?" Sie weiß, das liegt unter anderem an ihrem Kopftuch, das sie als religiöse Türkin ausweist. Doch so wie Christinnen sich Kreuze um den Hals hängen, möchte die Industriekauffrau nicht auf das äußere Zeichen ihres Glaubens verzichten.

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