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Villingen-Schwenningen Mahnwache

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Zum Gedenken der nach Gurs deportierten Villinger Juden findet am Sonntag, 26. Oktober, 19 Uhr, eine Mahnwache am Gedenkstein vor dem Villinger Bahnhof statt. Der Verein "Pro Stolpersteine VS" nimmt damit seine Reihe der Mahnwachen – die normalerweise auf dem Münsterplatz stattfinden – wieder auf. In Schwenningen findet erstmals am Sonntag, 30. November, auf dem Muslenplatz eine Mahnwache im Gedenken an vom Naziregime verfolgte Schwenninger Sinti statt.

VS-Villingen (bn). Heute vor 74 Jahren ist ein schöner Tag. Die Sonne scheint, der Sieg über Frankreich wird in den Gazetten gefeiert. Im 1200 Kilometer entfernten Südwesten Frankreichs herrscht zur selben Zeit ein Unwetter, das den Boden des Lagers in Gurs in Morast verwandelt.

Friedrich Engelke, Vorsitzender des gerade gegründeten Vereins "Pro Stolpersteine", hat recherchiert. Der 22. Oktober 1940, der letzte Tag des jüdischen "Laubhüttenfestes", das die Juden grundsätzlich in ihren Familien verbringen, ist ein Schicksalstag für elf jüdische Mitbürger Villingens. Am frühen Morgen werden sie von höflichen Beamten in Polizeibegleitung aus ihren Wohnungen geholt und in die Gestapo-Zentrale (heute der Neckarverlag am Bickentor) gebracht. Die Jüngste ist Bella Kohn, das sechs Monate alte Pflegekind von Berthold und Georgine Haberer aus der Schlösslegasse 2.

Im Gegensatz zur Reichspogromnacht zwei Jahre zuvor bekommen die Villinger Bürger davon wenig mit. Lediglich ein Augenzeuge, ein Bahnbeamter, sieht, wie die kleine Gruppe am späten Abend möglichst unauffällig und deshalb auf dem Abschnitt des Güterbahnhofes den Zug besteigt, der sie nach Gurs bringen wird.

Wenige Tage zuvor ist ihr Schicksal und das aller noch in Baden und in der Pfalz lebenden Juden besiegelt worden. Der streng geheime Auftrag zur Deportation der "unerwünschten Personen" war dem hiesigen Landratsamt schon am 15. Oktober zugegangen. In den Zeitungen durfte davon aber kein Wort stehen.

Wohin es gehen wird, wissen die drei Familien und der alleinstehende und mittellose Arbeiter Karl Hermann Faber aus der Brigachstraße 13 an diesem Morgen nicht. Es war ihnen lediglich aufgetragen worden, maximal 50 Kilogramm Gepäck und 100 Reichsmark für eine "längere Reise" zusammenzupacken.

Neben den Haberers und Faber steigen die Geschwister Heinrich, Martha und Sally Schwab aus der Rietstraße 40 ein, außerdem die kränkliche und mit 77 Jahren Älteste, Berta Schwarz mit ihrer unverheirateten Tochter Julie, ihrem Sohn Hugo und dessen Frau Irma aus der Gerberstraße 33. Ihre Wohnungen werden versiegelt, der Hausrat wenige Wochen später versteigert, das Haus Gerberstraße 33 geht in den Besitz des Reiches über. Familie Schwab hat ihr Wohneigentum Riet­straße 30 – Böses ahnend – schon im Vorfeld an die Villinger Familie Merkle verkauft, das Wohnrecht aber behalten.

Nach vier Tagen und drei Nächten Fahrt kommt der Zug, der mehr als 1000 von 5600 badischen Juden "einsammelt", in Gurs am Rande der Pyrenäen an. "Wir gingen stumm und tränenlos" – in ihrem Buch schildert die Freiburger Schriftstellerin Lili Reckendorf als Überlebende die grässlichen Umstände dort.

Von den elf Juden aus Villingen überlebt nur Bella Kohn. Die französische Krankenschwester Germaine May nimmt sich des Babys an, versteckt es in einem Kinderheim in Limoges und nimmt Bella nach dem Krieg als eigenes Kind zu sich.

Berta Schwarz und Berthold Haberer sterben 1942 in Gurs und sind dort beerdigt. Seit 1962 steht auf Initiative der Stadt Karlsruhe ein Gedenkstein und die Gräber vieler Juden werden auf Kosten etlicher badischer Städte gepflegt. "Villingen-Schwenningen gehört bis heute nicht dazu", mahnt Friedrich Engelke an.

Martha Schwab, Georgine Haberer, Hugo, Irma und Julie Schwarz werden in Auschwitz gleich nach ihrer Ankunft vergast, Karl Faber stirbt an "Herzversagen" – so werden die Ermordungen in den offiziellen Büchern festgehalten. Die Halbbrüder Heinrich und Saly Schwab werden in Majdanek umgebracht.

 
 

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