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Villingen-Schwenningen Klima-Rebellen erreichen Oberzentrum

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Jonathan Kühner, Saraya Duden, Simeon Kühner und Frank Duden (von links) sind Mitglieder der im Oktober neu gegründeten Ortsgruppe der Klimabewegung "Extinction Rebellion". Foto: Heinig

Villingen-Schwenningen - Sie planen den Aufstand gegen das Aussterben: "Extinction Rebellion", die neue und radikale Klimabewegung aus England, hat das Oberzentrum erreicht. Was die Ortsgruppe vorhat und wie es weitergeht, lesen Sie in unserem (Schwabo plus)-Artikel.

Seit Oktober gibt es die Ortsgruppe VS, die sich aktuell damit beschäftigt, dem Unternehmen Siemens ein Päckchen zu packen und in den nächsten Tagen zuzusenden. Die bundesweit mit inzwischen gut 100 Ortsgruppen verbreitete Umweltschutzbewegung "rebelliert gegen das Aussterben" – daher der Name – und meint damit bei weitem nicht nur die Tiere, sondern auch den Menschen.

"Wir befürchten wirklich, dass es für die Zivilisation bald eng wird", sagt Mitbegründer Frank Duden aus Ippingen, der sich gemeinsam mit seiner Frau Saraya und dem Villinger Abiturienten Dominik Drengner Villingen-Schwenningen als Zentrum der neuen Ortsgruppe von "Extinction Rebellion" (XR) ausgesucht hat.

Aktivisten treffen sich im Jugendzentrum

Mit drei Aktionen hat man schon auf sich aufmerksam gemacht und sich vorgenommen, zukünftig monatlich von sich hören und sehen zu lassen. Rund ein Dutzend Aktivisten, die meisten davon im Alter der Brüder Jonathan (14) und Simeon Kühner (17), trifft sich im Villinger Jugendzentrum "K3" einmal im Monat, um neue Aktivitäten zu besprechen und vorzubereiten. Vor der Gemeinderatssitzung im Oktober, als der Klimanotstand auf der Tagesordnung stand, waren es XR-Aktivisten, die auf Eisblöcken stehend den Hals in der Schlinge eines Galgens trugen.

Im November machte XR im Schwenninger City Rondell in Tierkostümen drastisch auf bereits ausgestorbene Arten aufmerksam.

Und zuletzt, am 23. Dezember, suchten die Klimaschützer in mit Plastikmüll beklebten Anzügen in der Villinger Innenstadt das Gespräch mit den Passanten.

Mehr als nur harmlose Demonstrationen

Die Idee, den "Aufstand gegen das Aussterben" nicht länger nur mit zwar Aufsehen erregenden, aber eher harmlosen Demonstrationen wie bei "Fridays for Future" zu gestalten, fiel bei der kritisch denkenden Saraya Duden auf fruchtbaren Boden. In dem Gymnasiasten Dominik Drengner fand die 57-Jährige, die sich für "FFF" schon zu alt fühlt, einen engagierten Mitstreiter und der Grundstein für eine eigene Ortsgruppe war schnell gelegt. Effizient, modern und schnell kommuniziert man über das Internet und die sozialen Netzwerke. Ziel der Gruppe ist es, mit gewaltfreien Mitteln des zivilen Ungehorsams Maßnahmen der Regierung gegen das Massenaussterben von Tieren und Pflanzen als Folge der Klimakrise und der Vernichtung von Lebensraum zu erzwingen.

"XR" geht aber noch einen Schritt weiter. Da nach ihrer Auffassung auch der Mensch in Gefahr ist und die Demokratie zu sehr Marionette des Kapitalismus sei, wie zuletzt beim Dieselskandal gesehen, diskutiere man intern Alternativen, erklärt Frank Duden. Neben einer demokratischen Wahl denke man daran, zusätzlich auch zufällig ausgewählte Bürger mitbestimmen zu lassen, quasi eine Bürgerversammlung zu bilden. Für den 58-Jährigen, der schon in den 80er-Jahren bei Anti-Atomkraftdemos mittat, Mitglied von etlichen Friedensbewegungen war und ist und beim Protest auf dem G7-Gipfel in Elmau sogar federführend war, ein durchaus denkbarer Ansatz. Etwas neidisch werden die Demo erfahrenen Dudens, die sich beruflich mit der energetischen Sanierung von Häusern befassen, wenn sie sehen, "dass den Jugendlichen heute viel mehr Leute zuhören als uns damals". Für Jonathan Kühner, gerade frisch in den Jugendgemeinderat gewählt, ist es deshalb nur logisch, sich einzubringen, denn "das betrifft vor allem uns Junge".

Er lebt vegan, setzt aber auf moderne Technik, wenn es darum geht, Schadstoffausstoß zu verringern. Sein Bruder Simeon verzichtet bei seiner Ernährung ebenfalls auf tierische Produkte und überdenkt derzeit sein Vorhaben, nach dem Abitur am St.-Ursula-Gymnasium im Wohnmobil durch Europa zu reisen. Aktuell packt die Ortsgruppe VS eines der XR-Päckchen, die in den nächsten Tagen das Unternehmen Siemens erreichen sollen. Die Entscheidung des Konzerns über seine Mitwirkung bei der Erschließung der weltgrößten Kohlegrube in Australien steht kurz bevor. Insgesamt 61 Unternehmen wandten sich bereits ab, was einen Erfolg für Siemens bei der Bewerbung letztlich wahrscheinlich macht.

Sie haben sich feste Ziele gesteckt

Das will XR verhindern: Mit einem freundlichen Brief an die Siemens-Mitarbeiter, einem verpackten Stück Kohle mit dem Motto "Kohle oder Zukunft" und schließlich ein buntes Kinder-Windrad, das für regenerative Energiegewinnung und damit "für das Überleben der zukünftigen Generationen" steht.

Wer mit den "Rebellen" in Kontakt treten, sich ihnen anschließen oder Näheres über sie erfahren möchte, kann das per Mail an villingen-schwenningen@extinctionrebellion.de tun. XR Villingen-Schwenningen trifft sich im monatlichen Wechsel am ersten Donnerstag und am vorletzten Sonntag im Monat um 19 Uhr im Villinger Jugendhaus "K3".

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