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Villingen-Schwenningen Konsequentes Hausverbot für Krawall-Gäste

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Auch wenn es vor der Kneipe Ärger gibt: Die Wirte sehen sich gegenseitig in der Pflicht. (Symbolfoto) Foto: dusanpetkovic1 – stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Gerade eben noch hat er seinen dritten Gin Tonic ausgetrunken, jetzt steht er unten vor dem Lokal und macht gehörig Stress. Doch was vor der Lokal-Türe passiert, das geht mich als Wirt nichts an? Das sieht nicht nur Veysi Sahin (Glunkenhaus-Café) aber ganz anders. Stress-Gäste sollten rigoros Hausverbot bekommen.

Bevor Sahin sich mit dem Thema Problem-Gäste beschäftigt, muss er beim Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten zunächst seinen Kropf leeren: Mit der bei der Stadt beantragten Sonnenterrasse wird's nix. Neun Wochen, erzählt er, habe er auf einen Bescheid warten müssen. Leider negativ: Ein kleiner Teil der Anwohner hatte etwas dagegen, dass er die ehemalige Hacienda-Terrasse nutzte. "Schade, denn die Möglichkeit einer Außenbewirtschaftung, das hätte uns gerade nach dem Lockdown wirklich gut getan."

Jede Menge Frust

Dann steht noch ein saftiges Bußgeld an die Stadt aus, wegen eines "offenen Fensters, allerdings nach Betriebsschluss", fügt er hinzu. Während in der Nähe eine wüste Schlägerei im Gange gewesen sei, habe er einen Rüffel bekommen, weil eines seiner Café-Fenster offen gewesen war. Die Anhörung bei der Stadt sei jedoch noch nicht abgeschlossen.

"Im Moment ist alles etwas frustrierend", meint Veysi Sahin und seufzt. Schnell kommt Sahin jedoch zu dem Thema, das ihn derzeit besonders umtreibt. An die acht Jahre, erzählt er, sei es gegangen, bis er Ruhe in seinem Glunkenhaus-Café in der Färberstraße hatte. "Seither habe ich die Gäste, die ich immer wollte." Gäste, die lieber einen Long Island-Cocktail bestellen als Randale anzuzetteln.

"Die richtigen Gäste anziehen"

Sahin hat, gibt er zu, auch andere Zeiten erlebt, Stress mit Gästen und Stress mit dem Bürgeramt, "weil es wirklich zu laut war". Seit Jahren achtet der 31-Jährige nicht nur darauf, dass Fenster zur Nachtzeit geschlossen sind. "Die richtigen Gäste anzuziehen, draußen wie drinnen, auch das ist der Job der Wirte."

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Seit über zehn Jahren betreibt er das Glunkenhaus-Café am Ausgang der Färberstraße. Wichtig ist ihm herauszustellen, dass es eben auch gesittet laufen könne, spielt er auf die Diskussions-Dauerschleife um einzelne Bars an, die "sehr viel Unruhe in die Färberstraße gebracht haben". Und, ergänzt Michael Steiger, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Kreisgebiet, die gesamte Kneipenmeile seit Jahren in Misskredit bringen und deren Image schädigen, obwohl die meisten Wirte einen super Job machen.

"Ich bin als Betreiber verantwortlich"

Sahin blickt von seinem Café herunter auf die Färberstraße. "Auch wenn sie draußen vor meinem Lokal sind, sind es immer noch meine Gäste." Das heißt, auch dann müssten Wirte, findet er, notfalls Verantwortung übernehmen, "wenn welche Stress machen". Wie geht er mit solchen Problem-Gästen um? "Runter gehen, versuchen zu schlichten, ansonsten die Polizei rufen. Ich bin als Betreiber verantwortlich für das, was vor meiner Türe passiert." Wer sich nicht benehmen könne, bekomme Hausverbot, aktuell dürfen 120 Leute bei ihm nicht ins Café.

Domenico Wittkopf (Ott) sieht es ähnlich. "Leute, die auf Stress machen, die kommen bei mir erst gar nicht rein." Und auch vor seiner Gaststätte sieht er sich in der Pflicht. "Wenn jeder das so machen würde, hätten wir diese Gäste aus der Straße", plädiert auch er für ein konsequentes Hausverbot. "Doch leider sehen das nicht alle so", ärgert er sich.

Für Jan Christoph Uhl (Ostbahnhof) gehört es zum Gastro-Alltag, auf seine Gäste zu achten, wenn diese das Lokal längst verlassen haben. "Wenn die alkoholisiert durch die Straßen ziehen und ramba zamba machen", frage die Polizei immer nach, woher diese gekommen seien. "Meine Sicherheitskräfte sind dahingehend geschult und wirken auch außerhalb der Gaststätte auf Leute ein", selbst wenn sie nicht zu Uhls Gästen gehörten.

Regelmäßig Ärger

Im Grundsatz eine gute Idee, kommentiert Michael Steiger. "Leute, die Krawall machen, sollten Lokalverbot bekommen, aber dann sollten sich auch alle daran halten. Doch das ist eben ein Problem", reiht er sich in den Chor der kritischen Stimmen ein. Wenn es darum geht, den etwas ramponierten Ruf der Kneipenmeile wiederherzustellen, sollte sich die Stadt bestimmte Barbetreiber vornehmen und über deren Anteil an Krawall-Gästen sprechen? "Einen Versuch wäre es schon wert", meinen mehrere Gastronomen, denn es gebe vor manchen Lokalen regelmäßig Ärger.

Hausverbote durch die Wirte sind das eine. Was kann die Polizei machen, wenn Gäste pöbeln oder schlägern? "Dann kann es einen Platzverweis geben", klärt Kluge auf. Doch dieser gelte nur solange, bis die Störung beseitigt sei, sprich der (meistens) Alkoholisierte in einer Ausnüchterungszelle liege. Doch am nächsten Tag könnte dieser dann theoretisch schon wieder in der Färberstraße auftauchen? " Rein theoretisch ja", so der Pressesprecher. "Da sind uns die Hände gebunden", selbst wenn Personen immer wieder negativ auffallen.

Ein juristisches Nachspiel könnte einer der vielen Vorfälle aber dann haben, wenn es im Rahmen einer Schlägerei oder Auseinandersetzung zu einer Körperverletzung und einer Anzeige komme. Würde der Täter dann einfahren, schlussfolgert Kluge trocken, dann wäre der auch mal eine Weile weg von der Straße.

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