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Villingen-Schwenningen Lüge eines Vaters führt zu Schließung der Nachsorgeklinik

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Die Nachsorgeklinik in Tannheim muss vorerst schließen. Foto: Heinig

VS-Tannheim - Er sei in keinem Risikogebiet gewesen, und er unterschrieb dafür. Doch laut Klinikleitung hat der Vater eines Kindes gelogen – seinetwegen musste nun die Nachsorgeklinik Tannheim vorerst geschlossen werden.

Die beiden Geschäftsführer Thomas Müller und Roland Wehrle ringen im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten hörbar mit der Beherrschung. Dass das Coronavirus die Nachsorgeklinik mit ihrem hochsensiblen Bereich der Nachsorge für Familien mit krebs-, herz- und mukoviszidosekranken Kindern tangieren würde, damit war zu rechnen. Gerade deshalb versuchte man, das Risiko soweit wie möglich zu minimieren. Unter anderem mussten die Angehörigen der kleinen Patienten zuletzt einen Fragebogen beantworten und angeben, ob sie in einem Risikogebiet unterwegs waren.

Für Betroffene ein bitterer Schlag

Der betreffende Vater habe das verneint, dafür auch eine Unterschrift geleistet. Doch, so Thomas Müller, der Vater sei beruflich im Kreis Heinsberg unterwegs gewesen – und wurde nun nach zehn Tagen positiv auf das Coronavirus getestet. Die Folge: Räumung der Klinik, häusliche Quarantäne für alle Patienten, deren begleitende Angehörige und das Personal. "Für die Familien ist das ein bitterer Schlag", die Wartezeiten lägen teilweise bei einem Jahr, vielfach gehe dem ein einjähriges Ringen bis zur einer Kostenzusage voraus, so Müller.

Weitere Infizierungen seien bislang glücklicherweise nicht bekannt, so Wehrle.

Enttäuscht über verantwortungsloses Handeln

So froh er ist, dass die Familien trotz der Tränen, die geflossen seien, mit Verständnis und Lob für das umsichtige Handeln der Klinikleitung reagiert hätten, so tief sitzt Wehrles Enttäuschung über das verantwortungslose Handeln des Vaters. "Die Patienten, die jetzt die Reha am dringendsten brauchen, sind natürlich auch die Hochrisikopatienten." In der Tannheimer Klinik hätten sie sich, gerade jetzt, geborgen gefühlt und teilweise sogar händeringend um eine Aufnahme gebeten, "weil sie sich hier sicherer fühlen als draußen".

Das Haus sei eigentlich ausgebucht, über Monate hinweg. Nun hofft man, nach der Quarantäne und einer zusätzlichen Woche am 6. April wieder mit einer verkürzten Reha starten und dann in den regulären Turnus wechseln zu können. Normalität ist für die Nachsorgeklinik, stellen Müller und Wehrle klar, das A und O. Auch um den Klinikbetrieb langfristig sichern zu können.

Virus steht nicht in Versicherung

Das eigentliche Desaster für die Nachsorgeklinik reicht nun weit über diesen Fall hinaus – ohne Hilfe könnte das Haus am finanziellen Abgrund stehen, denn: "Die Versicherung weigert sich zu zahlen!", so die Geschäftsführer.

Die Nachsorgeklinik verfüge über eine Betriebsausfallversicherung, für einen 90-tägigen Ausfall sei man eigentlich versichert. "Aber das Virus steht da nicht drin, deshalb weigert sich die Versicherung zu zahlen!", ärgert sich Thomas Müller. "Das ist ein Hammer", findet auch Roland Wehrle, "denn genau aus so einem Grund macht man das ja!"

Schadensersatzanspruch gegen den Vater?

Müller und Wehrle rotieren nun. "Wir werden uns vorbehalten, einen Schadensersatzanspruch gegen den Vater geltend zu machen", heißt es seitens der Klinikleitung. Der Mann müsse mit einer Klage rechnen, auch wenn ein solcher Schritt der letzte sei, den man gehen wolle. "Letztlich ist es auch eine Patientenfamilie", so Wehrle.

Wie dringend das Geld gebraucht wird, zeigt die Bilanz – bei hundertprozentiger Vollbelegung werden zur Finanzierung 600.000 Euro Spendenmittel benötigt. "Die drei Wochen kriegen wir gebacken", aber zwei, drei Rehas lasse sich das nicht durchhalten. "Dann wären wir schlicht und einfach insolvent".

Alle Hoffnung gilt nun der Politik in Deutschland. Den CDU-Bundestagsabgeordneten der Region, Thorsten Frei, haben beide schon eingeschaltet. Bund und Politik seien nun gefordert, denn, so Müller und Wehrle übereinstimmend, sie wissen noch gar nicht, ob sie unter irgendeinen der Rettungsschirme fallen, die da in Berlin und andernorts gerade so eilig aufgespannt werden.

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