Die S-Bahn-Züge fahren nur in der Theorie so wie sie sollen. Foto: NVBW/Alstom

Neues Konzept soll Stabilität in Zugverkehr bringen. Umsteigefreie Verbindung bleibt Ziel.

Villingen-Schwenningen - Ohne umzusteigen von Villingen-Schwenningen nach Freiburg. Das hat die neue Breisgau-S-Bahn versprochen - aber nicht gehalten. Grund genug für ein Treffen, bei dem man neue Lösungen präsentiert hat.

Verkehrswende geht anders: Vom fehlenden Fahrkartenautomaten am Bahnsteig über Zugausfälle und Verspätungen bis hin zu mangelnden Infos für die wartenden Fahrgäste hat die neue Breisgau-S-Bahn zwischen Kaiserstuhl und Baar seit Mitte Dezember einen krachenden Fehlstart hingelegt. Nun schalten die Verantwortlichen mehrere Gänge zurück: Mit einem, wie die Bahn es nennt, "veränderten" Betriebskonzept soll der Zugverkehr auf der Ost-West-Achse stabilisiert werden. Bis wann das ursprüngliche Konzept mit seinen umsteigefreien, bequemen und vor allem engen Taktungen greift, ist derzeit völlig offen.

Als das Land im Herbst 2016 die neuen gelb-weißen Züge für die Neukonzeption der Breisgau-S-Bahn vorstellte, waren die Pläne noch groß: Ein durchgehender Halbstundentakt zwischen Breisach, Endingen und Titisee-Neustadt sowie eine Verbindung ohne Umsteigen von Villingen-Schwenningen nach Freiburg, und alles obendrein in Zügen, die mehr Platz bieten für Fahrräder und Fahrgäste und mehr Komfort.

Fahrgast schildert seine Odyssee einer Fahrt von Freiburg

Die Züge sind da. Aber nicht die angestrebten Verbindungen. Seit der Fahrplanumstellung Mitte Dezember 2019 hat sich gezeigt, dass das Konzept für die Breisgau-S-Bahn zwar auf dem Papier hübsch aussieht, an der Realität aber gnadenlos scheitert. Zu häufig müssen beispielsweise Züge umgekoppelt werden. Wenn dabei irgendwo irgendwas hakt, hat dies umgehend Auswirkungen auf die folgenden Fahrzeuge auf den in großen Teilen eingleisigen Strecken und Verspätungen und Zugausfälle machen einen stabilen, pünktlichen Zugverkehr unmöglich.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis rund um das Oberzentrum Villingen-Schwenningen war die Hoffnung auf die neue Breisgau-S-Bahn riesig: In einem Rutsch umsteigefrei von Villingen-Schwenningen nach Freiburg, das sollte ein Quantensprung für den ÖPNV hier werden. Doch es kam eben alles etwas anders.

Unterwegs von der Breisgau-Hauptstadt Freiburg nach Villingen-Schwenningen war in Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) plötzlich Endstation. Fahrgast Peter Thiele aus Villingen-Schwenningen war das beispielsweise so ergangen. Im Gespräch mit unserer Zeitung schilderte er seine Odyssee einer Bahnfahrt von Freiburg in seinen Wohnort am 3. Januar.

In der Baarstadt Donaueschingen hieß es plötzlich: "Hier endet dieser Zug." Umsteigen auf die Schwarzwaldbahn war angesagt. Und das Ehepaar Thiele mutmaßte: "Die kappen diese Züge in Donaueschingen und hängen Villingen ganz ab." Ist der Traum von der schnellen Verbindung von und nach Freiburg bereits ausgeträumt?

Konzept funktioniert "in seiner Komplexität" nicht richtig

Nun also die Notbremsung: Unter dem Motto "Stabilität vor Vollständigkeit" haben am Freitag die DB Regio, das Verkehrsministerium und der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) ein abgespecktes Betriebskonzept aus dem Hut gezaubert, mit dem sie Stabilität in den Zugverkehr bringen wollen. Eigentlich habe man ja vorab alles richtig gemacht, sagt DB Regio Regionalleiter David Weltzien: das Zugmaterial besorgt, die Lokführer geschult und überhaupt mit langer Vorlaufzeit intensiv geplant.

Nur funktioniere eben das Konzept "in seiner Komplexität" nicht richtig. Und das wolle man den Fahrgästen nicht zumuten. Zumindest ab Mitte Februar, denn erst dann sollen die Entzerrungen nach einer Phase notwendiger Umplanungen kommen, indem man zumindest vorerst die sogenannte Flügelung im Bahnhof Gottenheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) streicht, mit der aus Freiburg kommende und nach Freiburg fahrende Züge geteilt und wieder zusammengefügt werden sollten. "Wir hängen den Kaiserstuhl etwas ab", sagt Weltzien.

Zumindest "teilweise selbst verschuldet" und "der Unerfahrenheit unserer Lokführer geschuldet" sei, dass das "zumindest theoretisch sehr charmante Konzept" nicht stabil umsetzbar sei, meint Weltzien. Statt durchfahren wieder umsteigen wird es künftig zudem beispielsweise zwischen Baar und Freiburg heißen.

Maßgabe sei aber, dass die Breisgau-S-Bahn nach dem "extrem holprigen" Start Mitte Dezember sich mittelfristig wieder dahin bewege, ihre ambitionierten Pläne auch umsetzen zu können, sagt ZRF-Geschäftsführer Uwe Schade. Tatsächlich erhalte man ja wichtige Elemente der ursprünglichen Streckenkonzepte aufrecht – "nur eben mit Umsteigungen".

Umsteigefrei nach Freiburg bleibt das Ziel

Die neu eingeführte Breisgau-S-Bahn läuft noch lange nicht rund. Züge, die wegen Gegenverkehrs immer wieder zwischendurch anhalten müssen oder auf der eigentlich umsteigefrei geplanten Fahrt von Freiburg nach Villingen plötzlich in Donaueschingen stranden, sowie Verspätungen sind an der Tagesordnung.

Der Ärger unter den Bahnkunden ist groß. Die DB Regio, der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg und das Verkehrsministerium Baden-Württemberg haben sich nun auf ein Stabilitätskonzept verständigt, um die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs wieder herzustellen, wie es heißt. Dieses veränderte und übergangsweise notwendige Fahrplankonzept bringt vor allem auf den Strecken im Bereich Gottenheim und Endingen Veränderungen. Doch was bedeutet das konkret für den Schwarzwald-Baar-Kreis? Ist der Traum von der umsteigefreien und schnelle Verbindung nach Freiburg ausgeträumt?

Umsteigefreie Verbindung bleibt beibehalten

Fahrgäste, die das befürchten, werden von David Weltzien, dem Vorsitzenden der Regionalleitung bei DB Regio Baden-Württemberg, beruhigt: Die umsteigefreie Verbindung von Villingen nach Freiburg und zurück sei nicht nur weiterhin ein Ziel, sondern solle auch während des veränderten Fahrplankonzeptes, das übergangsweise ab dem 17. Februar umgesetzt werden soll, beibehalten werden.

Damit konfrontiert, dass die S-Bahn-Fahrt von Freiburg nach Villingen unlängst auch schon einmal mit Endstation Donaueschingen geendet hat, sprach Weltzien von einer Notmaßnahme, die ergriffen worden sei, um Unregelmäßigkeiten in anderen Streckenbereichen auszugleichen. Den Zug vorzeitig in Donaueschingen wenden und die Rückfahrt früher antreten zu lassen, sei "das einzige Mittel" gewesen, um "einen noch schwereren Ausfall zu vermeiden" und überhaupt wieder die vorgegebene Taktung zu finden, stellte Weltzien klar.

Gewährleistet werden soll für Bahnkunden der Region auch nach dem 17. Februar und darüber hinaus eine stündliche Verbindung von Villingen über Neustadt nach Freiburg. Auch ein 30-Minuten-Takt durch Einrichten eines Pendelverkehrs zwischen Titisee und Neustadt in Ergänzung zu dieser stündlichen Angebotslinie soll sichergestellt sein. Gewinnen Bahnfahrer aufgrund der chaotischen Situation den Eindruck, die Breisgau-S-Bahn sei eine Fehlplanung, sehen die Beteiligten bereits erste Erfolge: Nach dem holperigen Start habe sich die Situation "schon leicht stabilisiert", so Weltzien.

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