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Villingen-Schwenningen Kritik an Lockerung von Baumschutz wird laut

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Das Wurzelwerk der "Problem-Linde" schädigt massiv eine Hofeinfahrt. Foto: Eich

Villingen-Schwenningen - Die Baumschutzsatzung ist gefallen: Rennen jetzt viele Doppelstädter mit der Motorsäge durch den Garten oder bleibt der Ansturm auf VS-Stämme aus? Zwischen den beiden extremen Positionen gibt es noch eine weitere: Das Erstaunen bei den Besitzern der "Problem-Linde" über den Gemeinderats-Entscheid ist groß.

Unterschiedlicher könnten die Reaktionen nicht sein nach dem Fall der Baumschutzsatzung in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Frank Bonath (FDP) zeigte sich dabei zuversichtlich, dass es nicht zu großen Fällungen im Stadtgebiet komme, sollte das Satzungs-Aus nach der ­Veröffentlichung rechtlich verbindlich sein. Cornelia Kunkis-Becker (Bündnisgrüne) dagegen reagiert auch Tage nach dem Sitzungsabend recht fassungslos auf das Abstimmungsergebnis. Sie fasse es nicht, kommentierte sie den Beschluss, dass in der gleichen Sitzung der Klima-Notstand ausgerufen worden sei "und dann so etwas". Nicht nur die langjährige Stadträtin wundert sich, wie diese beiden Entscheidungen inhaltlich zusammen passen. Wie berichtet, hatte es im Technischen Ausschuss zunächst eine Mehrheit für eine Änderung der Baumschutzsatzung gegeben, dann kam es im Gemeinderat zu einer Kehrtwende: Die Neufassung der Baumschutzsatzung wurde mit 18 Ja-Stimmen gegen zwölf Nein-Stimmen und bei drei Enthaltungen abgelehnt und ist damit abgeschafft.

Info geht nach Colorado

Und auch ein anderer reibt sich verwundert die Augen: Martin Braun, aus Weilersbach, der seit Jahren immer wieder Fällanträge und damit eine Ausnahmegenehmigung von der geltenden Baumschutzsatzung von der Stadt erwirken wollte. Der Grund ist knapp 15 Meter hoch und ist als "Problem-Linde" in die VS-Geschichte eingegangen: Denn das Wurzelwerk des Prachtexemplares von Baum schädigt massiv die Hofeinfahrt von Brauns Nachbarn.

Martin Braun und seine Frau Rosemarie sind gerade in Colorado und damit gut 8000 Kilometer von der Doppelstadt entfernt, als sie die Nachricht von dem Gemeinderats-Entscheid bekommen. Die erste Reaktion des Ehepaares: Große Erleichterung darüber, dass sie die Linde auf ihrem Grundstück endlich fällen lassen können, "selbst wenn es wirklich schwer fällt", geben die beiden zu. Doch angesichts der massiven Schäden und der Kosten für eine Sanierung, die auf die Familie zukäme, "führt leider kein Weg dran vorbei".

In die zweite Reaktion der Weilersbacher Eigentümer schwingt auch etwas Erstaunen über die Ausschließlichkeit der politischen Entscheidung mit. "Vielleicht wäre es besser gewesen, nur die Ortschaften von der Baumschutzsatzung auszuklammern. Jetzt kann ja jeder in seinem Garten machen, was er will", denkt Braun wie die Grüne Stadträtin Kunkis-Becker über mögliche Folgen dieser ­Neuausrichtung nach. "Das ist eben das andere Extrem."

"Teure" Verpflichtung

Ein Blick zurück in das lange Linden-Kapitel: Seit Jahren kämpfen die Brauns um eine Fällgenehmigung. Mit gemischten Gefühlen, denn "der Baum ist wunderschön", betonen sie immer wieder. Warum möchte das Paar dann das Prachtexemplar von Baum nicht mehr auf seinem Grundstück haben? Die beiden zeigen auf Gehweg und Garageneinfahrt des ­Nachbarn, in dessen Nähe der stattliche Laubaum steht: Verwerfungen und deutliche Hubbel sind nicht zu übersehen, für die laut Experten das ausladende Wurzelnetz verantwortlich ist.

Die Stadt erklärt ihr Fäll-Veto mit der städtischen ­Baumschutzsatzung (siehe Info). Der Baum sei unbedingt erhaltungswürdig und schützenswert aufgrund seiner Größe, seines Alters, seines Zustandes und seiner Vitalität. Und selbstverständlich seien Eigentümer generell für den Erhalt und damit auch die Folgekosten von über die ­Satzung geschützten Bäumen zuständig:  "Eigentum ver­pflichtet eben", hieß es seitens der Stadt. "Eine teure Verpflichtung", denkt Braun an die Kosten für Sanierung und Schutzmaßnahmen für die Linde. Doch in die  langwierige  Baumgeschichte kam im Herbst 2018 Bewegung: Die Fraktionen  von CDU und Freien Wählern formulierten einen gemeinsamen Antrag, auf Herausnahme der Dörfer und damit der kleinen VS-Stadtbezirke aus der Satzung. Der Gemeinderat ging einen Schritt weiter und schaffte die Satzung ab. Die Aufhebung der Satzung muss formal noch bekanntgemacht werden.

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