Der Einkaufspreis für die Droge bewegte sich laut Anklageschrift zwischen 42 und 45 Euro pro Gramm. Foto: dpa (Symbolbild)

Bande vor Gericht. Drogen für Transport teils professionell in bunte Tetrapacks verschweißt.

Villingen-Schwenningen - Sehr gute Qualität hatte das Kokain, das von sechs angeklagten Männern aus Villingen-Schwenningen, Zimmern und Deißlingen zwischen Dezember 2009 und Frühjahr vorigen Jahres aus Rotterdam geholt und zum Teil auch von ihnen im Raum Villingen-Schwenningen und Rottweil verkauft worden sein soll. 14 Mal sollen die Angeklagten in unterschiedlicher Besetzung unterwegs gewesen sein, um jeweils Mengen zwischen 300 und 800 Gramm einzukaufen, behauptet die Staatsanwaltschaft Konstanz.

Zum Transport soll die Droge in unverdächtig aussehenden Farbeimern mit doppeltem Boden versteckt, professionell in bunte Tetrapacks verschweißt oder in Dosen eingepackt worden sein.

Alle erklärten gestern vor dem Landgericht Konstanz, dass sie selbst damals auf Droge gewesen seien und einen Teil des Kokains zum Eigenkonsum verbraucht hätten. Als Auslöser für die Sucht wurden Scheidung, finanzieller Ruin oder eine schmerzhafte Erkrankung genannt. Die Angeklagten waren oder sind alle in Ausbildungsberufen tätig gewesen. Ende 2009 kamen ein 33-Jähriger aus Schwenningen und 41-Jähriger aus Zimmern auf die Idee, sich das teure Kokain selbst in den Niederlanden zu besorgen.

1.000 bis 1.500 Euro pro Fahrt

Nachdem es gelungen war, 300 Gramm aus Rotterdam sicher nach Deutschland zu schmuggeln und sich der Verkauf als sehr lukrativ erwies, weitete man die Geschäfte laut Anklage aus. Ein 44-Jähriger, ebenfalls aus Zimmern, ein 28-Jähriger aus Deißlingen, ein 31-Jähriger aus Villingen und ein 43-Jähriger aus Schwenningen sollen dann als Fahrer oder Kuriere mit ins Boot gestiegen sein. 1000 bis 1500 Euro sollen sie pro Fahrt erhalten haben, oder ersatzweise 30 Gramm Kokain.

Drei der Angeklagten und vier weitere Männer sollen den Stoff im Raum Villingen-Schwenningen und Rottweil verkauft haben. Für die Beschaffungsfahrten verwendeten sie jeweils unterschiedliche Mietwagen. Als die Ermittler glaubten, die Gruppierung dingfest machen zu können, fielen sie im Mai vorigen Jahres auf die raffinierte Tarnung der Kokainpäckchen herein. Ohne fündig zu werden, gaben sie einen beschlagnahmten Farbeimer zurück, in dessen doppelten Boden sich 200 Gramm Kokain befanden. Ursprünglich, so die Staatsanwaltschaft, hatten sich zwei solcherart manipulierte Eimer im Fahrzeug befunden, mit insgesamt 800 Gramm Kokain. 600 seien bereits in Hessen verkauft worden, für 30 000 Euro. Der Einkaufspreis für die Droge bewegte sich laut Anklageschrift zwischen 42 und 45 Euro pro Gramm. Für fünf der Angeklagten kam es gestern gegen Geständnisse zu einer Prozessabsprache. Sie können nun mit milderen Strafen rechnen, die sich, je nach Tat­anteil zwischen zehn Monaten und vier Jahren bewegen.

Das Verfahren eines 44-jährigen Mannes aus Zimmern wurde abgetrennt, da er die Hälfte der ihm vorgeworfenen Taten bestreitet. Für ihn und einen weiteren Angeklagten aus Villingen könnte laut Gericht neben der Strafe auch die Anordnung einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht kommen, da beide ihre Kokainsucht noch nicht überwunden haben. Das Urteil soll heute verkündet werden.