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Villingen-Schwenningen Letzte Chance für viele Jugendliche

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Lebenspraktische Projekte bringen den Spaß an Schule zurück: Mit Unterstützung des Malermeisters Ralf Haller entstehen Gartenmöbel für den Pausenhof, von der Planung über den Einkauf bis zur Umsetzung sind die jungen Leute eingebunden. Foto: Sieger Foto: Schwarzwälder Bote

Das Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf (VAB) plus der Außenstelle der Gotthilf-Vollert-Schule in Villingen-Schwenningen geht ins dritte Jahr. Dieses Angbot des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung ist für viele Schüler die letzte Chance.

Villingen-Schwenningen/Tuttlingen. Eine Perspektive für Jugendliche schaffen, so könnte man die Zielsetzung des VABplus zusammenfassen. Es ist für berufsschulpflichtige Jugendliche gedacht, die nach der Regelschulzeit an den allgemeinbildenden Schulen und den Förderschulen keine weiterführende Schule besuchen konnten oder wollten und auch nicht den Weg in eine Ausbildung gefunden haben.

Das "plus" und somit das Besondere an dieser, speziell für diese jungen Menschen eingerichteten Klasse ist, dass neben der überschaubaren Klassengröße von höchstens zwölf Schülern und einem besonderen Betreuungsschlüssel durch die Lehrkräfte, noch zusätzlich ein Sozialpädagoge mit im Boot ist, der sich um alle Belange außerhalb des schulischen Angebots kümmert. Dieses besondere Setting schafft eine positive und motivierende Lernumgebung in einer wertschätzenden, familiären Atmosphäre. Die bisherige Bildungshistorie der Jugendlichen war meist geprägt von negativen Schulerfahrungen, zur Gewohnheit gewordenem Schwänzen, Problemen mit Mitschülern oder den Lehrkräften, häufigen Schulwechseln bis hin zu Schulabbrüchen. Einige der jungen Menschen haben vor dem VABplus einfach nichts gemacht. Die Gründe reichen von mangelnden schulischen Voraussetzungen, sozialen- und emotionalen Anpassungsschwierigkeiten über familiäre Probleme bis hin zu psychischen Ursachen.

Ziel des VABplus ist es, die oft schulmüden Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren durch eine klare Tagesstruktur, gemeinsame Mahlzeiten und einem großen Anteil an lebenspraktischem und berufsspezifischem Unterricht wieder den Spaß an Schule zurückzubringen und sie auf diesem Weg auf das Leben und den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Motivierend für die jungen Menschen ist außerdem das praktische Angebot, bei dem die Klasse wahlweise in den praktischen Fächern Hauswirtschaft und Technik unterrichtet wird.

Ein Küchen- und ein Malermeister stehen bereit, um die Schüler in diesen Arbeitsfeldern zu unterrichten. So gab es in diesem Schuljahr schon ein Gartenbank-Projekt, in dem die Technik-Gruppe von der Planung über den Einkauf bis zur praktischen Umsetzung Sitzbänke für den kleinen Pausenhof fertigte. Die Gruppe Hauswirtschaft kocht mehrfach in der Woche ausgewählte Rezepte, lernt zu servieren und schafft somit zugleich ein anspruchsvolles Mittagessen für die ganze Klasse. Reinigung- und Aufräumdienste schaffen eine weitere Identifikation mit der Schule. Grundsätzlich sollte eine positive Einstellung und erkennbare Mitwirkungsbereitschaft vorhanden sein, um die VABplus-Außenstelle Villingen des Tuttlinger Vereins Mutpol erfolgreich beenden zu können und somit einen Übergang auf den Arbeitsmarkt zu erreichen.

Die vergangenen beiden Schuljahre haben gezeigt, dass das Konzept des VABplus gut aufgeht, weil es den individuellen Bedürfnissen und Entwicklungsstände der Jugendlichen entgegenkommt und von ihnen gut angenommen wird. Jeweils weit über die Hälfe der Klasse konnte in den beiden Schuljahren das VABplus mit einem Hauptschulabschluss verlassen und einen erfolgreichen Übergang in die Arbeitswelt oder auf eine weiterführende Schule verzeichnen. Die Schüler konnten in Ausbildungen wie Beton- und Stahlbetonbauer, Zimmermann sowie Maschinen- und Anlagenführer vermittelt werden. Weitere Jugendliche besuchen weiterführende Schulen, um den mittleren Bildungsabschluss zu erreichen. Die jungen Menschen werden auch in diesem Jahr wieder intensiv bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz unterstützt.

Ein Höhepunkt der vergangenen beiden Schuljahre war die Teilnahme am Erasmus+-Programm des Europäischen Sozialfonds (ESF), bei dem die Klassen jeweils ein zweiwöchiges Auslandspraktikum absolvieren konnten. Bei bisher zwei Reisen besuchten die Schüler bereits Spanien und Portugal. Für einige Jugendliche war es das erste Mal, dass sie so lange von zuhause weg waren, mit dem Flugzeug fliegen oder überhaupt einmal im Ausland sein konnten. Die Begeisterung für dieses Angebot war enorm, die Erfahrungen, die die Jugendlichen machen konnten, waren von unschätzbarem Wert. "Wer einmal, und sei es auch nur für zwei Wochen im Ausland gelebt und gearbeitet hat, der hat etwas zu erzählen und kann damit auch sein Selbstbewusstsein aufpolieren", stellt der Sozialpädagoge Matthias Klimpel fest. Zum Bedauern aller musste eine für den Herbst geplante Erasmus-Reise nach Portugal auf Grund der aktuellen Corona-Lage abgesagt werden. Die Schüler haben aber noch die Hoffnung, dass sie das Auslandspraktikum im kommenden Frühjahr nachholen können.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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