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Villingen-Schwenningen Klimawandel killt gute alte Fichte

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Für den ersten Versuchsforst in VS werden im Klosterwald rund 300 Fichten gefällt. Forstamtsleiter Tobias Kühn und seine Auszubildende Ricarda Feist verfolgen die Aktion. Foto: Huber

Villingen-Schwenningen - War es das jetzt mit der guten alten Fichte? Ist der Klimawandel schuld daran, dass sich in VS türkische Tanne und Atlaszeder breitmachen? Mehr dazu unserem (Schwabo plus)-Artikel.

Völlig wird der bislang dominierende Nadelbaum zwar nicht verschwinden, doch in Zeiten des Klimawandels geht es mit ihm bergab. Welche Bäume trotzen künftig extremen Wetterlagen? Dies soll der erste Versuchsforst in VS zeigen.  

Die großmäulige Greifzange packt sich den nächsten Stamm, ein paar Sekunden später fällt er mit einem großen Rumms auf den bereits mit vielen Ästen und Zweigen übersäten Boden. Wenn die starken Sturmböen Andreas Peter von der gleichnamigen Firma keinen Strich durch die Rechnung machen, dann hat er bis zum Mittwoch seinen Auftrag beendet und rund 300 Fichten zu Fall gebracht. "Ist heute ganz schön heftig", meint Peter und springt aus seinem Harvester heraus, der bereits seit Stunden auf dem ein Hektar großen Areal am Klosterwald das Gelände bearbeitet und für eine besondere Aktion vorbereitet. Im Frühling, erläutert Tobias Kühn, Leiter des städtischen Forstamtes, werde dann gepflanzt: Rund 3000 Bäume sollen dort auf dem ersten Versuchsforst der Doppelstadt entstehen, mit Unterstützung durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg. Im Osten des Oberzentrums werden damit im März oder April auf 10.000 Quadratmetern Bäumchen gesetzt, deren Namen im Schwarzwald nicht allzu geläufig sein dürften, mit Ausnahme der Douglasie vielleicht, die zu einem Drittel den Baumnachwuchs auf der Versuchsfläche darstellt. Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Baum teilt sich die Fläche mit Atlaszedern und türkischen Tannen, auch Bornmüllertanne genannt. Baumarten also, die aus dem Mittelmeeraum und damit Standorten stammen, die wetterfester sind als Fichten und besser mit Dürreperioden und Hitze zurechtkommen und zugleich so frosthart sind wie die altbekannte Fichte.

Die Idee zum ersten Versuchsforst entstand bereits im Sommer, das Okay aus der Freiburger Behörde erhielten Tobias Kühn und sein Stellvertreter, Roland Brauner, im Spätherbst. Doch bis seriöse Aussagen dahingehend getroffen werden können, ob die Exoten aus dem Mittelmeerraum auf den diversen Schwarzwald-Böden bessere Überlebenschancen haben, dafür braucht es einen sehr langen Atem. Eher unwahrscheinlich, dass Tobias Kühn selbst ein schlüssiges Exposé noch in seiner Amtszeit ausarbeiten kann. "Meine Zeit hier endet in 14 Jahren", ergänzt Kühn. Wahrscheinlicher, dass seine junge Auszubildende, Ricarda Feist, eine Försterin in Ausbildung, sich dazu äußern kann. "Das dauert", erläutert Kühn, "bis wir wissen, wie die Anwuchsdynamik des Arten-Trios aussieht und wie sich die Jungpflanzen entwickeln. Wir müssen jetzt einfach schauen, wie die Bäume mit den Standorten und den klimatischen Bedingungen bei uns zurechtkommen. Damit stehen belastbare Daten zur Verfügung, die uns bei der zukünftigen Baumartenwahl wichtige Informationen geben."

Buchen im Kommen

Neben dem Gelände am Klosterwald hatten sich Kühn und Brauner noch eine Alternative ausgeguckt, im Neuhäuslewald. Doch die Freiburger Behörde winkte ab, das Gebiet nahe des Schilterhäusles mit dem Muschelkalk-Boden empfanden sie für ihr Forschungsprojekt als relevanter.

Wieso haben, aufgrund anderer und vergleichbarer Standort-Erfahrungen Douglasie, türkische Tanne und Atlaszeder künftig bessere Karten als die lange Zeit so verbreitete Fichte? Einst lag ihr Anteil bei 70 Prozent, mittlerweile sind es 60 Prozent. Und Tobias Kühn rechnt damit, dass in den kommenden Jahrzehnten nicht mal jeder zweite Baum im Forst noch eine Fichte sein werde, wenn sich das "Klima dermaßen massiv wandelt". Warum hat die Fichte ein solches Problem mit den sich verändernden Bedingungen? Dem Flachwurzler gehe, so Kühn, gerade zu Dürreperioden, schnell das Wasser aus. Mit gravierenden Folgen: Zu wenig Wasserdruck sorge für unzureichende Harzbildung. Die Abwehrkräfte des Baumes sinken und damit biete er ein gefundenes Fressen für gierige Borkenkäferarten. Ähnlich zurückgehen wird auch der Kiefern-Bestand, derzeit noch bei rund 13 Prozent; keine fünf Prozent werden es in Zukunft sein. Ein anderer Trend zeichnet sich bei der Weißtanne ab, deren Anteil dürfte in Zukunft von derzeit 16 Prozent auf rund 30 Prozent klettern.

Kommende Generationen werden nicht nur einen Verfall der Fichten-Bestände erleben, im VS-Forst werden auch deutlich mehr Laubbäume emporwachsen, Ahorn und Buche. Ihr Anteil werde sich, so die Prognosen, von zehn auf 20 Prozent verdoppeln. Mit einer Mischung aus Nadel- und Laubwald wird auch der VS-Forst wieder zu dem, was der Schwarzwald einst war: eher ein Mischwald.

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