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Villingen-Schwenningen Klimanotstand eine Luftnummer?

Von
Foto: candy1812 – adobe.stock.com

Villingen-Schwenningen hat den Klimanotstand ausgerufen. Und jetzt? Bleibt es bei wohlfeilen Worten oder könnte in punkto Nachhaltigkeit einiges laufen? Mehr in unserem (Schwabo plus)-Artikel.

Villingen-Schwenningen - Die einen schütteln den Kopf, andere reagieren euphorisch: Doch was bleibt von der Klimanotstands-Resolution, die VS ausgerufen hat: Macht sie als Luftnummer Stadtgeschichte oder ändert sich wirklich etwas? Wie könnte ein nachhaltiger Wandel aussehen, auf privater wie kommunaler Ebene? Der Schwarzwälder Bote lässt die Kristallkugel kreisen.

Was haben Karlsruhe, Konstanz und die Große Kreisstadt Villingen-Schwenningen gemeinsam? Die drei Baden-Württemberg-Städte gehören zu jenen Kommunen, die den Klimanotstand ausgerufen haben. Denkbar knapp fiel die Abstimmung im Oktober 2019 zwar in der Gemeinderatssitzung aus. Bei 19 Ja-Stimmen und 18 Gegenstimmen erklärte das Gremium auf Inititiative der Bündnisgrünen und der SPD den Klimanotstand.

Blick auf die Mobilität

Doch der Entschluss steht. Und damit reiht sich VS in die Liste jener Städte ein, die bundesweit 2019 eine entsprechende Resolution verabschiedet haben. Den Anfang machte Anfang Mai 2019 die Bodensee-Stadt Konstanz, Bayerns Landeshauptstadt München stieg als bislang letzte bundesdeutsche Kommune auf den Klimaschutz-Zug. Erklärtes Ziel ist es, künftige Entscheidungen in den politischen Gremien auf die Auswirkungen auf das Klima hin zu überprüfen. Der Blick in die Klimanotstands-Resolution zeigt, in welche Richtung die Stadt nun gehen soll: Der Gemeinderat "bevorzugt Lösungen, die sich positiv auf Klima-, Umwelt-und Artenschutz auswirken". Für alle Beschlussvorlagen in den Gremien soll das Kästchen "Auswirkungen auf den Klimaschutz" mit den Auswahlmöglichkeiten Ja, positiv, Ja, negativ und Nein versehen werden. Zudem soll die Verwaltung jährlich Gemeinderat und Öffentlichkeit über Fortschritt und Schwierigkeiten bei der Reduktion der Emissionen informieren.

Blumen statt Stoppelrasen

Den Klimaschutz ernst zu nehmen, bedeute aber auch das Forcieren von klimaneutralen Baustoffen und einer nachhaltigen Energieversorgung in Neubauten und eines Mobilitätsmanagements für die Gesamtstadt. Zudem sollten Projekte entwickelt werden, die dem Klimaschutz dienen. Klare Ansage auch an Oberbürgermeister Jürgen Roth: Personelle und administrative Ressourcen seien so zu organisieren, dass die Verwaltung dem Klimaschutz "die ihm gebührende Aufmerksamkeit" schenken könne. Wie könnte Klimaschutz in VS in den kommenden Jahren generell aussehen, um folgenden Generationen gerecht zu werden? Mehr Photovoltaikanlagen auf den Dächern und vor allem auf den Dachflächen der Stadt? Blumenwiesen statt nur Stoppelrasen oder Gärten des Grauens, ein erstes Tiny House-Projekt wie beispielsweise in Bremen, Verzicht auf Mini-Portionspackungen in den Cafés und der Gastronomie, regionale Produkte in Mensen und Kantinen? Ein sorgfältiges Abwägen bei der Ausweisung von neuen Baugebieten? Wir werden über die verschiedenen möglichen Facetten der Nachhaltigkeit berichten.

Kopfloses Reagieren

Was denken Bürger aus VS über die Resolution? Landwirte sehen die Richtungsweisung mit gemischten Gefühlen: Deutschland übernehme oft eine Vorreiterrolle, so eine Bäuerin, die mit Verschärfungen einhergehe. Für viele Erzeuger bedeute dies, dass sie mit der Billig-Konkurrenz aus dem Ausland nicht mithalten können. "Fast jeder verlangt Bio, doch im Einkaufswagen landet dann doch wieder das billigere Produkt aus dem Ausland." Eine andere Villingerin unterstützt den Entschluss: "Ich bin überzeugter Up- und Recycler und finde, dass man im Kleinen viel tun kann." Ein älterer Doppelstädter meint: "Wir benötigen ein weltweit abgestimmtes Konzept, um dem Klimawandel zu begegnen. Aber auch national sei es derzeit schwierig, einen Konsens zu finden. "So gehört meines Erachtens ebenso ein fundiertes Konzept zur Mobilität dazu. Derzeit reagieren wir kopflos." Einerseits werde alternative Energieerzeugung propagiert, andererseits gebe es erhebliche Widerstände bei der lokalen Umsetzung vor Ort, wie derzeit in VS bei Solaranlagen oder Windkraft Rädern. "Notstandsregelungen sind eher Worthülsen, die uns nicht wirklich weiterführen."

Ein Geschäftsmann aus VS kommentiert: Der Klimaschutz werde in der Politik, sowie in der zusammengehörigen Wirtschaft, genutzt um Entscheidungen rechtfertigen zu können. "Ich denke nicht, dass wir das Klima überhaupt beeinflussen können. Wir sollten uns darauf konzentrieren unseren Planeten nicht mit Müll zu überhäufen und der Natur mehr Freiraum lassen." Skepsis liegt auch in einer weiteren Antwort: Vielen Ländern sei der Klimaschutz egal. Zweifel hegt sie auch daran, dass "sich klimaschützerische Vorgaben bei uns in der Stadt so leicht umsetzen lassen". Eine eher kritische Sicht auf die Resolution hat ein weiterer Doppelstädter: "Das Thema war im Sommer 2019 trendy. Man wollte als Oberzentrum in nichts nachstehen."

Lippenbekenntnisse

Doch die Realität sehe anders aus: gefallene Baumschutzsatzung, Barrieren gegen den weiteren Ausbau von Solarenergie, Aufhebung des Holzfeuerungsverbotes, Bauprojekte, die in Holzbauweise geplant waren, seien nicht verwirklicht worden. "Zur Zeit sehe ich außer den Lippenbekenntnissen nichts." Bei vielen jungen Menschen dagegen herrscht die Meinung vor: "Hauptsache, es tut sich überhaupt mal etwas."

Welche Auswirkungen könnte die Klimanotstands-Resolution haben? Ein "weiter so" gibt es für Oberbürgermeister Jürgen Roth sicher nicht. Zwar sieht er keine Notwendigkeit für eine Klimanotstandsresolution, nicht zuletzt stößt er sich an dem Wort Notstand: "Wir haben keinen Notstand, aber wir haben weltweit ein richtiges Problem!" Und so ist für ihn kein Thema: VS steht vor Veränderungen, dies wurde auch seiner Ansprache zum Jahresauftakt deutlich. Tatsache sei, "dass wir uns mit der Klimaveränderung auseinandersetzen". Die Stadtverwaltung gehe konkret neue Wege. "Wir werden im Rahmen des European Energy Awards strukturiert und engagiert den Blick in die Gebäudeinfrastruktur richten und diese Maßnahmen umsetzen. Dazu kommen Ideen im Bezug auf neue Baugebiete." Darüber hinaus solle der Nahverkehr attraktiver gemacht werden, "damit das Auto daheimbleiben kann". Carsharing-Modelle, auch in den Ortschaften, spielen zudem eine Rolle. Nahwärmenetze mit regenerativen Energieträgern oder Bauen mit Holz sind für ihn weitere Zukunftsaspekte.

Macht das alles komplizierter und vielleicht auch teurer? "Ja, das kann sein. Es deshalb nicht zu machen, kommt für mich aber auch nicht in Frage", beantwortet Roth seine rhetorische Frage. Somit werde man eine spannende Diskussion führen müssen, was "wir wo wie angehen" und damit die Frage stellen. "Was tragen wir noch zum Klimaschutz bei?"

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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