Vom Lärm geplagt: Egon Maier (links) zusammen mit Werner Leuth­ner in seinem Garten. Das Messgerät zeigt häufig mehr als 70 Dezibel an. Im Hintergrund die Straße Beim Hohenstein und die B 33. Foto: privat

Hilferuf eines Ehepaars Am Hohenstein. "Der Verkehrslärm an der B 33 ist nervtötend". 

Villingen-Schwenningen - Seit 1975 bewohnt Egon Maier sein Haus im Baugebiet Wanne/Kopsbühl. Ein gepflegter Garten lädt in diesen Wochen dazu ein, die Nachmittage draußen zu verbringen. Es könnte geruhsam sein – ist es aber nicht.

Hinter der Gartenhecke führt die Straße Beim Hohenstein hinauf zum Kopsbühl. Sie gehört zur 30er-Zone des Wohngebiets und verursacht wenig Verkehrslärm. Aber ein paar Meter jenseits des Hohensteins verläuft die B 33. Und der Verkehrslärm dieser viel befahrenen Bundesstraße vergällt den Anwohnern den Aufenthalt im Garten.

Egon Maier hat schon sehr früh die Stadt angesprochen und auf Lärmschutz gedrängt. Er hat die Oberbürgermeister Gerhard Gebauer, Manfred Matusza und Rupert Kubon angesprochen und angeschrieben. Mit dem früheren Baubürgermeister Theo Kühn hat er mehrere Gespräche geführt. Er fand allenfalls Verständnis, aber keine Perspektive, das Problem Lärmschutz anzugehen.

In der Diskussion über die Lärmaktionsplanung in den vergangenen Wochen hatte auch die SPD-Fraktion bemängelt, dass bei der B 33 nur der Abschnitt zwischen Wieselsbergstraße und Vockenhauser Straße in die Untersuchung einbezogen werden sollte. Die SPD hatte gefordert, den Teil der B 33, der mitten durch Wohngebiete führt – also von der Wieselsbergstraße bis zur Gaskugel – in die Lärmuntersuchung aufzunehmen. Deshalb hat Egon Maier die SPD-Fraktion angesprochen und eingeladen, sich vor Ort ein Bild zu machen.

Zusammen mit Werner Leuthner, der in der Lärmliga aktiv ist, besuchte Stadtrat Bernd Schenkel die Familie Maier. Sein Fazit: "Der Verkehrslärm ist nervtötend." Fast immer liege der Geräuschpegel bei 60 und 70 Dezibel. Fährt ein Lastwagen vorbei, schlage das Messgerät regelmäßig auf 70 bis 73 Dezibel aus. "Sie sollten erst mal die Motorräder am Wochenende hören", ergänzte Maier.

Keinen aktiven Lärmschutz

Er kann nicht verstehen, warum die Wohngebiete so unterschiedlich behandelt werden: Strangen bekam zum Nordring einen riesigen Lärmschutzwall; das Wohngebiet Welvert erhielt zur Peterzeller Straße einen Lärmschutzwall. Entlang der deutlich stärker befahrenen B 33 gibt es keinen aktiven Lärmschutz.

Für Stadtrat Bernd Schenkel ist es enttäuschend, dass die Stadt dort, wo sie Einwirkungsmöglichkeiten habe – nämlich bei der Geschwindigkeitsregelung – nicht aktiv geworden sei. Die erhebliche Lärmbelastung sei für die Stadt nie ein Grund gewesen, die Geschwindigkeit von Tempo 100 zu reduzieren. Erst nach zwei tödlichen Unfällen wurde eine wenig überzeugende Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Stundenkilometer eingeführt.

Für Schenkel ist die Sache klar: "Die B 33 war zunächst als Umgehungsstraße konzipiert. Durch zahlreiche neue Wohngebiete entlang dieser Straße wurde sie in den vergangenen Jahrzehnten eine innerörtliche Straße, und auf innerörtlichen Straßen gilt Tempo 50." Alle Anwohner könnten bei einer solchen Lösung aufatmen. Der Lärm wäre reduziert und die Luft wegen des geringeren Kraftstoffverbrauchs spürbar besser.

Werner Leuthner und die Lärmliga fordern schon lange, an kritischen Stellen Lärmschutzwände zu errichten. Kritische Stellen seien vor allem die Wohngebäude entlang der Thüringer Straße, am Wiener Platz und entlang der Straße Beim Hohenstein. Besonderen Lärmschutz verdienten auch die Kindergärten in direkter Nähe der B 33: am Schwalbenhaag und am Kopsbühl.

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