Werden schon sehnsüchtig erwartet: Eine lange Menschenschlange bildet sich vor dem Gebäude, auf dessen Veranda die Freiwilligen Lebensmittel an die arme Bevölkerung verteilen. Foto: Treichel Foto: Schwarzwälder-Bote

Julia Treichel und andere Freiwillige verteilen Lebensmittel / Viele Bolivianerinnen bereits mit 15 Jahren Mutter

Von Julia Treichel

 

u Am vergangenen Wochenende besannen wir uns noch einmal besonders auf den Grund, weshalb wir eigentlich hier sind – ein freiwilliges soziales Jahr – und machten etwas Soziales.

Gemeinsam mit Lourdes, einer Arbeitskollegin meiner Mitfreiwilligen Clara, einem Arzt vom Campo und dessen Fahrer fuhren ich und drei weitere Freiwillige aufs Land, um Lebensmittel an die dortige, größtenteils sehr arme Bevölkerung zu verteilen.

Dazu tigerten Clara, Lourdes und ich bereits am Freitag in Sucre von Fabrik zu Fabrik, um große Mengen Milchtüten, Nudeln, Reis, Zucker, Bananen und Brot einzukaufen. Samstags verpackten wir all diese Produkte (jeweils etwa 100 Kilogramm) in kleine Plastiktüten.

Sonntagmorgen um 7 Uhr ging es endlich los in Richtung Poroma, ein 3000 Einwohner zählendes Dorf etwa 100 Kilometer von Sucre entfernt und in rund einer Stunde zu erreichen. Auf einer asphaltierten Straße schlängelten wir uns auf Staubpisten immer wieder etwa 300 Höhenmeter die Berge hoch und runter und erreichten nach vier Stunden Fahrt schließlich unser Ziel.

Der Arzt, der im dortigen Krankenhaus arbeitet, hatte schon im Voraus die Kunde von unserer Aktion verbreitet und so warteten vor dem Hospital bereits einige Leute, denen wir die mitgebrachten Güter aushändigten. Manche der Anwesenden sahen wirklich schlimm aus, unter anderem wunderten wir uns über dunkelhäutige Kinder mit fast blondem Haar, woraufhin uns Lourdes erklärte, dass dies vom Wassermangel herrühre.

Manche der Frauen waren kaum älter als 15 Jahre, hatten aber bereits ein Kind und waren schon wieder schwanger. Meine Mitfreiwillige Nora berichtete uns von einer Studie, die sie gelesen hatte, nach der 18 Prozent der Bolivianerinnen zwischen 15 und 18 Jahren bereits ein Kind haben oder schwanger sind. Eine Familie mit acht Kindern ist keine Besonderheit. Fehlende Aufklärung und leider oftmals auch Vergewaltigung sind der Grund. Nach deutschen Maßstäben sehr ungewohnt und auch erschreckend.

Insgesamt blieben wir etwa vier Stunden in Poroma und machten uns danach wieder auf den Heimweg, wobei wir einige der Lebensmittel noch aufhoben, um sie unterwegs in wirklich kleinen Dörfern auszuteilen. Dort kamen sie für die Anwohner noch überraschender, weshalb sie sich wirklich darüber freuten. Und das wiederum erfreute uns sehr.

Im Nachhinein hätten wir gerne noch mehr Lebensmittel auf diese Weise verteilt, denn obwohl es viele sicher nötig hatten, gab es in Poroma doch auch einige Leute, die sich ein halbes Kilo Nudeln wohl gut selbst hätten leisten können – wie etwa eine Cholita (eine traditionell gekleidete Bolivianerin), die riesige Goldohrringe trug, sich aber beschwerte, sie hätte nur eine Tüte erhalten. Alles in allem war es aber trotzdem eine sinnvolle Aktion.