Glonkivatter Günther Reichenberger drängt es nicht ins Rampenlicht
Von Birgit Heinig
VS-Villingen. Irgendwie ist es logisch, dass Günther Reichenberger bei der Mitgliederversammlung am 11. November zum "Glonkivatter" gewählt wurde. Der 47-Jährige war schon mit 13 bei den kleinen Blechtrommlern und 1979 als einer der Ersten dabei, als ein Jungfanfarenzug gegründet wurde.
Von 1982 bis 1991 war er zweiter, danach bis 2002 erster Tambour bei den "Großen". Heute ist er Ehrenmitglied. Er selbst schlägt die Trommel, bläst die Fanfare und das Parforcehorn mit Leidenschaft. Die gute Kameradschaft, die Musik und das "Um-die-Häuser-ziehen" an Fastnacht, das war und ist sein Ding. Inzwischen hat er den Taktstock an seinen Neffen Michael weitergegeben.
Glonkiangelegenheiten bleiben bei den Reichenbergers gerne in der Familie. 1984 wurde er in den Großen und 1996 in den Elferrat berufen. Als man ihn fragte, ob er die Spitzenposition der Gilde einnehmen wolle, habe er nicht gleich "ja" gesagt, gibt Reichenberger zu. Zu wenig gerne steht er im Mittelpunkt, zu sehr zieht er es vor, im Hintergrund kräftig mit anzupacken. Doch als man ihm zusicherte, dass das repräsentative Amt nicht ausschließlich an ihm hängen bleiben, sondern zum "Teamwork" im gesamten Vorstand werde, sagte er schließlich zu.
Nach den Querelen zwischen den Weiß-Blauen musste endlich wieder Ruhe einkehren, findet Reichenberger. Dabei hat ihm das Jahr als einer von zwei Gildemeistern zusammen mit Wolfgang Ross schon ganz gut gefallen, es hätte auch so bleiben können. Doch dass die Tradition eines Glonkivatters fortgesetzt gehört, das sah er ein. "Ich muss ja trotzdem nicht immer als Erster vorne dran stehen", hofft er dennoch.
Bewährtes fortführen, das hat er sich zum Ziel gesetzt
Der Maurer und Vorarbeiter bei einem Königsfelder Bauunternehmen, zu dem er seit dessen Gründung gehört, ist in Villingen geboren und war Grundschüler am Warenberg. Später besuchte er die Klosterringschule.
Mit den derzeit 2056 Mitgliedern der Glonkigilde möchte Reichenberger vor allem "Bewährtes fortführen". Dazu gehören auch die beiden Bälle am "Schmotzigen" und am Freitag. Die plötzlich fehlenden Sitzplätze haben auch die Gilde kalt erwischt, sagt Reichenberger, "besonders der Freitag wird richtig wehtun", befürchtet er. Trotzdem habe man beschlossen, die Bälle aus Rücksicht auf die seit Ende der Sommerferien probenden Akteure durchzuführen, dafür an Kulissen und Kostümen zu sparen. "Hinterher werden wir dann in Ruhe entscheiden, wie es weitergeht."
Obwohl sein Fanfarenzug das ganze Jahr über aktiv und er, so oft es geht, dabei ist, hat Günther Reichenberger auch Muße für seine Hobbys und Partnerin Doris Tolkemit, die im Spielmannszug der Glonkis aktiv ist. Sie lieben es, gemeinsam Motorrad zu fahren und verbringen freie Tage gerne in ihrem Wohnwagen am Bodensee. Im kommenden Frühjahr werden sie zudem einen Bootsführerschein machen, das passende Boot haben sie schon.
Doch zunächst stehen für den Glonkivatter andere Termine an: Repräsentieren bei den Fasnetauftakten der befreundeten Zünfte, beim Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters und bei den diversen Bällen. Ob bis dahin seine ihm zustehende und speziell verzierte Glonkivatter-Kappe fertig ist, ist Günther Reichenberger nicht wichtig. Wie gesagt, er bleibt ohnehin lieber im Hintergrund.