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Villingen-Schwenningen Ladendetektiv entdeckt Dieb auf der Straße

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Ein etwa 20-Jähriger nimmt hochpreisige Flacons in die Hand, testet den Duft. (Symbolfoto) Foto: Pleul

Villingen-Schwenningen - Man sieht sich im Leben immer zweimal. Manchmal auch auf kuriose Weise. Wann schon läuft einem Ladendetektiv ein Dieb noch einmal über den Weg, den er beim Klauen erwischte, aber nicht ausbremsen konnte?

Die Geschichte gefällt ihm. Er erzählt sie dem Schwarzwälder Boten gleich ein paar Mal. "Passiert mir nicht so oft". Ihm, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Kein Wunder, bei dem Beruf. Seit Jahren arbeitet Manuel W. (Name von der Redaktion geändert) als Ladendetektiv in verschiedenen Geschäften, darunter auch im Schwarzwald-Baar-Kreis. Tag für Tag schaut er genauer hin, wenn Kunden mit Parfumfläschchen auffällig herumhantieren oder sich einen Tick zu lange bei den Rasierklingen aufhalten und immer wieder ihre Umgebung abchecken. Damit hätte Manuel W. die beiden Artikel genannt, die gerne einfach mal so mitgenommen werden. Und auch bei seiner nicht alltäglichen Geschichte richtet sich der Blick auf die Parfumabteilung.

Hohe Aufklärungsrate

Ein etwa 20-Jähriger nimmt hochpreisige Flacons in die Hand, testet den Duft. In einem scheinbar unbeobachteten Moment steckt er das fast 100 Euro teure Parfum in seine Jackentasche. W. bahnt sich schnell einen Weg durch die vielen anderen Kunden und versucht, den jungen Mann dingfest zu machen. Diesmal ohne Erfolg. Ein paar Tage später fährt er wieder ­Taxi, er ist in den Abendstunden in der Doppelstadt unterwegs. Auf dem Weg zum Bahnhof erweckt ein etwa 20-junger Mann seine Aufmerksamkeit. Es ist der Parfumdieb. Manuel W. verständigt die Polizei, kurze Zeit später sitzt er in einem Streifenwagen und beichtet den Diebstahl. "So etwas passiert auch nicht alle Tage", erzählt Manuel W. Alltag dagegen ist es für den langjährigen Laden­detektiv, dass Leute etwas mitgehen lassen wollen. "Das kommt täglich mehrfach vor." Besonders angespannt sind er und seine Kollegen in der Zeit vor Weihnachten. "Da steigen die Versuche wieder stark an." Manuel W. redet gerne von "Versuchen". Denn in vielen Fällen werden die Diebe ertappt.

Rasierklingen der Renner

Eine Einschätzung, die sich auch in den Statistiken des Polizeipräsidiums in Tuttlingen widerspiegelt. Im Jahr 2018, so Harri Frank von der Pressestelle des Präsidiums, seien im Schwarzwald-Baar-Kreis insgesamt 669 Ladendiebstähle gemeldet worden. Über 90 Prozent, ergänzt er, seien aufgeklärt worden. Auch eine Folge davon, erläutert Frank die hohe Aufklärungsquote, dass viele Geschäfte mittlerweile, zumindest tageweise, Ladendetektive angeheuert haben. Die meistens, wie Mnauel W., mehrere Auftraggeber haben. "Das Entdeckungsrisiko ist sehr groß", so Frank. In den Jahren zuvor hatte die Polizei für das Jahr 2017 insgesamt 810 und für 2018 dann 888 Ladendiebstähle aufgenommen.

Was sind die Klau-Favoriten? Parfum wird gerne unbezahlt in Taschen oder Jacken gesteckt, "weil es sich für gutes Geld schnell verkaufen lässt", erzählt Manuel W. Für Harri Frank sind Rasierklingen "der absolute Renner". Angesichts der Mengen, die da teilweise eingesackt werden, geht er davon aus, dass Banden hinter dem Diebstahl stecken: "So viele Rasierklingen kann kein Mensch brauchen. Die verkaufen das in großem Stil zuhause." Zuhause, das sei dann häufig das osteuropäische Ausland. Und damit wäre Frank beim gewerbsmäßigen Ladendiebstahl angekommen, der im Jahr 2018 einen 40-prozentigen Anstieg hinlegte. Immerhin: Von 669 Diebstählen fielen 137 Fälle unter diese gewerbsmäßige Rubrilk. 74 Prozent der Täter seien aus dem Ausland gekommen. Dies fängt wohl auch mit dem Wohlstands­gefälle zwischen Ost und West zusammen.

Brenzlige Situationen

Was das Täter-Profil des "gewöhnlichen" Ladendiebs anbelangt, kann Frank nichts Genaues sagen: Geklaut werde quer durch alle Schichten und in allen Altersgruppen. Manche haben nicht das Geld, sich beispielsweise einen ­Nobel-Duft zu kaufen, andere seien kleptomanisch veranlagt. Manuel W. kann nur zustimmen. Hat er in seinen Detektiv-Jahren auch schon brenzlige Situationen erlebt? Oh ja, und nicht nur ein paar wenige. "Einer hätte mir fast eine reingehauen", blickt er auf einen besonders aggressiven Mann zurück, ein anderer habe es dafür geschaftt. "Ich könnte über meinen Job ein Buch schreiben."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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