Ein Bericht löste auf der Facebook-Seite eine rege Diskussion über das Klinikum aus. Foto: Montage: Ulm

Bericht auf Facebook löst eine rege Diskussion aus. Patienten äußern Ärger. Klinik schweigt. Mit Kommentar.

Villingen-Schwenningen - Das Beschwerdemanagement scheint am Schwarzwald-Baar-Klinikum unverzichtbar zu sein. Zusätzlich zum Dauer-Zankapfel Parkgebühren und Parkplatznot melden sich jetzt viele mit anderen Ärgernissen, etwa wegen langer Wartezeiten.

Unser Bericht über Wilfried Krüger und seinen Ärger, weil er im Kreisklinikum nackt in einem Untersuchungszimmer 40 Minuten habe ausharren müssen, schlug Wellen: Viele Leser meldeten sich auf der Facebook-Seite des Schwarzwälder Bote Villingen-Schwenningen und schilderten ihre Erlebnisse. Positivbeispiele wie das von Stefan F. sind die Ausnahme. Er sei vor einer Woche mit zwei Brüchen über die Notaufnahme stationär ins Klinikum eingeliefert worden – "war alles bestens und wurde schnellst möglich behandelt".

Andere hingegen schildern Negatives. Alexandra G.: "Meinen Sohn hat man im Wartezimmer vergessen!", Natalie G.: "Ich saß in der etwa 36. Schwangerschaftswoche zur Narkose-Besprechung sechs Stunden im Klinikum", Marina N.: "Ich habe mit meiner Tochter, welche 41 Grad Fieber hatte, über vier Stunden warten müssen (festgestellt wurde nach drei Tagen eine Lungenentzündung)". Rena F. moniert: "Ich musste mal trotz Termin 2,5 Stunden auf eine Untersuchung warten. Als der Arzt kam, schaute er in den Computer und meinte: Ich solle mir im Sekretariat einen Termin geben lassen für die Operation! Und weg war er, ohne Untersuchung. Wozu bestellt man mich in die ambulante Sprechstunde?"

Einzelfälle? Angesichts der 25 Abteilungen des Großklinikums mit 1065 Betten und 180 000 Patienten stationär und ambulant jährlich fällt eine repräsentative Aussage schwer. Bemerkenswert ist die Vehemenz der Kläger. Bearbeitet werden solche Fälle in der "Stabsabteilung" Qualitätsmanagement. Nachgefragt, wie das funktioniert und wie viele Beschwerden dort auflaufen, erhielten wir von Sprecherin Sandra Adams eine ernüchternde Antwort: "Es ist völlig unüblich und auch nicht zielführend, Details aus dem Beschwerdemanagement in der Presse zu publizieren." Zumal Schweigepflicht und Datenschutz einer fairen Falldarstellung im Weg stünden. Patienten sollten sich an die Patientenfürsprecher oder das Beschwerdemanagement wenden. "Den Rückmeldungen wird nachgegangen."

Manche Probleme können auch sie nicht lösen, ein solches vermutet Wolfhard Honka in einer E-Mail als Wurzel des Übels: ein "Gesundheitssystem, das selbst krankt". Er sei nach einem Bandscheibenvorfall in Bad Dürrheim von zwei Arztpraxen abgewiesen und an die Notaufnahme im Klinikum verwiesen worden – für ihn "unterlassene Hilfeleistung" zu Lasten der "ständig überfüllten" Notaufnahme, wo er aber sehr gut behandelt worden sei. "Übrigens mit geringeren Wartezeiten als oft am Skilift, im Verkehrsstau (...) oder vor dem Parkhaus eines nicht funktionierenden Kassenautomaten. Mit dem Unterschied, dass hier Anstehen zum guten Ton gehört." 

Kommentar: Schonfrist vorbei

Cornelia Spitz

Da ist der Wurm drin. Mit dem Parkgebühren-Wucher und der Parkplatznot fing es an, jetzt regen sich immer mehr Patienten am Klinikum über zu lange Wartezeiten auf. Zwar steckt es nach noch nicht einmal einem Jahr am neuen Standort zweifellos noch immer in den Kinderschuhen, die Zeit des Welpenschutzes aber ist trotzdem vorbei. Die Bürger erwarten von ihrem Krankenhaus völlig zu Recht, dass es dort rund läuft und man sich der auftretenden Probleme annimmt.

Mit der Hektik des Neubeginns oder dem Umzug geschuldeten Unwägbarkeiten kann man sich nun nicht mehr herausreden, weder mit Blick auf noch offene Baustellen oder -mängel, noch was Organisatorisches anbelangt. Die Klinikleitung ist gut beraten, geäußerte Kritik ernst zu nehmen. Sonst wird die Klinik womöglich selbst einmal zum Patienten. 

Info: Die Diskussion

Zu lesen auf der Facebook-Seite des Schwarzwälder Boten Villingen-Schwenningen.

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